Coaching im Beachvolleyball

- Hausarbeit von Christoph Diekmann-

 

Coaching-Verhalten der nationalen Beachvolleyball-Elite

1 Häufigkeit von Coaching-Handlungen

Auf die Frage, „Wie häufig gab es Anweisungen?“ zwischen den Ballwechseln, in den Auszeiten und in den Satzpausen antworteten die Teams im Durchschnitt mit „meistens“(Wert von 3,94, wobei 4=meistens und 3=manchmal), der Antwortmöglichkeit, die an zweiter Stelle (von fünf) auf der Häufigkeitsskala stand. Daraus lässt sich schliessen, dass generell Coaching-Maßnahmen häufig Anwendung finden. Auffällig ist, dass es in den Satzpausen (4,37) etwas mehr Anweisungen gab als in den Auszeiten (4,06) und in den Auszeiten wiederum mehr als zwischen den Ballwechseln (3,37). Das lässt sich wohl zum Teil damit begründen, dass in der Satzpause am meisten Zeit zur Verfügung steht und zwischen den Ballwechseln am wenigsten (normalerweise nur 12 sec.). Desweiteren erscheint die Satzpause mehr als die Auszeit und die Auszeit mehr als die Phase zwischen den Ballwechseln als der geeignete Zeitpunkt, um sich über Strategie, Taktik etc. Gedanken zu machen.

Im Vergleich zwischen Männern und Frauen fällt auf, dass die Frauen „mehr“ coachen (4,26 zu 3,52 bei den Männern). Dies gilt für alle drei Phasen, wobei der Unterschied zwischen den Ballwechseln am deutlichsten ist (3,88 zu 2,71).

Junge Teams scheinen sich zwischen den Ballwechseln (3,63 gegen 3,13 bei den älteren Teams) und in den Auszeiten (4,25 zu 3,88) etwas mehr Anweisungen zu geben als ältere Teams.

So gut wie keine relevanten Differenzen sind zwischen den ambitionierten und den weniger ambitionierten Teams zu erkennen.

Dagegen fällt auf, dass sich Teams, die über ihr Coaching-Verhalten vor der Saison gesprochen haben, in den Pausen zwischen den Ballwechseln mehr beraten als jene Teams, die ohne Planung coachen (3,83 (also „meistens“) und 3,1 (also „manchmal“).      

2 Wer coacht?

In den meisten Teams (etwas mehr als 50%) ist es meistens ein bestimmter Spieler, der das Wort führt und z.B. die Taktik festlegt. Allerdings gibt auch gut ein Drittel der Teams an, dass beide Spieler insgesamt ähnliche Anteile am Coaching haben. Am stärksten scheint dies bei der Entscheidung, wann das Team eine Auszeit nehmen soll, der Fall zu sein (fast 50%). Es gibt kein Team, bei dem immer der selbe Spieler die Anweisungen gibt. Dies spricht dafür, dass nie ein Spieler alleine als der „Coach“ des Teams gelten kann.

Auffällig ist, dass es häufig der erfahrenere Spieler ist, der mehr Anteile am Coaching hat. Dies gilt insbesondere für die jüngeren Teams (doppelt so häufig wie bei den älteren). Insgesamt lassen sich zwischen weiblichen und männlichen, zwischen jungen und alten und zwischen ambitionierten und weniger ambitionierten Teams kaum relevante Unterschiede feststellen.

Allerdings ist es auffallend, dass bei Teams, die für ihr Coaching-Verhalten Regeln aufgestellt haben, häufiger ein bestimmter Spieler den Großteil des Coachings übernimmt (in 75% der Fälle). Es ist gut möglich, dass dies in vielen Fällen Teil der Coaching-Strategie ist. Das heißt, es wird von diesen Teams als sinnvoll angesehen, dass ein Spieler mehr das Wort führt als der andere.

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3 Inhalt des Coachings

3.1 Allgemein

Fragt man nach den Inhalten des Coachings der Teams, werden am    

häufigsten die Bereiche „Mannschaftstaktik“ (im Durchschnitt zwischen „meistens“ und „manchmal“; Wert von 3,63, wobei 5=immer Inhalt der Anweisungen, 4=meistens, 3=manchmal, 2=selten, 1=nie) und „gegnerbezogene Anweisungen“ (3,60; also ebenfalls im Durchschnitt zwischen „meistens“ und „manchmal“) genannt. Gefolgt werden sie von motivationalen Anweisungen (3,46; zwischen „meistens“ und „manchmal“), Anfeuerungsrufen (3,30; eher „manchmal“ als meistens) und Bemerkungen zur Individualtaktik (des einzelnen Spielers) (3,14; ein wenig öfter als „manchmal“). Auffällig ist, dass die genannten Inhalte jedoch nur bei wenigen Teams immer Bestandteil der Coaching-Anweisungen sind.

Zum Teil sind auch allgemeine Aussagen wie „Heute spielen wir aber schlecht!“ etc. Inhalt der Kommunikation (Durchschnitt von 2,35; zwischen „manchmal“ und „selten“). Selten werden Anweisungen zur Technik der Spieler gegeben (1,89). Nur zwei Teams äußerten, dass dies „manchmal“ vorkomme. Alle anderen wählten „selten“ oder „nie“. Noch seltener passiert es, dass zwischen den Ballwechseln, in den Auszeiten oder zwischen den Sätzen gar kein Coaching stattfindet (1,45).

Am wenigsten sind Beschimpfungen des Mitspielers Teil des Coachings (Durchschnitt von 1,35). Die Mehrzahl der Teams schließt dies vollkommen aus. Bei ca. einem Drittel der befragten Teams kommen Beschimpfungen „selten“ vor.                              

Vergleicht man die Coaching-Inhalte hinsichtlich der Unterschiede zwischen den drei Phasen „zwischen den Ballwechseln“, „in den Auszeiten“ und „in den Satzpausen“, so fällt auf, dass zwischen den Ballwechseln (also während des Spiels) weniger über Mannschaftstaktik und den Gegner gesprochen wird und gleichzeitig Anfeuerungen an den Partner häufiger vorkommen. Dies ist wohl u.a. darauf zurückzuführen, dass die Spieler in den Phasen zwischen den Ballwechseln emotionaler sind, am wenigsten Abstand vom Spielgeschehen haben und diese Phasen am kürzesten sind. All dies führt dazu, dass ihnen schwerer fällt auf taktische Elemente zu achten . Bestätigt wird dies durch die Tatsache, dass allgemeine Aussagen, die keinen qualitativen Coaching-Inhalt haben, am seltensten in den Satzpausen fallen, in denen die Spieler am ehesten zur Ruhe kommen und am meisten Zeit für ihr Coaching haben.

Die Damen-Teams scheinen sich insgesamt etwas mehr zu coachen als die Männer. Dies gilt für die qualitativen Coaching-Elemente wie „Individualtaktik“, „gegnerbezogene Taktik“ und „Technik“. Noch deutlicher wird dies jedoch bei der Häufigkeiten der motivationalen Bemerkungen und den Anfeuerungen. Diese treten bei den Damen-Teams eindeutig öfter auf. Dementsprechend geschieht es bei den Herren etwas häufiger, dass gar keine Anweisungen gegeben werden. Ebenso beschimpfen sich die Männer etwas öfter – wenn auch ebenfalls selten – innerhalb des Teams.

Einige Unterschiede lassen sich auch zwischen jungen und älteren Teams konstatieren. Die jüngeren Teams scheinen sich mehr mit „Individualtaktik“, „Mannschaftstaktik“ und „Technik“ auseinanderzusetzen als die älteren Teams. Die älteren geben dagegen öfter an, über den Gegner und seine Stärken und Schwächen zu sprechen. Daraus lässt sich schliessen, dass die jüngeren Teams sich noch stärker mit sich selbst beschäftigen, während die älteren es für sinnvoller halten, mehr auf den Gegner zu gucken. Hinzu kommt, dass es bei den jüngeren Teams etwas häufiger vorkommt, dass gar keine Anweisungen gegeben werden. Auch neigen die jüngeren Teams etwas stärker dazu, sich innerhalb des Teams zu beschimpfen.

Im Vergleich zwischen den „professionelleren“ Teams und den weniger ambitionierten fällt auf, dass erstere deutlich häufiger Anweisungen zur Mannschaftstaktik und zur Technik geben, dagegen aber eindeutig seltener Äußerungen zur Motivationen oder Anfeuerungsrufe Inhalt des Coachings sind. Dies könnte man so interpretieren, dass die ambitionierteren Teams mehr Wert auf qualitative Äußerungen innerhalb ihrer Coaching-Handlungen legen. Dem lässt sich jedoch entgegenhalten, dass es innerhalb dieser Teams häufiger zu Beschimpfungen kommt als innerhalb der weniger ambitionierten Teams. Bei letzteren gibt es auch weniger Phasen, in denen gar keine Anweisungen ausgesprochen werden.   

Teams, die Regeln für ihr Coaching-Verhalten festgelegt haben, scheinen sich weniger mit dem Gegner und etwas mehr mit der eigenen Technikausführung zu beschäftigen als die Teams, die ihr Coaching durchführen, ohne vorher darüber gesprochen zu haben. Trotz (?) der festgelegten Grundsätze zum Coaching-Verhalten kommt es bei den Teams, die sich vorher Gedanken zu ihrem Coaching-Verhalten gemacht haben, häufiger zu Beschimpfungen und zu Phasen, in denen keine Anweisungen zum Spielverhalten ausgesprochen werden. Dies ist auf den ersten Blick verwunderlich, könnte aber damit erklärt werden, dass gerade solche Teams, in denen es häufiger zu Streitigkeiten kommt und/oder teilweise kein Coaching stattfindet, es für sinnvoll halten, genaue Regeln für ihr Coaching-Verhalten festzulegen.

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3.2 Mannschaftstaktik

Innerhalb des Coaching-Themas „Mannschaftstaktik“ sollten die befragten Teams die Gewichtung der einzelnen Spielelemente bestimmen. Es stellte sich heraus, dass der Bereich „Aufschlag“ innerhalb der eigenen Mannschaftstaktik am häufigsten Inhalt von Coaching-Anweisungen ist (Durchschnitt von 3,63, wobei 5=sehr viel besprochene Elemente, 4=viel, 3=durchschnittlich, 2=wenig, 1=gar nicht). Dies lässt sich damit erklären, dass auf Grund der Spielstruktur des Spieles Beachvolleyball mit dem Aufschlag schon zu einem großen Teil das (Sideout-)Spiel der gegnerischen Mannschaft bestimmt werden kann. Der aufschlagende Spieler entscheidet, wer annimmt, wer zuspielt und wer angreift.

Es folgen die Elemente „Abwehr“ (3,50), „Block“ (3,29) und „Angriff“ (3,12), die alle zwischen „viel“ und „durchschnittlich viel“ besprochen wurden. Das dürfte darin begründet sein, dass in diesen drei Elementen für ein Beachvolleyballteam der größte taktische Handlungsspielraum besteht: Hier bieten sich die differenziertesten Handlungsmöglichkeiten und damit Entscheidungen an.

Die Zuspieltaktik des eigenen Teams wurde im Mittel leicht weniger als „durchschnittlich viel“ erörtert (2,71). „Wenig“ bis „durchschnittlich viel“ fanden die Bereiche „Annahme“ (2,5) und „Punktballsituation“ (2,27) Beachtung in den Besprechungen oder Anmerkungen der Teams. Bei diesen Elementen handelt es sich um stark standardisierte Spiel-Handlungen, bei denen es (insbesondere für eingespielte Teams) wenig zu entscheiden und daher auch wenig zu besprechen gibt.

3.3 Individualtaktik

Ähnliche Beobachtungen lassen sich hinsichtlich der „Individualtaktik“ der Teams machen. Das Element „Block“ wird von den Teams im Durchschnitt am häufigsten angesprochen (3,45; also zwischen „viel“ und „durchschnittlich“). Wichtig sind auch hier „Aufschlag“ (3,40) und „Angriff“ (3,19) innerhalb der Taktik des einzelnen Spielers. Etwas weniger wichtiger als im Bereich „Mannschafttaktik“ scheint die „Abwehr“ innerhalb der Individualtaktik zu sein (3,11). Auch hier finden „Zuspiel“ (2,82), „Annahme“ (2,63) und „Punktballsituation“ (2,5) am wenigsten Beachtung. Auffällig ist hier, dass das Element „Zuspiel“ zwischen den Ballwechseln häufiger diskutiert wird als in den Auszeiten und den Satzpausen. Dies lässt sich damit erklären, dass viele Spieler dazu neigen, sich in schwierigen Situationen viel mit dem Zuspiel des Partners beschäftigen und dies folglich eher in einer spielnahen Coaching-Phase zum Thema von Coaching-Anweisungen machen.

3.4 Gegnerbezogene Taktik

Untersucht man das Coaching hinsichtlich der gegnerbezogenen Anweisungen, so fällt insbesondere auf, dass die Werte hier insgesamt etwas höher liegen als jene, mit denen die Anweisungen gemessen wurden, die sich mit der eigenen Taktik beschäftigen. Dies spricht dafür, dass im Beachvolleyball das Coaching stark gegnerbezogen ist.

Am häufigsten wird sich dabei mit dem „Angriff“ (4,10; also „viel“) und der „Annahme“ (4,02) des Gegners beschäftigt. Diese beiden Elemente sind extrem wichtig für ein gutes Sideout-Spiel des Gegners, welches wiederum die Grundlage für sein Spiel insgesamt ist. Ebenfalls relativ häufig sind „Aufschlag“ (3,27), „Block“ (3,04) und „Abwehr“ (3,26) des Gegners Inhalt des Coachings. Am wenigsten scheint das „Zuspiel“ des Gegners Bestandteil der Anweisungen zu sein (2,50; also „durchschnittlich viel“ bis „wenig“). Dies scheint auf den ersten Blick verwunderlich, da dies ja ein sehr wichtiges Element des Sideouts ist und die gute Ausführung des Zuspiels eine entscheidende Grundlage für erfolgreiches Beachvolleyball ist. Bedenkt man jedoch, dass das „Zuspiel“ des Gegners das Element ist, welches am wenigsten vom eigenen Team beeinflusst werden kann, wird diese Einordnung verständlicher.

Sehr ähnlich ist das Coaching-Verhalten hinsichtlich der gegnerbezogenen Taktik in den drei Phasen „zwischen den Ballwechseln“, „in den Auszeiten“ und „in den Satzpausen“.

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4 Taktikänderung

Bei der Untersuchung, wer für die Taktikänderung eines Teams im Spiel verantwortlich ist und wie dies geschieht, fällt auf, dass dies meistens nach einem Gespräch der beiden Spieler geschieht (Wert von 3,8; 3=manchmal, 4=meistens). Allerdings gibt es viele Teams, bei denen diese Entscheidung regelmäßig von nur einem Spieler getroffen wird (3,45: also zwischen „manchmal“ und „meistens“). Selten kommt es vor, dass die Taktik ganz ohne Absprache (2,0) oder sogar gegen die ausdrückliche Absprache von einem Spieler geändert wird (1,5; z.B. durch absichtlichen Aufschlag auf Spieler B, obwohl abgesprochen war, dass nur auf Spieler A aufgeschlagen wird). Wenn Taktikänderungen von einem Spieler im Team vorgenommen werden (und nicht von beiden gemeinsam) ist dieser dominierende Spieler in zwei Dritteln der Fälle der ältere oder der erfahrenere Spieler.

Vergleicht man die Ergebnisse bei den Damen und Herren, zeigen sich kaum große Unterschiede. Es wird jedoch deutlich, dass bei den Damen zwar etwas häufiger eine Spielerin die Taktikänderung entscheidet; allerdings geschieht dies seltener ohne oder gegen die Absprache mit dem Partner als bei den Herren. Stärkere Abweichungen lassen sich beim Vergleich zwischen jüngeren und älteren Teams konstatieren: Bei jüngeren Teams entscheidet häufiger nur ein Spieler über eine Taktikänderung und es passiert öfter, dass ohne Absprache bzw. gegen die Absprache (Wert von 2,5 bei den jüngeren gegenüber 1,25 bei den älteren Teams) gehandelt wird. Dies deutet darauf hin, dass die älteren Teams etwas ausgeglichener und solidarischer coachen als die jüngeren.

Etwas überraschen muss die Tatsache, dass sich beim Vergleich der ambitionierteren und der weniger ambitionierten Teams Ähnliches feststellen lässt. Hier sind es die ambitionierteren Teams (wenn auch nicht ganz so stark ausgeprägt wie die jungen Teams), die ihre Taktik öfter ohne übereinstimmende Meinung und ohne die Beteiligung beider Spieler ändern. Dies überrascht insofern, als eigentlich davon ausgegangen werden sollte, dass diese Teams ein professionelleres Coaching-Verhalten an den Tag legen als die anderen. Das individualistischere Verhalten dieser Teams kann darauf hin deuten, dass entweder ein ausgeglichenes und solidarisches Coaching-Verhalten nicht unbedingt „besser“ ist, oder dass die ambitionierteren Teams - da sie unter stärkerem Erfolgsdruck im Spiel stehen – eher dazu neigen unüberlegter und ein wenig impulsiver zu handeln als die weniger ambitionierteren Teams. Die gleichen Tendenzen zeigen sich beim Vergleich zwischen Teams, die ihr Coaching-Verhalten absprechen und solchen, die ohne Plan coachen. Die Teams mit geplantem Coaching ändern ihre Taktik individualistischer und weniger im Konsens. Neben den gerade genannten Interpretationsansätzen könnten die hier erkennbaren Tendenzen damit erklärt werden, dass die Teams in ihrem Gespräch über ihr Coaching-Verhalten (z.B. mit ihrem Trainer) festgelegt haben, dass ein Spieler für die Änderungen zuständig sein soll, oder dass eben gerade nicht über die Taktik diskutiert werden soll und jeder „sein Ding machen soll“.

5 Dauer der Coaching-Anweisungen

Zwischen den Ballwechseln sind die Coaching-Anweisungen meist sehr kurz. Bei 69 % der Teams wird meist „nur ein kurzer Satz“ gesprochen. Relativ selten schließt sich an einen solchen Satz ein Dialog an. Auffällig ist es, dass die Frauen-Teams sich öfter längere Coaching-Anweisungen geben und es bei ihnen auch etwas häufiger zu Diskussionen in den Phasen zwischen den Ballwechseln kommt. Auch die jüngeren Teams neigen eher dazu als die älteren, sich längere Anweisungen zu geben (50 %) und die Lage auszudiskutieren. Auch jene Teams, die ihr Coaching-Verhalten vor der Saison abgesprochen haben, beraten sich häufiger über einen längeren Zeitraum (50 %) als jene ohne „Coaching-Planung“ (20 %).

Die Auszeiten werden von den meisten Teams zum größten Teil voll für die Besprechung ausgenutzt (60 %). Jene Teams, die nur wenige Sätze miteinander sprechen, tun dies fast alle am Ende der Auszeit. Es scheint so, als wenn der Anfang der Auszeit zur Regeneration genutzt wird, um dann in etwas ausgeruhterem Zustand zu coachen. Auch hier sind die weiblichen Teams „gesprächsfreudiger“, während die Mehrzahl Spieler der Männerteams nur wenige Sätze austauscht. Ähnlich sind die Verhältnisse zwischen jungen und älteren Teams: Die jüngeren nutzen die volle Länge der Auszeiten deutlich öfter (75 %) als die älteren. Auch die ambitionierten Teams und jene, die feste Regeln für ihr Coaching-Verhalten aufgestellt haben, besprechen sich ausgiebiger (69 % und 83 %). Es ist jedoch zu beachten, dass die Länge der Besprechungen natürlich noch nichts über die Qualität des Coachings aussagt. Sie könnte jedoch als Indiz für das Bemühen, das eigene Spielverhalten optimal zu steuern, gesehen werden. Dieses scheint bei den weiblichen, den jüngeren, den ambitionierteren und den Teams mit „Coaching-Planung“ der Fall zu sein.

Auch die Satzpausen werden von den meisten Teams zum Großteil für die Coaching-Besprechung genutzt (sogar noch etwas öfter als in den Auszeiten: 69 %). Bei den Teams, die nur wenige Sätze miteinander über die Spielplanung sprechen, findet dieses Coaching häufiger als während der Auszeiten schon zu Anfang der Spielunterbrechung statt. Auch während den Satzpausen sind es die weiblichen (87,5 % gegenüber 29 % bei den Männern), die jüngeren (75 % gegenüber 62 % bei den älteren Teams), die ambitionierteren (ebenfalls 75 % gegenüber 62 %) und die Teams, die ihr Coaching abgesprochen haben (83 % gegenüber 60 % bei denen, die ihr Coaching nicht planen), welche längere Besprechungen abhalten.

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6 Umgangston beim Coaching

Bei der Beurteilung des Coaching-Verhaltens besitzt auch der Tonfall, in dem die Spieler sich gegenseitig Anweisungen geben oder sich beraten, einige Aussagekraft. Am häufigsten wurden hier ein „ruhiger und entspannter“ (Wert von 3,69; 5=immer, 4=meistens, 3=manchmal, 2=selten, 1=nie: in diesem Fall also zwischen meistens und manchmal „ruhig und entspannt“) sowie ein „neutraler“ (3,75) genannt. Die Teams schätzen ihren Umgangston im Durchschnitt als „manchmal“ angespannt (2,77) und eher „selten“ als „betont freundlich“ (2,39) oder als „gereizt“ (2,21) an. „Selten“ bis „nie“ ist der Tonfall „aggressiv“ (1,56) oder gar „schreiend“ (1,15). Es fällt auf, dass der Umgangston in den Satzpausen im Vergleich zu den Phasen zwischen den Ballwechseln und den Auszeiten etwas freundlicher und weniger angespannt ist. Dies liegt wohl daran, dass die Satzpausen die emotional und zeitlich (längste Unterbrechung) am weitesten vom Spielgeschehen entfernte Coaching-Phase darstellen.

Fragt man, wie stark der Umgangston vom Spielverlauf (also Spielstand) abhängt, so ergibt sich aus den Antworten der Teams im Durchschnitt eine „mittelstarke“ bis „weniger starke“ Abhängigkeit (Wert von 3,71, wobei 4=mittelstark, 3=weniger stark; insgesamt Skala von 6=sehr starke Abhängigkeit bis 1=gar keine Abhängigkeit). Diese relativ moderate Abhängigkeit kann durchaus als Zeichen für ein recht gefestigtes, nüchternes und „professionelles“ Coaching-Verhalten gedeutet werden.

Keine relevanten Unterschiede lassen sich in diesem Zusammenhang zwischen den Phasen zwischen den Ballwechseln, den Auszeiten und den Satzpausen feststellen.

Vergleicht man die Werte der weiblichen und männlichen Teams, zeigt sich, dass die Männer einen etwas freundlicheren und entspannteren Umgang pflegen, die Frauen etwas häufiger angespannter und gereizt sind. Allerdings kommt es bei den männlichen Teams eher einmal zu Geschrei zwischen den Spielern. Diese Unterschiede sind jedoch alle nicht sehr groß.

Des Weiteren lässt sich feststellen, dass der Umgangston in den Frauen-Teams stärker vom Spielverlauf abhängt als bei den Männern.

Im Vergleich von jungen und älteren Teams fällt auf, dass die jüngeren deutlich häufiger gereizt, aggressiv und laut sind als die älteren Teams. Dies liegt wohl daran, dass die jüngeren Spieler meist impulsiver sind und sich noch nicht so gut unter Kontrolle haben. Dies beeinflusst auch ihr Coaching-Verhalten. Dies wird auch durch die Tatsache belegt, dass der Spielverlauf den Umgangston innerhalb der jüngeren Teams etwas stärker beeinflusst als bei den älteren.

Die ambitionierteren Teams sind etwas häufiger gereizt und aggressiv als die weniger ambitionierten. Dies dürfte an dem oben schon angesprochenen größeren Druck liegen, unter dem die erstgenannten Teams stehen.

Ähnliches gilt auch im Vergleich zwischen den Teams, die ihr Coaching-Verhalten absprechen und solchen, die ohne Plan coachen. Hier sind die Teams, die für ihr Coaching Regeln festgesetzt haben, etwas häufiger gereizt, aggressiv und laut und seltener ruhig und entspannt. Dies widerspricht der Vermutung, dass Teams, die ihr Coaching planen, rationaler und nüchterner coachen. Dies zeigt sich daran, dass bei diesen Teams der Umgangston stärker vom Spielverlauf und Ergebnis abhängt.

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7 Standardisierung des Coaching-Verhaltens

Interessant erscheint es auch zu untersuchen, wie regelmäßig das von den Spielern gezeigte Coaching-Verhalten ist. Wie stark ähnelt sich also dieses Verhalten in den verschiedenen Spielen und Turnieren? Hier zeigt sich, wie konstant oder willkürlich gecoacht wird. Die Befragten sollten diese Standardisierung auf einer Skala von 1 (sehr hoch) bis 6 (sehr gering) einordnen.

Insgesamt ergibt sich dabei ein Durchschnittswert von 3,46. Dies bedeutet, dass die Teams ihr Coaching als durchschnittlich standardisiert ansehen. Es zeigt sich, dass der Ablauf von Coaching-Handlungen zwischen den Ballwechseln regelmäßiger als in den Auszeiten und Satzpausen ist (Wert von 3,22).

Vergleicht man Damen und Herren, so ist zu konstatieren, dass das Coaching der Damen leicht stärker standardisiert ist (3,39 gegenüber 3,57). Bei den Männern fällt zudem auf, dass die Satzpausen die höchste Coaching-Standardisierung aufweisen (3,42).

Die älteren Teams sind in ihren Coaching-Handlungen etwas konstanter als die jüngeren (3,29 gegenüber 3,65). Dies gilt insbesondere für die Satzpausen (Wert von 4,0 bei den jüngeren Teams). Die sich schon bei anderen Untersuchungspunkten offenbarende stärkere Unstetigkeit bei den jüngeren zeigt sich also auch in dieser Statistik.

Etwas weniger ausgeprägte Abweichungen lassen sich beim Vergleich ambitionierte Teams – weniger ambitionierte Teams und Teams mit geplantem Coaching – Teams ohne Coaching-Plan. Die ambitionierteren Teams (Wert von 3,35 gegenüber 3,56 bei den weniger ambitionierteren) und jene, die ohne vorherige Absprache  coachen (3,58 gegenüber 3,4 bei denen mit Plan), weisen eine leicht stärkere Standardisierung in ihrem Coaching-Verhalten auf. Diese Unterschiede sind sehr klein; es ist jedoch in jedem Fall überraschend, dass das Coaching der ambitionierteren und insbesondere der Teams, die für ihr Coaching-Verhalten Regeln aufgestellt haben, nicht deutlich stärker standardisiert ist.

8 Planung des Coaching-Verhaltens

Es erscheint sinnvoll, sich als Beachvolleyballteam Gedanken über das Coaching-Verhalten zu machen und dies auch im Team zu besprechen, um eine möglichst optimale Spielsteuerung zu gewährleisten.

Von den 16 Teams, die sich an dieser Untersuchung beteiligt haben, haben nur sechs Teams über ihr Coaching-Verhalten im Spiel explizit gesprochen und für dieses Regeln aufgestellt. Diese  haben zum größten Teil (75 %) ihre Planung auch umgesetzt.

Es sind in stärkerem Maße die weiblichen und die jüngeren Teams, die ihr Coaching-Verhalten planen (44 bzw. 50 %). Keinen Unterschied gibt es zwischen ambitionierten und weniger ambitionierteren Teams.

9 Beurteilung des eigenen Coaching-Verhaltens

Interessant erschien es zu untersuchen, wie die Teams ihr Coaching-Verhalten selbst einschätzen. So lässt sich feststellen, ob die Teams mit ihrem Coaching zufrieden sind und inwieweit sie selbst noch Entwicklungs- bzw. Verbesserungsspielraum auf diesem Gebiet sehen.

Die Befragten sollten ihr Coaching-Verhalten auf einer Skala (Schulnotensystem) von 1 (=sehr gut) bis 6 (=sehr schlecht) einordnen. Hierbei ergibt sich ein Durchschnittswert von 3,18. Die Teams bewerten ihr Coaching also als „befriedigend“. Es fällt auf, dass nur ein Team seinem Coaching-Verhalten die Note „gut“ gibt, aber auch nur ein Team sich schlechter als „ausreichend“ bewertet. Dies deutet darauf hin, dass die Teams nicht unzufrieden sind, aber sich alle bewußt sind, dass ihr Coaching noch steigerungsfähig ist.

Vergleicht man weibliche und männliche Teams, zeigt sich, dass die Frauen ein wenig zufriedener mit ihrem Coaching-Verhalten sind als die Männer (3,05 und 3,35). Ähnliche Unterschiede zeigen sich zwischen jungen und älteren Teams: Die jungen scheinen etwas zufriedener zu sein (3,0) als die älteren (3,38, allerdings gehört zu diesen auch das Team, das sich ein „ungenügend“ für die eigene Coaching-Leistung gibt). Die Vergleiche zwischen ambitionierten und weniger ambitionierten Teams und zwischen Teams, die ihr Coaching planen und solchen, die ohne Plan coachen, zeigen, dass die ambitionierten und jene, die Regeln für ihr Coaching-Verhalten aufgestellt haben, zufriedener mit ihrem Coaching sind (3,0 gegenüber 3,37 und 2,91 gegenüber 3,35).

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