Die Auszeit

 

Ein Skript zur Betreuerschulung, von Jochen Böhmcker, ALBA Berlin, Trainer (C/ÜL)

 

Hauptfehler Auszeitgestaltung

Quelle: BB-Coach

Die Auszeit

Auszeiten sind ein geeignetes Mittel für den Coach, um den Spielverlauf während des laufenden Spiels positiv zu beeinflussen. Sie sind sogar das beste Mittel, da die Alternative – Zurufe zu den Spielern – häufig nicht greifen, schließlich konzentrieren sich die Spieler auf dem Feld zunächst auf ihre Aktionen.

Leider werden sehr häufig Auszeiten nicht effektiv genutzt. Aus den schlecht genutzten Auszeiten ergibt sich dann kein positiver Einfluss auf das Spielgeschehen. Im schlimmsten Fall kommt es sogar noch schlechter, die Auszeit beeinflusst das Spiel negativ, das Team spielt nach der Auszeit schlechter als vorher.

Hauptfehler von Trainern in Auszeiten

 

Der Trainer spricht, aber er sagt nichts aus. Seine Aussagen haben
keinen Informationsgehalt, die Aussagen sind nicht konkret sondern vage,
die Aussagen sind unvollständig.
Der Trainer macht sich nicht bewusst, dass seine Spieler aus einer Belastungs-/
Stress-/Ermüdungssituation heraus in die Auszeit kommen. Er behandelt die Spieler wie bei einem Vorgespräch bzw. einem Mannschaftstreffen und erwartet dieselbe Aufmerksamkeit wie in Ruhe-/Konzentrationssituationen.
Der Trainer überträgt seine eigene Situation – u.a. keine körperliche Anstrengung, Zeit für Analysen, gute Erinnerung an die Vorbesprechung – auf die Spieler und unterstellt, dass sie sich genauso verhalten können.
Der Trainer überschätzt die Menge der Informationen, die Spieler aufnehmen können und konzentriert sich daher nicht auf wenige, wichtige (und somit umsetzbare) Anweisungen.
Der Trainer teilt seinem Team mit, was in den vorangegangenen Spielminuten alles nicht geklappt hat – als wenn die Spieler das nicht selbst gemerkt hätten.
Der Trainer kann seine Emotionen nicht kontrollieren, er wird laut, aggressiv, verletzend – so kann nichts erreicht werden.

 

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Tipps für die Auszeitgestaltung

 

Bereite die Auszeit vor. Lege vorher fest, was Du wie sagen möchtest.
Beschränke Dich auf das zwingend Notwendige.
Bleib sachlich – auch wenn’s manchmal schwer fällt. Auszeiten sind die falsche Gelegenheit für Gefühlsausbrüche. Emotionen können aufs Spielende warten.
Auszeiten können nie Neues vermitteln, sie können nur auf Erlerntes und dessen Anwendung hinweisen. Gänzlich neue Elemente müssen im Training gelernt/gefestigt werden, eine Auszeit reicht dazu nicht aus.

Gib den Spielern nach Beginn der Auszeit einige Sekunden Zeit, um vom Spielgeschehen auf das Zuhören umzuschalten. Fange nie gleich an zu sprechen, besonders am Beginn einer Auszeit hast Du keine Aufmerksamkeit.

Gib den Spielern Gelegenheit sich hinzusetzen. Die Ersatzspieler können während der Auszeit stehen – das berücksichtigen auch die Regeln.
Lass Deine Spieler am Beginn der Auszeit trinken, sofern sie das wünschen oder es notwendig ist. Wenn die Getränke bereitstehen, kostet das nicht viel Zeit.
Sprich so, dass Du verstanden wirst. Einfache kurze Sätze mit klaren Handlungsanweisungen sind wirkungsvoller als verschachtelte Sätze, deren Inhalt
sich den Spielern verschließt. Nutze bekannte Begriffe, mit denen die Spieler bestimmte Abläufe verbinden.
Gib den Spielern umsetzbare und klare Handlungsanweisungen, stärke Dein Team durch positives Handeln.
Beschränke Dich bei jüngeren Teams auf ein bis zwei, bei älteren Teams auf zwei bis drei Anweisungen, mehr ist in wenigen Sekunden nicht zu verarbeiten.
Nutze geeignete Hilfsmittel – z.B. ein Coachingboard – um Deine Anweisungen bildlich darzustellen. Allerdings sollten Deine Spieler an dieses Hilfsmittel gewöhnt sein – ein Überraschungseffekt lenkt vom Inhalt ab.
Mach deutlich, ob Du das ganze Team oder nur einzelne Spieler ansprichst. Stelle Anweisungen für das Team an den Anfang und hänge Einzelanweisungen hinten an, der Rest darf schon auf das Spielfeld zurück.
Unterbinde Handlungsanweisungen von Anderen, nur Du sprichst. Niemand kann Mehreren gleichzeitig zuhören. Mit Anderen kannst Du Dich vor der Auszeit absprechen und ggf. ihre Hinweise in Deine Anweisungen aufnehmen.

 

Berlin

Oktober 1999

 

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