Coaching im Beachvolleyball

- Hausarbeit von Christoph Diekmann-

 

1 Zusammenfassung
 
Zusammenfassung Ausblick Schluss


Die Auswertung der Fragebögen zeigt, dass generell Coaching-Maßnahmen häufig durchgeführt werden. Dabei ist es in den meisten Teams ein bestimmter Spieler – häufig der erfahrenere -, der coacht. Allerdings gibt kein Team an, dass immer nur ein Spieler das Wort führt: Jedes Team verfügt also über zwei „Coaches“. Am häufigsten werden mannschaftstaktische und gegnerbezogene Anweisungen gegeben. Selten dagegen ist die Technik Inhalt des Coachings. Sehr selten kommt es zu Beschimpfungen innerhalb des Teams. Fragt man nach den am meisten diskutierten Spielelementen im Bereich „Mannschaftstaktik“, wird deutlich, dass der Aufschlag die größte Bedeutung hat. Mit der Entscheidung, wie und vor allem auf wen aufgeschlagen wird, kann in erheblichem Maße Einfluss auf den Spielaufbau des gegnerischen Teams genommen werden. Es erscheint daher sinnvoll, dieses Element zum Schwerpunkt von Coaching-Anweisungen zu machen. Es folgen „Abwehr“, „Block“ und „Angriff“: Alles Bereiche, in denen für jedes Team relativ großer taktischer Handlungsspielraum besteht. Am wenigsten wird über stark vorbestimmte Abläufe (z.B. Annahme) gesprochen. Es ist zu bemerken, dass gerade in den hier betroffenen Elementen „Annahme“ und „Punktballsituation“ (relativ selten Inhalt des Coachings) eine gute mannschaftsinterne Abstimmung von Nöten ist und daher auch über diese Handlungen gesprochen werden sollte.

Im Bereich „Individualtaktik“ wird am häufigsten über „Block“ gesprochen: Dieser ist erstens in den meisten Fällen (abgesehen von Ass-Aufschlägen) die erste Möglichkeit für ein Team einen Punkt zu erzielen und setzt zweitens die „Rahmenbedingungen“ für die Feldabwehr. Ebenfalls von Bedeutung sind auch hier „Aufschlag“ und „Angriff“.

Gegnerbezogene Anweisungen sind im Beachvolleyball sehr häufig festzustellen: Dabei geht es sehr oft um „Angriff“ und „Annahme“ des Gegners, da dies die entscheidenden Bestandteile des Sideout-Spieles sind, welche vom eigenen Team (z.B. durch einen guten Block) beeinflusst werden können (im Gegensatz zum Zuspiel).

Taktikänderungen im Allgemeinen werden meistens nach einem Gespräch der beiden Spieler vorgenommen, wobei diese Entscheidungen häufig im Endeffekt von nur einem Spieler getroffen werden. Selten wird die Taktik ohne oder gegen eine Absprache geändert.

Die Coaching-Anweisungen sind zwischen den Ballwechseln meist sehr kurz, während die Auszeiten und die Satzpausen von den meisten Teams zum größten Teil für die Besprechung genutzt werden. Am häufigsten werden diese Anweisungen in „ruhigem und entspanntem“ oder zumindest in „neutralem“ Tonfall ausgesprochen, wobei dieser in „mittelstarkem“ bis „weniger starkem“ Maße vom Spielstand abhängt. Diese relativ geringe Abhängigkeit (bedenkt man, dass es zum Teil um viel Geld und/oder wichtige Ranglistenpunkte geht) deutet auf ein relativ nüchternes Coaching-Verhalten hin. Dieses Coaching-Verhalten wird von den Teams selbst als durchschnittlich standardisiert angesehen. Diese Wertung lässt sich so interpretieren, dass bei den Teams zwar gewisse Abläufe regelmäßig vorzufinden sind, aber gleichzeitig jede einzelne Coaching-Phase (zwischen zwei Ballwechseln, in der Auszeit oder in der Satzpause) von den Spielern neu gestaltet wird, ohne dass dies sich immer in der gleichen Weise wiederholt.

Nur sechs der sechzehn befragten Teams planen ihr Coaching-Verhalten. Die Tatsache, dass die eindeutige Mehrheit der Teams über diesen Bereich nicht explizit spricht, kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Es könnte sein, dass die Teams dies nicht für nötig halten, da sie der Meinung sind, dass es sowieso offensichtlich ist, wie die Spieler sich verhalten müssen, oder dass sie ein Gespräch über das Coaching-Verhalten als nicht leistungsfördernd betrachten, z.B. weil sie das Coaching im Allgemeinen für weniger wichtig halten. Es wäre jedoch auch möglich, dass viele Teams in ihrer Herangehensweise an das Thema „Beachvolleyball“ immer noch etwas von der Einstellung „einfach drauf losspielen“ haben. Dies würde bedeuten, dass die Professionalisierung im Beachvolleyball noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.

Die Teams bewerten ihr Coaching-Verhalten im Durchschnitt als „befriedigend“: Dies zeigt, dass die Teams zwar nicht unzufrieden sind, aber doch wissen, dass es noch Spielraum für ein besseres Coaching-Verhalten gibt.

Vergleicht man die Unterschiede in den Umfrageergebnissen zwischen den verschiedenen Coaching-Phasen (z.B. Auszeit – Satzpause) und zwischen den verschiedenen Teilen der befragten Teams (z.B. Damen-Teams – Herren-Teams), so muss betont werden, dass die Abweichungen in den allermeisten Fällen relativ klein sind. Es lässt sich zwar von relevanten Unterschieden sprechen, die Grundtendenz bleibt jedoch meistens die gleiche, oder zumindest in die gleiche Richtung weisend.

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Es fällt auf, dass zwischen den Ballwechseln etwas seltener Coaching-Anweisungen gegeben werden als in den Auszeiten und den Satzpausen. Zwischen den Ballwechseln wird etwas mehr Wert auf Anfeuerungen und weniger auf taktische Besprechungen gelegt. Diese Phasen sind also stärker von Emotionen geprägt. Dagegen wird in den zeitlich - und wohl auch emotional – am weitesten vom Spielgeschehen entfernten Phasen, den Satzpausen, die inhaltlich gehaltvollsten Informationen ausgetauscht. Dies geschieht auch stärker als zwischen den Ballwechseln und in den Auszeiten in freundlichem und entspanntem Umgangston. Etwas überraschend erscheint es, dass das regelmäßigste Coaching-Verhalten zwischen den Ballwechseln anzutreffen ist. Dies könnte jedoch daran liegen, dass dies die mit deutlich kürzesten Coaching-Phasen sind, weshalb sich automatisch weniger Verhaltens-Alternativen ergeben.

Die Damen-Teams geben sich etwas häufiger Coaching-Anweisungen und diese sind im Durchschnitt auch etwas länger als jene bei den Herren. Dies gilt für alle drei Coaching-Phasen. Dabei sind die Männer etwas entspannter im Umgang, schreien sich jedoch häufiger einmal an. Dass das Coaching-Verhalten bei den Frauen etwas emotionaler ist, zeigt sich auch daran, dass der Umgangston stärker als bei den Herren-Teams vom Spielverlauf abhängt. Zudem kommt es bei den Damen öfter zu motivationalen Bemerkungen und Anfeuerungen, während die Männer etwas häufiger gar nichts zueinander sagen oder sich innerhalb des Teams beschimpfen. Dass die Damen etwas konstanter und kollektiver in ihrem Coaching-Verhalten sind, wird auch daran deutlich, dass sie Taktikänderungen seltener gegen oder ohne Absprache durchführen, und dass sie ihr Coaching als regelmäßiger als die Männer einschätzen. Mehr Damen- als Herren-Teams planen ihr Coaching-Verhalten und sind mit diesem zufrieden.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Damen häufiger, emotionaler, kollegialer und konstanter coachen. Vieles deutet darauf hin, dass sie das Coaching etwas wichtiger nehmen und sich darüber mehr Gedanken zu machen. Daher lässt sich durchaus die These aufstellen, dass die Damen-Teams sich etwas besser coachen als die Herren-Teams.

Im Vergleich der jungen mit den älteren Teams wird deutlich, dass die jungen Teams sich häufiger coachen und diese Coaching-Anweisungen von längerer Dauer sind. Die älteren Teams sind in ihrem Coaching-Verhalten etwas ausgeglichener (stärkere Standardisierung; weniger Beeinflussung des Umgangstons durch den Spielstand), ruhiger (seltener aggressiver Tonfall, weniger Beschimpfungen) und weniger individualistisch (seltener Entscheidungen ohne Absprache oder von nur einem Spieler). Die jüngeren Teams beschäftigen sich mehr mit der eigenen Taktik und Technik, während die älteren häufiger über den Gegner bzw. die gegnerbezogene Taktik sprechen. Insgesamt lässt sich sagen, dass die jüngeren Teams in ihrem Coaching-Verhalten etwas unsteter und emotionaler zu sein. Dies muss aber nicht bedeuten, dass ihr Coaching schlechter ist: Immerhin sind es die jüngeren Teams, die eher ihr Coaching planen und mit diesem Coaching etwas zufriedener sind als die älteren Teams.

Die ambitionierteren Teams besprechen sich in den drei Phasen etwas häufiger als die weniger ambitionierten. Sie geben sich öfter Anweisungen zur Taktik und zur Technik, während Anfeuerungsrufe seltener als bei den weniger ambitionierten Teams sind. Während diese Parameter bei „professionelleren“ Teams durchaus zu erwarten sind, überrascht es, dass diese Teams häufiger gereizt und aggressiv sind und sich etwas öfter innerhalb des Teams  beschimpfen. Ebenfalls unerwartet ist es, dass das Coaching-Verhalten dieser Teams nicht geplanter und konstanter ist als jenes der weniger ambitionierten Teams. Dies alles zeigt, dass man den ambitionierteren Teams kaum ein professionelleres Coaching als den anderen Teams attestieren kann. Es scheint im Gegenteil eher so zu sein, dass diese Teams – vielleicht auf Grund des stärkeren Erfolgsdrucks - etwas unbeherrschter und unsachlicher sind als die Teams mit geringeren Ambitionen. Allerdings sind es trotzdem die ambitionierteren Teams, die etwas zufriedener mit ihrem Coaching sind.

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Die Teams, die für ihr Coaching-Verhalten Regeln festgelegt haben, geben sich häufiger innerhalb des Teams Coaching-Anweisungen. Diese Anweisungen sind zudem im Durchschnitt von längerer Dauer. Diese hohe Quantität der Coaching-Maßnahmen geht jedoch nicht mit einer hohen Qualität einher: Es ist häufiger ein gereizter und aggressiver Umgangston zu konstatieren, die Spieler beschimpfen sich öfter und ihr Tonfall hängt in stärkerem Maße vom Spielverlauf ab als bei den Teams, die ohne Planung coachen. Zudem lässt sich in ihrem Coaching-Verhalten keine größere Konstanz als bei den Teams, die ohne Planung coachen, feststellen. Teams, die ihr Coaching planen, entscheiden häufiger ohne Absprache, und es ist öfter ein Spieler, der den Großteil des Coachings übernimmt. Es ist möglich, dass bei den Teams, die für ihr Coaching-Verhalten Regeln festgelegt haben, deshalb kein qualitativ besseres Coaching betrieben wird, weil vielleicht gerade die Teams, die Probleme mit Coaching-Verhalten und Umgangston haben – also eher schlechteres Coaching betreiben oder betrieben haben - , es für notwendig halten (oder hielten) sich Gedanken darüber zu machen und Verhaltens-Regeln aufzustellen, um Verbesserungen zu erzielen.

   

2 Ausblick

Nach der Bestandsaufnahme der Coaching-Situation, wie sie sich heute im deutschen Spitzen-Beachvolleyball darstellt, erscheint auch ein kurzer Ausblick in die Zukunft angebracht.

 Die Entwicklung der Sportart Beachvolleyball von einem reinen Trendsport, der von den Akteuren „just for fun“ ausgeübt wurde, hin zu einer Sportart, die von vielen Athleten professionell betrieben wird, gibt auch einen Anhaltspunkt für die Entwicklung des Coaching-Verhaltens der Teams. Während früher so gut wie kein Team einen Trainer hatte und es für die meisten gar nicht vorstellbar, sich Gedanken über sein Coaching-Verhalten zu machen bzw. sich bewußt zu machen, dass es beim Beachvolleyball überhaupt Coaching – seitens der Spieler – gibt, arbeiten heutzutage viele Teams mit einem Trainer zusammen (siehe oben stehende Untersuchung) und besprechen, wie ihr Coaching aussehen soll. Diese Tendenz zeigt sich seit längerem schon auf internationaler Ebene: Auf der FIVB World Tour spielen nur Teams, die ihren Sport professionell ausüben und es sind kaum noch Teams vorzufinden, die nicht mit einem Trainer zusammenarbeiten. All dies zeigt, dass Beachvolleyball immer professioneller betrieben wird und es deutet einiges darauf hin, dass sich dieser Trend auch in näherer Zukunft fortsetzen wird. Es ist davon auszugehen,dass mit einer allgemeinen Professionalisierung auch eine Verbesserung des Coaching-Verhaltens der Teams einhergehen wird und alle Teams sich mehr mit diesem Thema beschäftigt werden, um auch auf diesem Gebiet das Optimum herauszuholen. Dass das Coaching-Verhalten für die Teams immer mehr an Bedeutung gewinnt, lässt sich auch daran ablesen, dass 62 % der befragten Teams angeben, heute mehr zu coachen als in der Vergangenheit. Hier ist allerdings zu bemerken, dass eine quantitative Steigerung nicht zwangsläufig mit einer qualitativen einher geht. Es kann jedoch als Beleg dafür genommen werden, dass viele Teams bemüht sind, den Bereich „Coaching“ zu optimieren.

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3 Schluss

Angesichts gewisser grundsätzlicher Übereinstimmungen zwischen Beachvolleyball und Hallenvolleyball und der Tatsache, dass es kaum Literatur zum Thema „Coaching im Beachvolleyball“ gibt, schien es sinnvoll als theoretischen Ausgangspunkt das „Coaching im Hallenvolleyball“ zu wählen. Ziel des Coachings ist die positive Einwirkung auf das Spielverhalten der Spieler. Entscheidendes Mittel der Steuerung ist dabei die Sprache. Die sprachliche Einflussnahme sollte im Dreischritt von Benennung über Analyse zur Handlungshilfe erfolgen. Der Coach soll während des Spiels Anweisungen von der Coaching-Zone aus geben und insbesondere Auszeiten und die Satzpausen (in ähnlicher Weise wie die Auszeiten) für seine Coaching-Anweisungen nutzen. Dabei geht es um Leistungssteigerung des eigenen und Leistungsminderung des Gegners. Kritik sollte nur in vertretbarem Ton geäußert werden. Von Bedeutung ist auch der motivierende Charakter von Ansprachen des Coaches und die Präzisierung und Vereinfachung von Anweisungen. Diese Anweisungen sind meist der eigenen Mannschaftstaktik, seltener dem Gegner und noch seltener den technischen Elementen gewidmet. Alle Coaching-Bemerkungen sollten aufgaben- und zielorientiert sein. Dem Coach im Hallenvolleyball stehen als weitere Gelegenheit der Einflussnahme Spielerwechsel zur Verfügung.

Diese Möglichkeit des Spielerwechsels gibt es im Beachvolleyball nicht. Zudem ist es den Teams nicht erlaubt, von einer dritten Person gecoacht zu werden. Die Spieler müssen das Coaching also selber übernehmen. Trotzdem gelten die oben gemachten Ausführungen zum Hallenvolleyball in den meisten Fällen prinzipiell auch im Beachvolleyball. Es sollte eine verständliche Strategie geben, das Coaching sollte positiv sein, Fehleraufzählungen vermieden und nicht zu viele Informationen ausgetauscht werden. Auch die Aktivierung und Motivierung sollte Bestandteil des Coachings im Beachvolleyball sein. Im Vergleich zum Hallenvolleyball ist das Beachvolleyball-Coaching individueller ausgerichtet.

Der größte Unterschied besteht jedoch darin, dass die Spieler sich selber coachen müssen. Deshalb ist das Verhalten der beiden Spieler zueinander von besonders großer Bedeutung. Es ist darauf zu achten, dass negative Äußerungen zum oder über den Partner in jedem Fall zu unterlassen sind und Kritik nur in konstruktiver Form geäußert werden sollte.

Die Problematik des Coachings ergibt sich v.a. daraus, dass zwar Anweisungen ausgetauscht werden müssen, diese aber gleichzeitig keinen negativen Einfluss auf die Stimmung zwischen den beiden Spielern und damit auf das Spiel haben sollten. Zudem können schnell Probleme daraus entstehen, dass es nicht nur einen Coach gibt, der das Sagen hat, sondern zwei, die bestimmen wollen. Des Weiteren ergibt sich das Problem der mangelnden objektiven Wahrnehmung. Dies gilt für den Beachvolleyballer sowohl für seine Funktion als Spieler als auch als Coach. Besonders deutlich wird dies bei der für ein gutes Coaching erforderlichen Beobachtung des Spielgeschehens, welche für jeden Beachvolleyballspieler (und damit gleichzeitig auch –Coach) sehr erschwert ist. Zudem wird die Fähigkeit zu Beobachtung, Analyse, Informationsvermittlung und –aufnahme durch die hohe körperliche Belastung während des Spiels beeinträchtigt.

Hinsichtlich der Inhalte der Anweisungen gilt, dass auf Grund der größeren Vorhersehbarkeit von Spielsituationen die Stärken und Schwächen des Gegners mehr Beachtung finden als im Hallenvolleyball. Diese Spielstruktur ermöglicht zudem ein individuelleres und stärker und gezielter gesteuertes Coaching. Durch die geringere Anzahl an Handlungsoptionen im Vergleich zum Hallenvolleyball wird das Coaching in gewisser Weise auch vereinfacht.

Insgesamt lässt sich konstatieren, dass die besonderen Rahmenbedingungen für das Coaching im Beachvolleyball unbedingt berücksichtigt werden müssen: Die erfolgreiche Balance zwischen gutem Umgang zwischen den beiden Spielern und den nötigen Eingriffen durch Coaching –Anweisungen durch die Spieler selbst ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Coaching.

In den Anfangsjahren des Beachvolleyballs wurden sich wenige Gedanken über den Ablauf des Coaching-Verhaltens gemacht. Die zunehmende Professionalisierung und die steigende Anzahl von Teams, die mit Trainern zusammenarbeiten, dürften dazu geführt haben, dass mehr über dieses Coaching-Verhalten nachgedacht und gesprochen wird.

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Die Befragung der besten deutschen Beachvolleyball-Teams (die 32 Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft 2002) hat einige Tendenzen hinsichtlich des Coaching-Verhaltens von Beachvolleyball-Teams des obersten Leistungsniveaus erkennen lassen. Es zeigt sich, dass Coaching-Maßnahmen generell häufig durchgeführt werden, wobei in den meisten Teams ein bestimmter Spieler deutlich häufiger als der andere das Coaching übernimmt. Inhalt dieser Coaching-Anweisungen sind v.a. Mannschaftstaktik und gegnerbezogene Taktik und dabei insbesondere solche Elemente, mit denen in starkem Maße Einfluss auf den Spielaufbau des Gegners genommen werden kann (z.B. Aufschlag), bei denen relativ großer taktischer Handlungsspielraum besteht (Angriff, Abwehr, Block) und beim Gegner die Elemente, welche vom eigenen Team beeinflusst werden können (z.B. Annahme, Angriff). Die Anweisungen werden meist in ruhigem und entspannten oder zumindest in neutralem Tonfall ausgesprochen. Das Coaching-Verhalten allgemein wird nur als durchschnittlich standardisiert beurteilt und im Durchschnitt mit der Note „befriedigend“ bewertet. Nur sechs der sechzehn Teams planen ihr Coaching-Verhalten. Dies alles zeigt, dass es noch einiger Spielraum für Verbesserungen des Coaching-Verhaltens vorhanden ist.

Die Unterschiede zwischen den Coaching-Phasen „zwischen den Ballwechseln“, „Auszeit“ und „Satzpause“ sind relativ gering. Es zeigt sich aber, dass erstere  am stärksten von Emotionen geprägt sind und dass während den Satzpausen die inhaltlich gehaltvollsten Anweisungen gegeben werden.

Im Vergleich zwischen Damen- und Herrenteams wird deutlich, dass Damen etwas häufiger, emotionaler, kollegialer und konstanter coachen. Dies lässt die Vermutung zu, dass die weiblichen Teams dem Coaching etwas größere Bedeutung beimessen und ein etwas besseres Coaching betreiben als die Herren.

Die älteren Teams sind in ihrem Coaching-Verhalten etwas ausgeglichener, ruhiger und weniger individualistisch als die jüngeren Teams, die unsteter und emotionaler coachen.

Die ambitionierteren Teams geben zwar etwas häufiger Anweisungen als die weniger ambitionierten Teams, aber coachen etwas unbeherrschter und unsachlicher, weshalb diesen Teams in keinem Fall ein professionelleres Coaching-Verhalten bescheinigt werden kann.

Ähnliches gilt für jene Teams, die für ihr Coaching Regeln aufgestellt haben: Sie coachen zwar mehr, aber nicht besser. So ist z.B. der Umgangston häufiger gereizt und es ist keine größere Konstanz festzustellen als bei den Teams, die ihr Coaching nicht planen.

Zwischen den verschiedenen Teilgruppen ergaben sich insgesamt keine großen Abweichungen, was auf ein relativ ähnliches Coaching-Verhalten der befragten Teams hinweist. Auffällig ist insbesondere, dass sich auch bei den Teams, die größere Ambitionen haben und generell professioneller arbeiten und solchen Teams, die für ihr Coaching-Verhalten Regeln festgelegt haben, kein qualitativ besseres Coaching-Verhalten feststellen ließ.

Analysiert man die Entwicklung von Beachvolleyball in Deutschland im Allgemeinen und der Team-Betreuung (Trainer, Video, Training etc.) im Speziellen und betrachtet man diesbezüglich die Entwicklungstendenzen im internationalen Beachvolleyball, kommt man zu der Einschätzung, dass Beachvolleyball immer professioneller betrieben wird und dieser Trend auch anhalten wird. Es ist daher auch davon auszugehen, dass sich immer stärker mit dem Thema „Coaching“ befasst wird und das Coaching-Verhalten in jedem Team an Bedeutung gewinnt.

Abschließend lässt sich feststellen, dass es gute Gründe gibt, sich der Aussage von Martin anzuschließen: „Die richtige Führung, Beratung, psychologische und taktische Einstellung von Sportlern und Mannschaften im Wettkampf sind leistungsbestimmende Faktoren und beeinflussen das Wettkampfresultat“.

Dies gilt auch für Beachvolleyball. Dabei erschweren die in dieser Arbeit dargestellten besonderen Rahmenbedingungen für das Coaching im Beachvolleyball die Festlegung, was „gutes“ Coaching überhaupt ist und wie es aussehen muss. Daher sollte „gutes“ Coaching in erster Linie danach definiert werden, ob es dem einzelnen Team in seiner Situation optimal hilft und leistungssteigernd wirkt. Im Extremfall kann gutes Beachvolleyball-Coaching daher auch aus Schweigen bestehen!

Wichtig ist vor allem, dass dieses Coaching-Verhalten nie willkürlich sein darf. Es muss immer zielorientiert sein. Dabei ist immer zu beachten, dass durch die Spielstruktur des Sportspiels Beachvolleyball der Umgang zwischen den beiden Spielern und die daraus resultierende Wirkung noch viel wichtiger ist als jene zwischen den Mannschaftsmitgliedern im Hallenvolleyball.

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