Korrekturübungen für den Angriffsschlag

Auszug aus der Unterrichtsreihe: Der Angriffsschlag im Volleyball – Technikkorrektur an Stationen

Thorsten Koch

 

Korrekturübungen 3: Armführung während der Schlagphase

   

Bei den im Rahmen dieser Station angebotenen Korrekturmaßnahmen, erarbeiteten die Schüler innerhalb ihrer Kleingruppen zwei Maßnahmen. Hierbei war eine neu konzipierte, bisher in der Literatur nicht aufgetauchte Maßnahme. So erarbeiteten sie die Instruktion, beim Fehlerbild des eng angelegten Nichtschlagarms den Arm fallen zu lassen. Darüber hinaus hatten sie die Idee einer taktilen Maßnahme, die in der Rückführung des Schlagarms in Ohrhöhe bis an eine Wand bestand und die aufgrund organisatorischer Gründe in der Weise verändert wurde, dass die Wand durch einen dahinter stehenden Partner ersetzt wurde. Im Vergleich aller Stationen miteinander erhielt diese den meisten Zulauf, was nicht zuletzt den Schwierigkeitsgrad dieser Teilbewegung widerspiegelt. Außer dem Bewegungsmerkmal, dass der Schlagarm nach dem Schlag nicht am Körper vorbei geführt wird, waren alle oben beschriebenen Fehlerbilder innerhalb der Lerngruppe anzutreffen. Das Ausholen des Schlagarmes, das Stossen des Balles und das zu frühe Öffnen des Ellbogengelenks wurden am häufigsten registriert.

Bezüglich des Video-Feedbacks lässt sich der Trend, der sich an den anderen Stationen bereits angedeutet hat, bestätigen. So waren Schüler, die zunächst eine fehlerhafte Armführung hatten und über ein weniger stark ausgeprägtes Bewegungsempfinden sowie über eine präzisere Bewegungsvorstellung verfügten mit dieser Maßnahme schneller erfolgreich als Schüler, die sich durch ein gutes Bewegungsbewusstsein auszeichneten. Eine Erklärung für diese Beobachtungen könnte darin liegen, dass das Video-Feedback (ohne vor- oder nachgeschaltete Soll-Wert-Präsentation) durch systematische Selbstbeobachtung vorrangig das Bewegungsempfinden verbessert. So bewirkt die Maßnahme bei Schülern, deren Bewegungsempfinden bereits sehr stark ausgeprägt ist, deshalb weniger Leistungszuwachs.

Als eindeutig überlegen haben sich nach Aussage der Lerngruppe auch hier - unabhängig vom Lerntyp - die taktilen Korrekturmaßnahmen und die Bewegungsaufgaben erwiesen, wobei letztere im Vergleich nochmals besser abschnitten. So konnten alle Schüler, die Probleme mit dem Ausholen des Schlagarms hatten, dies durch die taktile Reizgebung eines hinter dem Übenden stehenden Partners problemlos verbessern. Anzumerken ist hierbei jedoch, dass der Partner die zu treffende Hand nicht zu weit nach hinten verlagern darf, da dies - wie bei zwei Paaren aufgetreten - zu einer Rückführung des Ellbogens bis auf Schulterhöhe provoziert. Nachdem diese Gefahr nochmals innerhalb der Lerngruppe in einer kognitiven Phase durch ein problemorientiertes gelenktes Unterrichtsgesprächs erörtert wurde, konnte der Fehler vermieden werden.

Bei einer zu frühen Öffnung des Ellbogens, der in Anlehnung an die biomechanischen Prinzipien die Impulsübertragung auf den Ball vermindert, half eine taktile Maßnahme im Stand. So bewirkte diese die Öffnung des Unterarms für den Schlag erst dann, wenn die vor dem Gesicht gehaltene Hand des Partners mit dem Ellbogen berührt wurde. Auch hier bestand die Gefahr, dass ein ungeübter Partner bei den zu treffenden Flächen nicht die individuelle Höhe berücksichtigte.

Diese Korrektur kann grundsätzlich als wirksam bezeichnet werden kann, jedoch setzt sie eine gewisse Übung der Schüler voraus. Noch effektiver als diese Korrekturmaßnahme erwies sich für Schüler, die den Ellbogen beim Nach-Vorne-Führen zu früh öffneten, das „Axt-Werfen“. Die Idee zu dieser Übung kam mir durch die Strukturähnlichkeit des Angriffsschlags mit der Schlagballbewegung, die unterstützend auf die Ausprägung der Impulskette wirkt. Diese Korrekturmaßnahme stellt eine autokorrektive Übung dar, weil die Übenden über das Resultat selbst eine Rückmeldung über die richtige bzw. fehlerhafte Ausführung der Bewegung erhalten.[1] Rotiert der in Richtung Hallendecke geschleuderte Stab um seine eigene horizontale Achse, so weiß der Schüler, dass die Bewegung richtig vollzogen wurde. Selbst eine leistungsorientiert spielende Handballerin, deren Wurfbewegung aus funktionaler Sicht diametral zu der des Angriffsschlags steht[2], konnte sich - nachdem alle anderen Stationen nicht zum Erfolg führten - mittels des „Axt-Werfens“ stark verbessern. Dies stützt die bereits bezüglich der ersten Station formulierte Hypothese, dass Schüler mit motorischen Schwierigkeiten, die auch durch Stereotype verursacht sein können, am ehesten durch zwingende Bewegungsaufgaben (um)lernen.

Eine Erklärung hierfür könnte in der durch die relativ enge Bewegungsfreiheit und die durch die Bewegungsaufgabe vermittelte kinästhetische Rückmeldung gesehen werden. Als nahezu wirkungslos stellte sich die Instruktion heraus, den Nichtschlagarm während der Schlagphase einfach fallen zu lassen, wenn dieser eng am Körper gehalten wurde, was zu Verlusten der Dynamik während des Schlags führte.

Ein Zusammenhang von der Ansteuerung lerntypenspezifischer Korrekturmaßnahme und einem damit verbundenem schnelleren Lernprozess, kann auch für diese Station nicht eindeutig beantwortet werden. So stützen Erfahrungen von Schülern, die eher dem handelnden Lerntyp zuzuordnen sind, diese These, da sie nach eigenen Angaben am schnellsten durch die Bewegungsaufgabe und die taktilen Korrekturmaßnahmen gelernt haben. Der Grund hierfür könnte jedoch auch in der allgemeinen Überlegenheit dieser Maßnahmen gegenüber anderen liegen und es somit als Zufall ausgelegt werden, dass diese Übung gerade mit dem handelnden Lerntyp korrespondiert. Gegen die These des Optimierungsprozesses durch Ansteuerung lerntypenadäquater Korrekturmaßnahmen spricht auch die Erfahrung mehrer Schüler, die eher visuelle Sehtypen sind und mit den taktilen Rückmeldungen besser zurecht kamen. Bemerkenswert ist jedoch die Beobachtung, dass der überwiegende Teil der Lerngruppe nicht gleich durch die erste Korrekturmaßnahme zum Erfolg kam, sondern erst nach Erprobung mehrerer Maßnahmen. Das könnte die Hypothese stützen, dass erst die Rückmeldung über mehrere Informationsquellen zum Erfolg führt.

Bezüglich der Organisation dieser Station mussten die Schüler darauf achten, beim nicht ungefährlichen „Axt-Werfen“ andere Schüler zu gefährden, was jedoch aufgrund der kleinen Gruppengröße und des zur Verfügung stehenden Raums sowie Absprachen der Schüler untereinander kein Problem darstellte. Die restlichen Korrekturmaßnahmen waren aus organisatorischer Sicht unter Einschränkung der angesprochenen taktilen Maßnahmen, die eine gewisse Anlaufzeit erforderten, problemlos von den Schülern zu bewältigen. Der Stellenwert der diesen Korrekturmaßnahmen impliziten Sozialkompetenz ist unterschiedlich zu bewerten. So schärfen die Schüler beim „Axt-Werfen“ ihr Verantwortungsbewusstsein, das sie den anderen gegenüber einnehmen, um Verletzungen zu vermeiden. Geringer ist bei dieser Maßnahme der Anteil des rückmeldenden Partners, weil die Übenden durch den autokorrektiven Charakter dieser Korrekturmaßnahme selbst eine Rückmeldung ihrer Bewegung erhalten

[1] So fiel die Entscheidung zugunsten des „Axt-Werfens“ gegenüber des Schlagballwurfs, weil der Schlagballwurf keine Rückmeldung über die Impulskette zulässt.

[2] Vgl. SINGER (1983, 41), der den Handballwurf durch eine abgewinkelte Ellbogenführung auf Schulterhöhe charakterisiert.

 

Fehler

Korrekturmaßnahme

  • Schlagarm holt nicht ausreichend genug aus (C2/C3/C5)

  • Ellbogen „hängt“ beim Nach-Vorne-Führen des Schlagarms (C1/C2/D1)

  • Ellbogenwinkel wird beim Nach-Vorne-Führen zu früh geöffnet, so dass der Arm bereits gestreckt ist (C2/C1/D1)

  • Windmühlenbewegung des Schlagarms (B3/C1/C2/C3/D1)

  • Stossen des Balles [1] (C2/D1/D4)

  • Nichtschlagarm wird während der Schlagphase eng am Körper gehalten (C8/B1/B2/B3)

  • Schlagarm wird nach Treffen des Balles nicht seitlich am Körper vorbei geführt[2] (B1/B2/B3)

  • Partner steht seitlich des Übenden und hält jeweils hinter dem Ohr und vor dem Kopf in Augenhöhe eine Hand, die der Übende durch seine Armführung nacheinander berühren muss. Nach der zweiten taktilen Rückmeldung darf der Unterarm aufklappen - C1*

  • Stab in Richtung Hallendecke werfen lassen, der sich nach Abwurf um seine horizontale Achse drehen muss („Axt-Werfen“) - C2*

  • S. muss mit seinem ausholenden Ellbogen die Hand des Partner berühren - C3

  •  „Pfeil- und Bogen spannen“ - (s.o.)

  • Falls Sekundärfehler: „Ball höher anwerfen und oben schlagen“

  • Im Stand: Schwingen nach hinten bzw. vorne mit taktilem Anschlag  üben (s.o.)

  • „Lass den Arm fallen“ – C4*

  • Falls Sekundärfehler: Absprungort neu korrigieren

[1] Es kann sich aber auch um einen Sekundärfehler handeln, wenn der Ball beispielsweise zu tief angeworfen wird und lediglich das Stossen des Balles aufgrund des tiefen Abschlagpunktes nötig wird.

[2] Die beiden letztgenannten Fehler können auch Sekundärfehler darstellen, deren Ursprung in einem zu nahen Absprungort liegt und die Schüler versuchen, der drohenden Netzberührung durch Heranziehen der Arme an den Körper zu entgehen.


URL: Der frontale Angriffsschlag

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