Korrekturübungen für den Angriffsschlag

Auszug aus der Unterrichtsreihe: Der Angriffsschlag im Volleyball – Technikkorrektur an Stationen

Thorsten Koch

 

Korrekturübungen 4: Schlagen des Balles und Landung

Zu den Korrekturmaßnahmen dieser Station steuerten die Schüler zwei Übungen bei, wobei hierzu eine bisher nicht bekannte Maßnahme gehörte. Diese bestand in einer taktilen Maßnahme, im Stand auf die nach oben, mit gestrecktem Arm gehaltene Hand zu schlagen, um den Abschlagpunkt vorzugeben und den aktiven Handgelenkeinsatz zu unterstützen. Die weitere Maßnahme diente einer Komplexitätsreduktion, indem ein feststehender Ball (gehalten oder im Fischernetz befestigt) in individueller Höhe zur Schulung des Abschlagpunktes mit gestrecktem Arm geschlagen werden musste.

Innerhalb dieser Station konnten außer einer fehlerhaften Landung alle Fehlerbilder beobachtet werden, wobei Maßnahmen zur Verbesserung des Handgelenkeinsatzes und des Schlagens aus der Rückenlage am häufigsten angesteuert wurden. Hierbei gilt es anzumerken, dass der überwiegende Teil der diagnostizierten Fehler ursächlich in der mangelnder Antizipationserfahrung der Schüler begründet liegt[1] und sich deshalb im Rahmen dieser Reihe über Korrekturmaßnahmen nur bedingt verbessern lässt. Analog der Korrekturmaßnahmen der anderen Stationen erwiesen sich die Bewegungsaufgaben und die taktilen Maßnahmen als am effektivsten gegenüber den anderen Korrekturen, wobei durch die Struktur dieses Bewegungsteils lediglich eine taktile Maßnahme angeboten werden konnte. Für den häufig aufgetretenen Fehler des mangelnden Handgelenkeinsatzes eignete sich nach Aussagen der Schüler die Aufgabe am besten, einen Tennisball mit gestrecktem Arm steil über das in individueller Höhe gespannte Schrägnetz zu werfen, weil sie so zur richtigen Bewegungsausführung gezwungen wurden.

Auch der Transfer in der späteren Gesamtbewegung gelang den meisten Schülern, so dass diese Korrekturmaßnahme als sehr effektiv bezeichnet werden kann. Exemplarisch für die Wirksamkeit dieser Übung kann Matthias (Kraulschwimmer) herangezogen werden. So hatte Matthias - bedingt durch seine einseitigen Bewegungserfahrungen - Probleme mit dem Abklappen des Handgelenks („steifer Unterarm“). Weder verbale Rückmeldungen über seinen Fehler noch anschließende Realdemonstrationen mit der korrekten Ausführung konnten ihm helfen („Ich weiß ja, was ich falsch mache - ich weiß nur nicht, wie ich es weg bekomme“), so dass letztlich die Bewegungsaufgabe half, sein Fehlerbild abzubauen. Die zweite diesem Fehlerbild zugeordnete Korrekturmaßnahme, im Stand mit angeworfenen Bällen über das Schrägnetz zu schlagen, hat sich dagegen für diese Gruppe als weniger geeignet erwiesen. So hatten viele Schüler Probleme mit dem Anwurf des Balles, was folglich eine fehlerhafte Ausführung der Bewegung aus der Rücklage nach sich zog. Die Voraussetzung für diese - bisher in meiner Trainingspraxis eigentlich bewährte Übung - ist das Beherrschen eines präzise angeworfenen Balles, was bei den meisten Schülern nicht sehr ausgeprägt war. Dies habe ich bei der Konzeption dieser Korrekturmaßnahme unterschätzt. Eine längere Anlaufzeit dieser Maßnahme sollte meiner Ansicht nach jedoch in Kauf genommen werden, da sie das Timing des Armstreckens sehr unterstützt.

Wirksamer empfanden einige Schüler die visuell-taktile Maßnahme, im Stand auf die nach oben gehaltene flache Hand des Partners zu schlagen, um erstens eine Orientierung für die Armstreckung, aber auch um den aktiven Handgelenkeinsatz zu erfahren. Als problematisch erwies sich die seitens eines Partners zu tief gehaltene Hand, die einen zu tiefen Abschlagpunkt und folglich eine fehlerhafte Bewegung provozierte. Da diese Schüler das Problem ihrerseits nicht erkannten, musste ich eingreifen und wiederholt auf die Bedeutung der in entsprechender Höhe gehaltenen Hand hinweisen. Ein Grund für die Vernachlässigung dieses wesentlichen Aspekts während der Korrektur kann in der mangelnden Präsenz der diese Übung bedingende Faktoren sowie in der mangelnden Beachtung der zum Nachschauen konzipierten Wandplakate gesehen werden.

Als wenig geeignet hat sich die Korrekturmaßnahme erwiesen, den gehaltenen Ball im höchsten Punkt zu schlagen, um die Streckung des Armes zu erzwingen. Zwar hat diese Übung ihre Verdienste, den Angriffsschlag in seinem Gesamtablauf unter erleichterten Bedingungen zu festigen, weil die Antizipationsproblematik ausgegrenzt wird. Doch in Bezug auf das angestrebte Korrekturziel muss diese Maßnahme kritisch betrachtet werden, weil der Transfer bei zugespielten Bällen ebenfalls mit gestreckten Arm im höchsten Punkt abzuschlagen bei keinem der Schüler erreicht wurde. Das ist ein Hinweis dafür, dass die eingangs angedeutete Antizipationsfähigkeit den größten Raum zur Bewältigung dieser Bewegung einnimmt und lediglich durch langes und intensives Üben wettgemacht werden kann.

Das Gleiche gilt für den diagnostizierten Fehler, den Ball nicht vor/über dem Kopf, sondern aus der Rückenlage zu schlagen. Nachdem die meisten Schüler es geschafft haben, sich den Ball nach anfänglichen Schwierigkeiten so anzuwerfen, dass eine korrekte Ausführung der Bewegung im Stand erfolgen konnte, tauchte der Fehler im Sprung wieder auf. Die Ursache liegt in dem falsch gewählten Absprungort, der ein Schlagen aus der Rücklage nach sich zieht. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit kann diese Übung nicht zur Beseitigung des diagnostizierten Fehlerbildes beitragen. Vielmehr wäre eine intensive Übungsphase über einen längeren Zeitraum notwendig, um das Timing in Koordination mit dem entsprechenden Absprungort zu festigen. Das Video-Feedback als Korrekturmaßnahme wurde an dieser Station stark frequentiert und hat sich nach Aussage der meisten Schüler nicht bewährt. Dieses Ergebnis könnte so interpretiert werden, dass das Video-Feedback zwar hilft, eine Bewegung im Sinne einer geschlossenen Fertigkeit - also ohne Verbindung mit dem Ball - zu verbessern. Doch da bei dem überwiegenden Teil der Lerngruppe die aufgetretenen Fehler aus der mangelnden Antizipationserfahrung resultieren und diese eher als Sekundärfehler zu werten sind, ist der Einsatz des Video-Feedbacks für diese Schüler wenig hilfreich.

Als visuelle Maßnahme half einigen Schülern in diesem Zusammenhang die Lehrbildreihe, die ihnen - besser als die Videodemonstration - zumindest das Verhältnis von Absprungort zum Ball vermitteln konnte. Dagegen erwies sich an dieser Stelle die Realdemonstration als visuelle Maßnahme ebenfalls als wirkungslos, weil das bereits angedeutete Problem der mangelnden Antizipationsfähigkeit auch nicht durch die Verbesserung der anzustrebenden Bewegungsvorstellung beseitigt werden kann. Ob ein lerntypenrelevanter Zusammenhang mit den angebotenen Korrekturmaßnahmen besteht, kann im Rahmen dieser Station lediglich mit geringer Aussagekraft hypothetisiert werden, da die seitens der Schüler angesteuerten Korrekturmaßnahmen überwiegend aus Bewegungsaufgaben bestanden. So kann genauso wenig ein Zusammenhang für den Erfolg der „Sehtypen“ bei der Erprobung des Video-Feedbacks gesehen werden, wie der (zufällige?) Erfolg der handelnden Typen bei der Erprobung der Bewegungsaufgaben. Der Beweis, dass gerade diese Maßnahme das lernauslösende Moment darstellt, kann nicht erbracht werden.

Bezüglich der Organisation traten bei dieser Station keine Probleme auf, die Schüler mussten lediglich darauf achten, dass herumfliegende oder rollende Volleybälle und Tennisbälle andere Paare nicht bei der Erprobung ihrer Korrekturmaßnahmen beeinflussen. Neben der verbalen Rückmeldung durch die jeweiligen Partner boten die Stationen - außer der taktilen Maßnahme - wenig Möglichkeit, sich handlungsorientiert zu betätigen. Das liegt daran, dass sich diese Station überwiegend aus Bewegungsaufgaben konstituiert, die die Partneraktivität einschränkt.

[1] So betreiben lediglich drei von dreizehn Schülern Ballsportarten. Das hatte zur Folge, das die meisten Schüler die isolierten Teilbewegungen mittels der Korrekturmaßnahmen in der Feinform ausführen konnten, doch diese im Rahmen der Gesamtbewegung aufgrund der unterschiedlichen Ballflugkurven und der Anforderung an die Antizipationsfähigkeit oftmals zusammenbrachen.

 

Fehler

Korrekturmaßnahme

  • Zu tiefer Abschlagpunkt, so dass der Ball meist ins Netz geschlagen wird (C7/D1/D2/D3

  • Schlagarm ist während des Schlages nicht gestreckt (D1/D2/D3)

  • Fehlender Handgelenkeinsatz oder zu viel Handgelenkeinsatz (Ball ins aus oder ins Netz) (D1/D4)

  • Landung erfolgt nicht abfedernd auf beiden Beinen (A1-A4)

  • Ball wird nicht vor/über dem Kopf geschlagen, sondern aus der Rückenlage (D1/D2/D3/D5)

  • S. landen mit der Schlagschulter in Netzrichtung (D6)
  • Im Stand mit angeworfenen Bällen über das Schrägnetz die individuelle Höhe suchen, dass der Ball im höchsten Punkt abgeschlagen wird - D1 (Falls Sekundärfehler: s.o. - C7)

  • Entsprechend hoch gehaltenen Ball schlagen lassen, der den Abschlagpunkt nach oben verlagert - D2*

  • Im Stand auf die nach oben stehende Hand des Partners schlagen - D3*

  • Im Stand Tennisbälle über das Schrägnetz werfen (s.o.); die Bälle werden so steil wie möglich geworfen, ohne das Netz zu berühren - D4

  • Siehe erste Station: Erlernen des Stemmschritts mit anschließender Landung (A1/A2/A3/A4)

  • Im Stand den Ball so vor dem Netz schlagen, dass er vor/über dem Körper getroffen wird - D5 

  • Sekundärfehler (Ursache: mangelnde Dynamik des Schlagarms) - von hinten gespanntes Theraband schlagen, bis ein Widerstand zu spüren ist (Widerstand muss spät kommen) - D6*


URL: Der frontale Angriffsschlag

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