
Sportbiologische Grundlagen zum Kinder- und
Jugendtraining
von
Günter Steppich
-
Wachstumsschub bei Mädchen im Alter von 11-13,
Jungen 13-15, bis zu 1,65cm/Tag und 2,5cm/Woche
-
Peripherie wächst schneller als Zentrum
-
die Differenz von biologischem zu kalendarischem
Alter kann +- 3 Jahre betragen.
-
Akzelerierte (=Frühentwickler) sind größer und kräftiger
als Normal- und Spätentwickler
-
Akzelerierte verfügen im konditionellen Bereich
(Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer) über wesentlich höhere Belastbarkeit und
Leistungsfähigkeit. Vermeintliche "Talente" sind daher in vielen
Fällen nur Frühentwickler
-
Training der konditionellen Faktoren nur in dem Maß,
wie es die umfassende koordinative Ausbildung erforderlich macht: keine
maximale, sondern optimale Ausbildung
-
Betriebs- und Baustoffwechsel: Grundumsatz von
Kindern 20-30% höher als bei Erwachsenen, auch erhöhter Vitamin-, Mineral-
und Eiweißbedarf (2,5g/kg Körpergewicht). Zu umfangreiches und intensives
Training kann zu einer Dominanz des Betriebsstoffwechsels (Fette,
Kohlehydrate) über den Baustoffwechsel (Eiweiße) führen, d.h. Eiweiße
werden zur Energiebereitstellung zweckentfremdet. Folge: Beeinträchtigung
des Wachstums und Verminderung der Belastbarkeit. Ausreichende Erholungs-
und Wiederherstellungszeiträume sind daher bei Kindern und Jugendlichen
extrem wichtig.
-
Individuelle Belastbarkeit von Knochen, Knorpel,
Sehnen und Bändern ist die limitierende Leistungsgröße:
– Knochen sind vermindert zug- und druckfest, erhöht biegsam
– Sehnen und Bänder sind weniger zugfest
– Knorpel sind durch Druck- und Scherkräfte gefährdet
– die Muskulatur reagiert auf Trainingsreize schon nach wenigen Tagen mit
funktionellen und morphologischen Veränderungen, der passive
Bewegungsapparat erst nach Wochen. Konsequenz: keine abrupten
Belastungssteigerungen, keine Maximalbelastungen.
-
Orthopädische Forderungen für das Kinder- und
Jugendtraining:
1. Ausreichende Erholungszeiten
2. Keine abrupten Belastungswechsel, die auf einen unvorbereiteten
Organismus treffen
3. Kein Hanteltraining vor Abschluss der Pubertät, keine Tiefsprünge über
Sprunghöhe
4. Keine einseitigen Belastungen
5. Keine länger dauernden statischen Belastungen, sie können Knorpel schädigen
-
Krafttraining vor der Pubertät ist weitgehend
sinnlos, da der Testosteronspiegel viel zu niedrig ist (1/15 bis 1/20 des
Erwachsenen), und außerdem ausgesprochen gefährlich (Schädigung von
Knorpel, Bändern, Sehnen, Knochen
-
Auch die anaerobe Arbeitsfähigkeit (intensiver
Ausdauerbereich) des Muskels ist abhängig vom Testosteronspiegel
-
Im Alter von 10-14 Jahren besitzen Kinder sog.
intermediäre Muskelfasern, die noch nicht auf FT oder ST festgelegt sind.
Bei Jungen beträgt dieser Anteil bis zu 14%, bei Mädchen bis zu 10%. Sie
werden je nach Belastung in langsame oder schnelle Fasern umgewandelt.
Schnelligkeitsbetonte Belastungen sind daher Pflicht, ausdauerintensive zu
vermeiden
-
Dem Alter von 10-14 Jahren wird die beste Lernfähigkeit
zugeschrieben: das ZNS ist noch in der Entwicklung, das Gleichgewichtsorgan
hat fast Erwachsenenwerte erreicht, auch Motivation, Mut und
Risikobereitschaft sind sehr ausgeprägt. Daher die Forderung nach
intensiver koordinativer Schulung in diesem Alter
Literatur:
Weineck, „Optimales Training", Erlangen, 1996, S. 99-118
|