Aufwärmen vor einem Wettkampf

- unter Berücksichtigung der aktuellen Diskussion im Bereich der Funktionellen Gymnastik -

Helmut Öller (helmut.oeller@oeller.de)

Teil 1: Vorwort
 

Diese Hausarbeit wurde für den A-Trainer-Lehrgang des DVV angefertigt.

Das folgende Aufwärmprogramm wurde für eine Volleyball-Damenmannschaft im mittleren und oberen Leistungsbereich erstellt und getestet. Es dürfte im Männerbereich grundsätzlich auch einsetzbar sein. Einige Übungen fordern etwas Erfahrung um eine effektive Ausführung zu gewährleisten. Bei Problemen sollten zuerst einfachere Ausführungen bevorzugt werden. Die Grundüberlegungen und Zielsetzungen gelten aber für alle Leistungsbereiche. Durch die oft sehr widersprüchliche Darstellung dieses Themas auch in der aktuellen Literatur, galt es, die Fakten

Quelle: fivb

herauszufiltern, die für Leistungsvolleyball relevant sind und einer kritischen Hinterfragung aus dem Fachgebiet der Physiotherapie standhalten können.

An dieser Stelle bedanke ich mich beim Cheftrainern der Roten Raben Vilsbiburg, Herrn Milos Zika und Herrn Michael Schöps und ganz besonders beim Sporttherapeuten der Roten Raben und Leiter des Rehapraxis Seligenthalerstraße in Landshut, Herrn Anton Brandmeier, die mich bei dieser Arbeit sehr unterstützt haben. Danke auch an unsere Spielerin Manuela Zehentbauer, die sich geduldig als Foto-Model zur Verfügung stellte. 

Helmut Öller

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Einführung

Mit seinen schnellen Bewegungen und sehr intensiven, kurzzeitigen und nicht immer  funktionellen Belastungen des gesamten Bewegungsapparats und vor allem seinen hohen Anforderungen an die Psyche erfordert Volleyball ein sehr spezielles Aufwärmprogramm. Vor allem im Bereich der Spiel vorbereitenden Gymnastik gibt es derzeit noch für Volleyball keine Programme, die den Erkenntnissen aus der aktuellen Diskussion in der funktionellen Gymnastik standhalten können. Ein hohes Voraktivierungsniveau der Muskulatur (Stiffness), durch aktiv-dynamisches Übungen, und des Zentralen Nervensystems, zum Beispiel durch intermuskuläre Koordinationsübungen, ist sowohl zum Abruf optimaler Leistungen als auch zur Verletzungsprophylaxe von entscheidender Bedeutung.

„Aufwärmen“ im hier verstandenen Sinne sind aktive Maßnahmen, die dem Erreichen einer optimalen psycho- physischen Verfassung vor dem Training und Wettkampf dienen (8.3). Es steigert die Blutzirkulation, verbessert die Sauerstoffaufnahme und erhöht den Stoffwechsel. Durch die erhöhte Muskeltemperatur werden die elastischen und viskosen Widerstände gesenkt. Wichtig für Volleyballspezifisches Warm-Up sind vor allem auch die positiven Einflüsse auf neuronale Steuerungsprozesse: die Leitgeschwindigkeit wird erhöht,  die Rezeptoren reagieren schneller, Muskeltonus, Kontraktions- und Entspannungsfähigkeit werden optimiert (8.2).

Die erreichte Verbesserung des intermuskulär- koordinativen Zusammenspiels ist auch für die Muskulatur einer Volleyballer- Schulter oder -Wirbelsäule ein entscheidendes Kriterium (8.3). Langes, statisches Dehnen vor der Belastung durch Volleyball ist ungeeignet, denn es senkt den Muskeltonus (Grundspannung) und erhöht dadurch die Verletzungsgefahr sogar (8.2). Ein Großteil der Verletzungen im Volleyball passiert ohne Fremdeinwirkung. Verletzungsprophylaxe ist also eine entscheidende Forderung bei allen vorbereitenden Maßnahmen.

Wie immer gilt der Grundsatz: nur was vorher trainiert wurde, lässt sich im Wettkampf erfolgreich umsetzen. Das Aufwärmprogramm muss als festes Ritual sehr zügig ohne großes Überlegen und unnötige Pausen von jedem Spieler zielgerichtet durchgezogen werden. Die Wahrnehmungsfähigkeit und Konzentration soll ein Maximum erreichen. Kurzum, der Spieler fühlt sich „Ready-To-Go!“

Sind ungünstige Techniken schon ritualisiert, muss man sehr vorsichtig an dieses Thema gehen. Ein erfolgreichen Spieler wird sich nicht so einfach von seinem für ihn bis dato richtigen Weg abbringen lassen. Einzelnen Spielern aus diesem Grund zum Beispiel ihr „Stretching“ in Maßen ausführen zu lassen hat zumindest kurzfristig für den Einzelnen den Sinn, sich „fit“ zu fühlen. Keinesfalls dürfen nachweislich falsche Elemente im Vordergrund des Erwärmens stehen!

Die Zahlen in Klammern weisen auf die entsprechenden Literaturquellen im Anhang hin.

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