Komplexe Trainingsformen

im Jugendtraining

- Erlernen der Grundtechniken im Spiel -

von Alberto Salomoni

 

Das Konzept der Gesamtspielsituation

Viele denken dass man, um Volleyball zu vermitteln, im Training bei den Grundtechniken anfängt. Sobald die Spieler die Grundtechniken gelernt haben, können Sie spielen. Das ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg! Auch nicht für einen Mini-Volleyballspieler. Ein Spiel ist nicht die Summe von Grundtechniken!

Deshalb sollte man mit dem Spielen anfangen. Dazu müssen wir uns fragen: „Wie funktioniert das Volleyballspiel ?“ Wenn wir z.B. eine Jugendmannschaft trainieren, müssen wir uns fragen, was unsere Mannschaft braucht um spielen zu können. Wir müssen wissen, dass das Spiel in zwei Phasen unterteilt ist:

Das Volleyball Spiel ist in zwei Phasen unterteilt: Komplex 1 und Komplex 2

Komplex 1 ist unterteilt in

  • Annahme

  • Stellen

  • Angriff

  • Sicherung des Angriffs

Komplex 2 ist unterteilt in

  • Aufschlag

  • Block

  • Abwehr

  • Stellen

  • Angriff

  • Sicherung des Angriffs.

Schritt 1: Um Komplex 1 zu spielen (der Spieler muss annehmen, stellen und angreifen) ist die wichtigste Übung: Annahme / Angriff. 

Schritt 2: Wenn die Spieler dies nicht schaffen, weil Sie Grundtechnikprobleme haben (passiert oft bei den Jugendlichen), müssen wir uns fragen: was brauchen wir, um eine gute Annahme zu haben? Was ist das Wichtigste in der Annahme:

  • Eine gute Bewegung oder eine gute Einschätzung der Flugbahn!

Zu dieser Frage gibt es viele Meinungen. Meine persönliche Meinung ist, dass die Spieler einen guten Bagger haben müssen, um eine gute Annahme zu haben. Also, man muss den Baggern lehren und korrigieren, z.B. mit einer Übung an der Wand. Aber wir (und der Spieler) wissen, wozu wir den Bagger trainieren: um Annahme / Angriff spielen zu können!

TOP

Training

Wir sollten uns immer wieder fragen: Was passiert in unserem Spiel? Und wie oft? Beobachten wir, was unsere Spieler im Spiel machen. Wir trainieren z.B. einen Annahmesituation in einem C-Jugendspiel:

  • Was passiert, wenn wir gut annehmen: Spielen wir mehr über die 4? Oder spielen wir auch über die 2?

  • Oder was passiert, wenn wir schlecht annehmen: Spielen wir nur über die 4?

  • Und wenn wir keine Möglichkeit haben anzugreifen: was machen die Spieler? Versuchen Sie die Gegner in Schwierigkeiten zu bringen oder spielen sie den Ball einfach z.B. mit einem Baggern?

  • Wie ist unsere Mannschaft im Feld organisiert? Wissen unsere Spieler, welche Aufgaben Sie im Feld haben?

  • Können die Spieler mit Erfolg angreifen, wenn unsere Annahme schlecht ist oder nicht?

  • Wo ist das Problem, wenn wir einen Ball, der zu weit vom Netz gestellt wurde, nicht angreifen können: die Grundtechnik? Oder das Timing?

Für die Gestaltung des Trainings sollte sich ein Trainer die o.g. Frage immer wieder stellen bzw. beantworten. Je häufiger eine Grundtechnik in dem Spiel vorkommt, desto mehr Zeit verwenden wir dafür im Training.

So trainieren wir die Grundtechnik in der Spielsituation: Wenn wir trainieren, gebe ich meinen Spielern ein klares (z.B. technisches) Ziel. Ein Spieler hat ein Problem mit dem Angriff, weil er zu niedrig abschlägt: 

  • Er soll innerhalb einer Spielübung immer daran denken, dass sein Arm hoch bleiben muss. Ich sage ihm auch, dass es mir egal ist, ob er „einen Block auf die Zähne kriegt“ oder "sein Angriff immer aus ist!“ Was er lernen muss, ist die Grundtechnik. 

  • Während des Spiels, soll er nur an diese eine Sache denken und seine Aktion sofort wiederholen, wenn er seinen Fehler wieder macht. 

  • Der Spieler bekommt sofort ein Feedback, positiv oder negativ. Aber er weiß sofort, ob er den Ball richtig gespielt hat oder nicht. 

  • Er spielt also immer. Und er lernt während dessen (auch) die Grundtechnik.

TOP

Training in einer Jugendmannschaft

Diese Idee, die Grundtechniken im Spiel zu trainieren ist auch in einer Jugendmannschaft möglich. 

  • Wo fangen wir mit einer Jugendmannschaft an? 

  • Was trainieren wir zuerst? 

  • Welche Grundtechniken brauchen wir, um sofort gut zu spielen?

Ich denke, das

  • Annahme,

  • Zuspiel über Position 4,

  • Angriff über die Pos. 4.

Grundvoraussetzung für das Spiel sind. Mit diesen drei Sachen können wir schon Komplex 1 spielen, auch wenn wir noch nicht die Sicherung des Anngriffs können, die im Anschluss gelernt werden sollte.

Weil die Spieler/innen nicht annehmen konnten hat unsere Jugendmannschaft schon häufig verloren. Trotzdem sollten wir nicht im gesamten Training Baggern oder Pritschen zu zweit trainieren. Unsere Spieler/innen können danach nicht im Feld spielen, weil Sie nicht ihre (individualtaktischen) Aufgaben kennen? Selbstverständlich müssen wir mit einer Jugendmannschaft auch analytische Übungen durchführen. Aber das wichtigste ist, dass diese Übungen nicht oberste Priorität genießen. Nach einer solchen Übung sollten wir die Technik verschiedenen Spielsituationen probieren!

TOP

Beispiele für Jugendmannschaften

Um dieses Konzept besser zu verstehen, folgendes Beispiel aus der C-Jugend:

1 Gesamtspielsituation 6 gegen 6  (Definition: hier)

eine Gruppe spielt Annahme – Angriff, die Andere: Aufschlag, Block und Abwehr

  • Die Aufstellung in Annahme und Angriff muss 5mal in der gleicher Aufstellung spielen, um eine Rotation zu machen. 

  • Der Trainer muss immer mit einen paar Bällen bereit sein, falls der Aufschlag nicht korrekt ist. In dieser Situation, wirft er einen  Ball (zur Annahmeseite), um weiter zu spielen. 

  • Wenn ein Spieler einen Fehler macht, wiederholen wir die gleiche Situation 3 bis 5mal.

Manchmal sind keine 12 Spieler im Training.  In diesem Fall können wir die Übungen mit 6 Spielern in Annahme-Angriff (eventuelle die Stammsechs) organisieren, und die Übrigen als Gegner mit dem Trainer, der die Situationen provoziert ( werfen, angreifen, aufschlagen usw.)

TOP

2 Synthetisches Spiel (Definition: hier)

Eine Gruppe (oder mehrere) mit 4 Spielern

  • Ein Spieler beim Aufschlag (oder wenn er es nicht schafft, nur ein Wurf)

  • ein Steller, 

  • ein Annahmespieler, der auch angreifen muss

  • der vierte Spieler blockt.

  • Die Kinder können entweder Angriff, Lob oder Sprungpritschen spielen.

  • Nach 5 Annahme/Angriff wechseln.

 

3 Analytische Übung (Definition: hier)

  • ein Spieler in Aufschlag und
  • Einer in Annahme.

oder 

  • ein Spieler in Angriff und
  • Einer in der Abwehr.

Die Spieler können 

  • statt Aufschlag werfen
  • statt Angriff ein Lob oder ein Wurf im Sprung.

spielen.

4 Superanalytische Übungen  (Definition: hier)

  • Baggern oder Pritschen an der Wand

TOP