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Volleyball im Sand = Beachvolleyball ? - Überlegungen zur Gestaltung einer Unterrichtsreihe in der Orientierungsstufe (Klasse 5/6) -
Zuerst sammelte ich Möglichkeiten und Bedingungen:
Die Struktur der Einheit hatte somit folgendes Aussehen: 1. Stunde: Bewegungserfahrungen im Sand – Laufen, Springen, Fallen 2./3. Stunde: Koordinative Aspekte des Ballspielens auf neuem Untergrund: Gleichgewichts-, Reaktionsschulung 4. Stunde: Einführung in die volleyballspezifische Grundtechnik des Oberen Zuspiels im Sand 5./6. Stunde: Wiederholung und Festigung der Grundtechnik Oberes Zuspiel, Einführung in die volleyballspezifische Grundtechnik des Oberen Zuspiels, Erfahrung mit ersten volleyballähnlichen Spielformen 7. Stunde: Spielen lernen – Grundideen des taktischen Verhaltens im Volleyballspiel 1:1 und 2:2 8./9. Stunde: Volleyball spielen - Verschiedene Spielformen bis hin zum Zielspiel Beachvolleyball 2:2
Gerade Volleyball ist dazu eine sehr lernintensive Sportart. Hinführen möchte ich die Schüler zu einfache Spielformen, wobei auch das „Spielen“ gelernt werden muss. Dies soll die Einheit dann abschließen und eventuell Reize für ein Beschäftigen mit diesem Sport auch in der Freizeit setzen. Genauer vorstellen möchte ich nun die Doppelstunde 5. /6. Da den Schülern meine Tätigkeit außerhalb der Schule als Spitzentrainer im Volleyball bekannt ist, werde ich die diese Unterrichtseinheit auch als „Trainer“ durchführen. Damit möchte ich den Schülern neben den volleyballspezifische Erfahrungen auch andere Aspekte des Sports – eben das Training im Spitzensport – erfahrbar machen; in der vorhandenen Konstellation ist mir dies gut möglich.
Beispielstunde:
Doppelstunde 5. /6
Dies wird von fast allen akzeptiert, ein wenig Gemurre überhöre ich. Die Dehn- und Kräftigungsphase läuft unproblematisch, so dass ich mich dabei um die Ausführungsqualität einzelner Schüler kümmern kann. Bei den Sprungübungen machen alle Schüler mit teils übertriebener Begeisterung und Bewegungsdrang mit. Selbst beim „Hechtbagger“ schmeißen sich die Schüler mutig in den Sand – außer einem Dreiergrüppchen Mädchen, die sich nur sehr vorsichtig in Richtung Boden bewegen ( „Herr Zeyfang, der Sand ist doch bestimmt noch nass!“).
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Schwerpunkt 1: Unteres Zuspiel
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Diese und die folgenden Übungen werden in Zweiergruppen durchgeführt, jede Gruppe übt mit einem Ball. Dabei kann die Aufstellung variieren: senkrecht oder parallel zum netz, oder auch quer durcheinander. Ein Schüler wirft dem anderen den Ball ruhig zu, dieser nimmt im unteren Zuspiel den Ball an und versucht ihn mehrfach hintereinander hochzuspielen. Anschließend wird gewechselt.
Durchführung wie oben, nur dass der erste Schüler nach zwei (drei, vier...) Ballkontakten versucht, den Ball zu seinem Partner zu baggern, so dass dieser dann jonglieren kann.
Die Schüler sollen versuchen, den Ball zweimal hochzuspielen und dann zum Partner zu passen. Bevor der Ball wieder zurück kommt machen sie dann eine Rolle vorwärts (oder Rolle rückwärts, Hechtbagger u. ä.).
Derselbe Grundgedanke, nur dass der Ball jetzt direkt gespielt werden soll. Sollten einige Schüler dies gut beherrschen, können die Anforderungen durch ein Variieren der Aufstellung gesteigert werden: Diagonales zuspielen in Vierergruppen, so dass der Ball sich in der Mitte kreuzt, paralleles Zuspielen synchron usw.
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Bei den vorhandenen Möglichkeiten ist die vorgeschlagene Aufteilung sinnvoll, um möglichst viele Ballkontakte zu bekommen. Und nur dann können die Schüler ausreichend Erfahrung sammeln um eventuell eine Spielform mit Erfolg durchzuführen. Die Übungsaufstellung wird bewusst variiert, um das perspektivische Sehen immanent mit zu üben.
Die vorgeschlagenen Übungen versuchen durch Abwechslung und verschiedene Anreize das Engagement der Schüler in der etwas trockeneren Lernphase aufrecht zu halten. Trotzdem ist diese Form von Übungen notwendig, um sich das Handwerk zu erarbeiten.
Dabei finden sich Elemente der ersten Übung in der unten dargestellten Spielform wieder (Ballkontrolle), die zweite Übung hat perspektivisch die zweite Spielform als Ziel.
Die Übungen können dabei einen Abschluss finden, indem die Schüler ihre „Jonglage“ vor den anderen Aufführen. Auch eigene Ideen und Variationen können und sollen darin einfließen, wobei dies sicher sehr abhängig ist vom Leitungsvermögen der Schüler.
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| Bei den Übungsformen zum Unteren Zuspiel zeigt sich die schon bekannte Problematik der Ballsicherheit: Die Schüler agieren mit unterschiedlichen Erfahrungen und daraus folgend auch mit unterschiedlichem Mut und Engagement. Ich kümmere etwas ausführlicher um die ballunsicheren Schülerinnen und merke gleichzeitig, dass einige Jungen zwar sehr aktiv, jedoch sehr ungenau die Übungen ausführen. Mein Hinweis, eine gründliche Ausführung im Hinblick auf das spätere Zielspiel sei sinnvoll, wird registriert („Es klappt doch schon so gut!“) – doch restlos überzeugen konnte ich die Schüler nicht, der Spieltrieb ist zu übermächtig. |
![]() Bilder: Beachanlage TSV Bleidenstadt |
Die abschließend Übung „Zirkusreif“ wird in der Zielform auch nur von einer Vierergruppe erreicht, die anderen Gruppen fangen den Ball bei zu ungenauem Zuspiel auf. Die Schüler sind unzufrieden („Die Übung war zu schwer für uns!“) und nach einem allgemeinen Meinungsaustausch werden die Schwierigkeiten der Übung akzeptiert und ein weiterer Versuch in der nächsten Stunde angekündigt („Dann schaffen wir das bestimmt, wenn wir vorher noch mehr üben!“ höre ich zwei Jungs aus der „wilden“ Gruppe sagen).
Schwerpunkt 2: Spielform 1 gegen 1
1:1 „Fast perfekt“
Das Feld ist längs geteilt, so dass mir 8 Felder mit 3m x 10m – 5m pro Seite - zur Verfügung stehen. 16 Schüler können somit aktiv sein, 8 weitere werden als Schiedsrichter eingesetzt.
Dabei wird der Ball über das Netz eingeworfen, der 1. Ball muss gebaggert werden, der zweite Ball darf gefangen oder direkt zurück gespielt werden, der dritte Ball darf nach Anwurf auf die andere Seite gespielt werden; dort gelten dieselben Regeln.
2:2, „Fast perfekt“:
Die Spielfeldgröße wird verdoppelt, auf 6m x 10m. Dies ist schnell und einfach zu organisieren. Zudem ist diese Spielfeldgröße gut mit zwei Schülern abzudecken.
Die Spielregeln sind identisch, nur dass in Zweierteams gespielt wird.
Der erste Ball, der über das Netz fliegt muss von Anfang mit einer Volleyballtechnik gespielt werden. Dadurch erreiche ich die entsprechende, volleyballspezifische Bewegung und daraus folgend Position im Sand.
Anschließend möchte ich das Spiel erleichtern, indem der Ball gefangen werden kann. Somit vermeide ich ein ständiges direktes über das Netz spielen. Außerdem entsteht damit auch das volleyballspezifische Denken, den Ball dreimal auf der eigenen Seite zu spielen.
Im abschließenden Spiel soll das „zu einem Partner spielen“ deutlich gemacht werden. Somit ist das Zielspiel schon fast erreicht. Außerdem spielt die soziale Komponente – alleine kann ich nichts erreichen – eine große Rolle.
![]() Bilder: Beachanlage TSV Bleidenstadt |
Da die Schüler bis zu diesem Zeitpunkt sehr konzentriert mitgearbeitet haben, möchte ich ihnen im abschließenden spielerischen Teil ein wenig mehr Freiraum lassen. So kommt es, dass einige die Spielform „Fast Perfekt“ nach wenigen Minuten abändern in ein regelkonformes Volleyballspiel ohne Fangen. Ich lasse diese Gruppe ihre Erfahrungen sammeln und nutze dies in der abschließenden Besprechung um Vor- und Nachteile darzustellen: Diese werden von beiden Gruppen auch erkannt (weniger Spielfluss, häufige Unterbrechungen, ungenaueres Zuspiel). |
Cooldown
Der Abschluss der Stunde bildet ein lockeres Auslaufen auf dem Rasen, bevor die Schüler, teilweise erfolgreich, teilweise weniger zufrieden, in den restlichen Schulalltag entlassen werden
Der Autor:
Christian Zeyfang, geb. 1967, Lehrer für Sport und Musik, Diplomtrainer Volleyball
Seit 1984 Trainer in allen Alters- und Leistungsbereichen und auf jedem Untergrund
z. Zt. Cotrainer der Frauennationalmannschaft Halle
Seit Anfang 2001 im Schuldienst