Korrekturübungen für den Angriffsschlag 2

Auszug aus der Unterrichtsreihe: Der Angriffsschlag im Volleyball – Technikkorrektur an Stationen

Thorsten Koch

 

Korrekturübungen 2: Armeinsatz während des Anlaufs und Absprungs

Ausholen zum... ...Einstemmen Schwung nach oben - Absprung unterstützen Ausholen zum Angriffsschlag
       

Zu den Korrekturmaßnahmen dieser Station steuerten die Schüler ebenfalls drei Korrekturhinweise bei, wobei zwei davon neu konzipiert und in der Fachliteratur von mir bisher nicht gesichtet wurden: Dies betrifft zum einen die Bewegungsaufgabe, während des Anlaufs hinter dem Rücken einen Tennisball von der einen in die andere Hand zu überreichen, um eine Rückführung der Arme zu erzwingen. Zum Anderen erarbeiteten die Schüler die Instruktion, „beide Arme schwungvoll nach oben“ zu führen (Absprung) sowie auch die aus der Fachwissenschaft bekannte taktile Maßnahme, die eine ausgeprägte Rückführung der Arme bedingt. Im Rahmen dieser Station konnten alle Fehlerbilder beobachtet werden, wobei die Rückführung der Arme zum Schwungholen beim Stemmschritt und das gestreckte Armschwingen bis auf Schulterhöhe während des Absprungs am wenigsten ausgeprägt waren. Hierbei gilt es anzumerken, dass die Armführung beim Anlauf und Absprung bei den meisten Schülern weniger als Fehler, sondern eher als lediglich schwach ausgeprägtes Merkmal bezeichnet werden muss. Die zunächst am häufigsten angesteuerte Maßnahme stellte - bedingt durch die mehrheitliche Anzahl an visuellen Sehtypen - das Video-Feedback, die Lehrbildreihe und Realdemonstrationen mit insgesamt fünf Schülern dar. So konnten sich zwei Schüler mittels des Video-Feedbacks verbessern, drei Schüler stuften jedoch im Vergleich hierzu die taktilen Korrekturmaßnahmen höher ein. Nicht nur, dass sie mittels der taktilen Rückmeldung schneller zum erwünschten Ergebnis kamen, sondern auch der vergleichsweise große Aufwand des Video-Feedbacks wurde für diese Teilbewegung als Nachteil gegenüber den taktilen Übungen bewertet. Die Wirksamkeit des Video-Feedbacks bei den genannten Schülern muss jedoch differenziert betrachtet werden. So empfanden vor allem diejenigen Schüler diese Maßnahme erfolgreich, die nicht nur dem visuellen Lerntyp angehörten, sondern auch eher ein schwaches Bewegungsempfinden aufwiesen.[1] Dies könnte die Hypothese stützen, dass je schwächer die Ausprägung des eigenen Bewegungsempfindens ist, desto wirksamer sich das Video-Feedback als Lern unterstützend auswirkt.

Der Einsatz der Lehrbildreihe wurde von einigen Schülern als positiver gegenüber den Realdemonstrationen eingestuft, weil das fixierte Bild des Armeinsatzes eine wirksamere Möglichkeit zur Vertiefung der Bewegungsvorstellung darstellte als schnell ablaufende Realdemonstrationen. Aus dieser Beobachtung kann jedoch keine allgemeine Tendenz abgeleitet werden, da die Lehrbildreihe im Rahmen dieser Station von lediglich zwei Schülern angesteuert wurde. Als am methodisch wirksamsten wurden - unabhängig vom Lerntyp - die taktilen Korrekturmaßnahmen und die Bewegungsaufgaben seitens der Lerngruppe eingeschätzt, wobei den Bewegungsaufgaben im Vergleich dieser beiden der größte Lerngewinn beigemessen wurde.

Als besonders Lern unterstützend erwies sich dabei die Maßnahme, den Übenden in die Mitte von jeweils einem rechts und links stehenden Partner zu nehmen und gemeinsam mit ihm die Armbewegung während des Anlaufs ausführen zu lassen. Doreen, die mittels keiner anderen Korrekturmaßnahme ihr Fehlerbild beheben konnte, kann exemplarisch genannt werden. So tauchte das aus ihrer Disziplin (Weitsprung) stammende Stereotyp, nach Absprung beide Arme gestreckt oben zu lassen, immer wieder auf. Die mehrfach ausgeführte bewegungsführende Hilfe half letztlich den Fehler zu korrigieren. Negative Kritik erhielt jedoch die Bewegungsaufgabe, mittels der Tennisballübergabe hinter dem Rücken eine ausgeprägte Armführung zu erreichen. Grund für die Wirkungslosigkeit dieser Maßnahme könnte die hohe
koordinative Anforderung sein, da für das Gelingen eine ausgeprägte Kopplungsfähigkeit erforderlich ist.
[2] Zudem empfanden zwei Schüler, die eher dem handelnden Lerntyp entsprachen, die Aufgabe als nicht Lern fördernd, weil „man sich nur auf den Tennisball konzentriert und nicht fühlt, wie weit die Arme nach hinten müssen“. Bezüglich der taktilen Maßnahmen kann geschlussfolgert werden, dass sie als sehr wirksam für die Verbesserung der Bewegung bewertet wurden, wobei auch hier eine differenzierte Betrachtung notwendig erscheint. Es bedurfte einer größeren Übungszeit, auch während des Anlaufs Rückmeldungen über die Armtätigkeit geben zu können, weil der Partner mitlaufen und den anzuschlagenden Arm dabei in der richtigen Höhe halten musste.

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Positive Erfahrungen machte die Lerngruppe mit der Korrekturmaßnahme, nach dem Absprung über dem Kopf in die Hände zu klatschen. So birgt diese Übung den Vorteil, den Armeinsatz gekoppelt mit dem Anlauf erlernen zu lassen, was auch aufgrund des wegfallenden Partners bei dieser Übung von organisatorischem Vorteil erscheint. Bemerkenswert war hierbei die Idee einer Schülerin, die diese Korrekturmaßnahme mit ihrer Partnerin aus der Praxis heraus weiterentwickelte, indem sie zwei eigentlich getrennt vorgesehene Maßnahmen miteinander verband: Statt die Hände mit gestreckten Armen über dem Kopf zu klatschen, schlug sie das Klatschen der Hände bereits auf Gesichtshöhe mit anschließender Ausführung der „Pfeil- und Bogenbewegung“ vor, was sich als noch effizientere Lösung herausstellte. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme kann möglicherweise durch die mehrere Eingangskanäle ansprechende Rückmeldung erklärt werden, da sie sowohl kinästhetische (Bewegungsaufgabe), visuelle als auch verbal-akustische Analysatoren benutzt.

Weniger hilfreich war dagegen die Instruktion, „beide Arme schwungvoll gestreckt nach oben“ zu führen, da sie nach Angabe zweier, dem „Hörtyp“ zuzuordnenden Schülern „wenig gebracht hat“. Was den Zusammenhang zwischen Lerntyp und Erfolgsrelevanz durch entsprechend angesteuerte Korrekturmaßnahmen angeht, lässt sich auch an dieser Station keine eindeutige Tendenz feststellen. Die diesbezüglichen Erfahrungen mit den Korrekturmaßnahmen dieser Station lassen sich als Hinweise sowohl für als auch gegen diese These anbringen. So bewerteten überwiegend verbal-akustische Lerntypen die verbale Rückmeldung ihrer Armtätigkeit zwar als hilfreich, doch ihrer Ansicht nach erwiesen sich sowohl taktile Rückmeldungen als auch Bewegungsaufgaben wirkungsvoller. Das Gleiche gilt für einen Teil der visuellen Sehtypen, die zum gleichen Ergebnis kommen. Dem stehen Erfahrungen von einigen Schülern gegenüber, die bei Erprobung einer ihres Lerntyps entsprechende Maßnahme nach eigener Angabe schnell gelernt haben.

Aus organisatorischer Sicht ist anzumerken, dass außer den oben genannten Anlaufschwierigkeiten, die bei einer taktilen Korrekturmaßnahme auftraten, die Schüler keine Probleme bei der Bewältigung der einzelnen Maßnahmen hatten. Neben dem allgemeinen handlungsorientierten Vorgehen, die Schüler sich selbständig und eigenverantwortlich korrigieren zu lassen, eignen sich aus pädagogischer Sicht besonders die taktilen Korrekturen, weil sie, wie schon bei der Rhythmisierung, den Partner als unerlässlich für die Rückmeldung betrachten und sich der Helfende noch stärker als Bestandteil des Lernprozesses fühlt.

Fehler

Korrekturmaßnahme

  • Arme werden beim Absprung nicht ausreichend nach hinten/oben bzw. statt beider Arme nur der Schlagarm zurückgeführt (B1/B2/B8)

  • Beim Absprung werden beide Arme nicht weit genug nach vorn/oben geführt (B3/B4/B5/B6/B7/B8)

  • Armschwung mit gebeugtem statt mit gestrecktem Arm (B3/B4/B5/B6/B7/B8)

  • Seitlich stehender Partner hält den Arm so, dass der Anlaufende die Arme bis zum Anschlag nach hinten führt - B1

  • Während der Schrittfolge einen Tennisball hinter dem Rücken von einer in die andere Hand übergeben - B2

  • Partner steht mit in Brusthöhe ausgestreckten Armen vor dem S., der seine Arme so weit nach vorn/oben schwingt, dass er die ausgestreckten Hände des Partners berührt - B3

  • Nach dem Absprung beide Hände mit gestreckten Armen über den Kopf klatschen lassen - B4

  • „Beide Arme schwungvoll gestreckt nach oben“ - B5

  • Wie oben, in Verbindung mit einer Realdemonstration - B6

  • „Pfeil- und Bogen spannen“ - B7

  • Der in Übende, in der Mitte stehend, wird von zwei Partnern jeweils an den Händen genommen, die ihm bei gleicher Schrittfolge die Arme bis zum Absprung führen- B8

[1] Dieses offenbarte sich bei diesen Schülern durch die Diskrepanz der eigenen Bewegungseinschätzung und der objektiv beobachtbaren Bewegungsausführung.

[2] Selbst die beiden Volleyballspieler hatten - um meine Hypothese zu überprüfen - Schwierigkeiten mit der Bewältigung dieser Aufgabe.


URL: Der frontale Angriffsschlag

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