Korrekturübungen für den Angriffsschlag

Auszug aus der Unterrichtsreihe: Der Angriffsschlag im Volleyball – Technikkorrektur an Stationen

Thorsten Koch

 

Korrekturübungen 1: Anlaufschritte und Absprung

langgezogener Stemmschritt kurze Flugphase Einstemmen Absprung

An dieser, der ersten Station sollten die Schüler ihre Fehler bei der Schrittgestaltung des Anlaufs und des Absprungs korrigieren. Die Lerngruppe steuerte hierbei drei Korrekturmaßnahmen bei, die auch in der Literatur erwähnt sind: Das Vormachen des Anlaufs, das Überspringen einer kurzen Matte wie auch die visuellen Markierungen, die als Orientierung für die zu gestaltende Schrittlänge und -reihenfolge dient.

Außer einer falschen Schrittreihenfolge konnten alle oben beschriebenen Fehler beobachtet werden, wobei hierzu auch Bewegungsmerkmale zählten, die nur ansatzweise ausgeprägt waren. Die Schrittlängengestaltung stellte die häufigste Fehlerquelle dar, was sich darin ausdrückte, dass die Schüler aufgrund des kurzen Stemmschrittes weit statt hoch flogen und im Netz landeten. Aus der Anzahl der genannten Korrekturmaßnahmen wählten die Schüler entsprechend ihres Lerntypentestergebnisses[1] zunächst mit dem Video-Feedback den Realdemonstrationen (Vormachen) und den visuellen Orientierungshilfen (Schritte auf dem Boden) überwiegend visuelle Korrekturmaßnahmen aus. Bei denjenigen Schülern, deren Schrittlängengestaltung und Dynamik zwar im Ansatz erkennbar, jedoch nicht ausgeprägt war, hat sich der Einsatz von Video-Feedback als leistungserweiterndes Verfahren erwiesen. Dagegen konnten Schüler, die ihrerseits anfangs noch große Defizite im Bereich des Anlaufs und Absprungs hatten, sich nach eigener Aussage mittels des Video-Feedbacks nicht sonderlich verbessern. Eine Erklärung für den Erfolg einiger Schüler, sich mittels des Video-Feedbacks zu verbessern, könnte in deren präziseren Bewegungsvorstellung (Soll-Wert) und/oder niedrigerem Bewegungsempfinden liegen, das durch den Einsatz von Video-Feedback verbessert wird. Da das Video-Feedback bei einigen Schülern nicht den erwünschten Erfolg brachte, erprobten diese sowohl die Realdemonstrationen, als auch die auf dem Boden befestigten Orientierungsschritte. Konnten sich zwei Schüler mittels der Realdemonstration verbessern, müssen die Orientierungsschritte dagegen kritisch beurteilt werden, da sie keinen Leistungszuwachs brachten und von den Schülern gar als hinderlich bewertet wurden. (Felix: „Ich kann mich nicht auf die Bewegung konzentrieren, wenn ich da runterschauen muss.“)

Wesentlich effektiver gestaltete sich jedoch sowohl für diese beiden Schüler als auch für die „Hörtypen“ die Rhythmisierung. Bezeichnend und gleichermaßen als Erklärung für die Effektivität der Rhythmisierungsmaßnahmen bei der Verbesserung der Anlaufschritte kann in Nicoles Aussage gesehen werden: („Schrittfolgen haben immer einen Rhythmus, also geht’s darüber doch am einfachsten“.) Ähnlich erfolgbringend wurde die Bewegungsaufgabe, beim Überspringen der Matte einen langen Stemmschritt zu erzwingen, bewertet. Im Vergleich zwischen Rhythmisierung und Überspringen der Matte kann bezüglich der Effektivität jedoch von keiner Überlegenheit der einen gegenüber der anderen Maßnahme gesprochen werden.

Bemerkenswert ist die Kombination der Rhythmisierung parallel zum Überspringen der Matte, die von einem Schülerpaar selbst kreiert wurde und als Korrektur in dieser Form eigentlich nicht vorgesehen war. So brachte die Verbindung des verbal-akustischen mit dem kinästhetischen Analysator (Bewegungsaufgabe) den Erfolg bei einer Schülerin. Steffi, die seit Jahren Handball spielt und aufgrund eingeschliffener Stereotype Probleme mit dem beidbeinigen Absprung beim Angriffsschlag hatte[2], gelangte vorher mit beiden, getrennt ausgeführten Korrekturen, nicht zum erhofften, zügigen Erfolg. So hat sich die Verbindung beider Übungen miteinander zu einer eigenständigen Maßnahme als sehr effizient herausgestellt.

Dies könnte ein Hinweis auf die größere Wirksamkeit der Verbindung mehrere Eingangskanäle berücksichtigende Rückmeldungen sein. Gestützt wird diese Hypothese durch die Erfahrungen der Rhythmisierung und der synchron ablaufenden Realdemonstration, die sich ebenfalls als effizienter erwies als die Erprobung der einzelnen Elemente dieser Korrekturmaßnahme.

Diese Erklärungsansätze können jedoch aufgrund der fehlenden repräsentativen Relevanz lediglich als Hypothese formuliert werden.

Dass bisherige Erfahrungen mit der Art des Bewegungslernens bei der Korrektur eine wesentliche Rolle spielen, kann am Beispiel von Nicole erörtert werden, die leistungssportorientiert tanzt und die Schrittkombinationen in ihrer Sportart nach eigener Aussage stets durch inneres Mitsprechen erlernt und verbessert hat. So optimierte sie ihren Anlaufrhythmus und die Schrittlängengestaltung am schnellsten durch das laute Mitsprechen („kurz-lang-Sprung“) während der Bewegung.

Sofern man unter Vernachlässigung wissenschaftlicher Kriterien überhaupt eine Hierarchie für die Wirksamkeit bestimmter Maßnahmen festlegen kann, hat sich im Rahmen dieser Unterrichtsreihe für die Anlauf- und Absprunggestaltung bei der Lerngruppe die Rhythmisierung in Verbindung mit einer Bewegungsaufgabe und die Rhythmisierung in Verbindung mit einer Realdemonstration als am effektivsten erwiesen.

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Ob ein Zusammenhang zwischen einem überwiegend ausgeprägten Lerntyp und dem Erfolg einer entsprechend angesteuerten Maßnahme besteht, kann für diese Station nicht eindeutig beantwortet werden. So konnten sich Schüler, die beispielsweise eher über das Hören lernen, zum Teil nach eigener Aussage mittels der jeweiligen Maßnahmen (Rhythmisierung, verbale Rückmeldung) verbessern. Es scheint jedoch schwierig, hierfür einen Nachweis zu erbringen, weil nachträglich nicht verifizierbar ist, ob sich diese Schüler nicht auch mittels anderer Übungen genauso verbessert hätten. So gibt es sowohl Hinweise für die Bestätigung als auch für die Zurückweisung dieser These. Die Entscheidung, ein Bewegungsmerkmal durch die Erprobung mehrerer unterschiedlicher Maßnahmen zu verbessern, hat sich als richtig erwiesen, da sich viele Schüler nicht sofort durch die erste angesteuerte Korrekturübung verbessern konnten. Bei vier Schülern brachte die erste Maßnahme keinen oder nur wenig Erfolg, so dass erst die zweite oder dritte Übung zur Überwindung des Fehlerbildes bzw. zur Verbesserung der motorischen Ausführung der Teilbewegung führte.

Bezüglich der Organisation ist anzumerken, dass die einzelnen Maßnahmen bis auf den Einsatz des Video-Feedbacks problemlos für die Kursteilnehmer durchzuführen waren. Das Video-Feedback erforderte insofern ein gewisses organisatorisches Geschick, als dass der zeitliche Rahmen von Ausführung und anschließend rückzukoppelnder Schnellinformation relativ eng gestaltet werden musste. Aber nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnten die Schüler mit dem Gerät so umgehen, dass der Übende nach ca. 20 Sekunden eine visuelle Rückmeldung über seinen Bewegungsablauf erhielt.

Aus pädagogischer Sicht ist anzumerken, dass sich alle hier vorgestellten Maßnahmen für ein schüler- und handlungsorientiertes Vorgehen eignen, weil sie neben der parallel laufenden verbalen Rückmeldung auch die Kommunikation und das selbständige Erproben der Maßnahmen der Schüler fördern. Einen besonderen Stellenwert nimmt hier neben der verbalen Rückmeldung die Rhythmisierungsmaßnahme ein, weil sich die korrigierenden Schüler mehr noch als bei den anderen Korrekturen als notwendigen Bestandteil des Lernprozesses betrachten.

 

Fehler

Korrekturmaßnahme

  • Falsche Schrittreihenfolge: re-li-re (A1/A2)

  • Langer anstelle eines kurzen Auftakt- und kurzer anstelle eines langen Stemmschrittes (A1/A2/A3/A4/A5)

  • Stemmsprung statt Stemmschritt (A2/A3/A5/A6/A7)

  • Einbeiniger statt zweibeiniger Absprung (A6/A7/A3)

  • Schüler landet nach Absprung im Netz

  • Aufkleben von Schritten als Orientierungshilfe - A1*

  • Rhythmisierung der Anlaufschritte („Am-ster-dam“/“links-rechts-links“) - A2

  • Rhythmisierung in Verbindung mit einer synchronen Realdemonstration - A3

  • Überspringen einer Matte (Erzwingen eines langen Stemmschrittes) - A4*

  • Mitsprechen („kurz-lang-Sprung“) - A5

  • Es werden nur die letzten beiden Schritte
    über eine kurze Matte ausgeführt - A6

  • S. setzt die Füße nacheinander auf zwei getrennten Markierungen auf - A7

  • Sekundärfehler, der seine Ursachen in einer fehlerhaften Schrittfolge, einem zu nahen Absprungort vom Netz oder im mangelnden Armeinsatz oder einem kurzen Stemmschritt haben kann

 

[1] Dieses ergab in Anlehnung an VESTER fünf überwiegend visuelle Sehtypen, vier überwiegend verbal-akustische Hörtypen und vier überwiegend Handlungstypen, wobei im Sport überwiegend über taktile bzw. kinästhetische Analysatoren Lernende diesem Handlungstyp zuzuordnen sind.

[2] So wird der Sprungwurf im Handball einbeinig ausgeführt


URL: Der frontale Angriffsschlag

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