Das Profil eines (Volleyball-) Coaches

von Marc Demmer

 

1 Woran erkennt man einen guten Coach

Wir haben nun Möglichkeiten zur Problemanalyse gesehen und eventuelle Zielsetzung diskutiert (hier). Es bleibt natürlich immer noch die Frage, was nun eigentlich einen guten Coach ausmacht. Diese Frage ist natürlich nicht 100 % zu beantworten, da sich jede Mannschaft anders verhält und einen andern Menschen nötig hat. Es lassen sich dennoch durchaus grundsätzliche Aussagen über einen „guten“ Coach machen.

Die Liste wünschenswerter Eigenschaften ist lang und variiert von Coach zu Coach genauso wie die der verwendeten Methoden. Ideal ist es, wenn soziale Kompetenzen eine solide Basis bilden, gepaart mit intellektuellen Fähigkeiten und persönlicher Reife. Ein guter Coach wird im Rahmen seiner Fähigkeiten und den äußeren Umständen entsprechend entscheiden und keine falschen Hoffnungen wecken.

Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses ist von besonderer Bedeutung für den weiteren Verlauf des Coachings. Denn nur wenn ich Vertrauen zu jemandem habe, werde ich bereit sein, ihm von meinen Problemen zu erzählen und meine persönlichen Sichtweisen offen zu legen. Ein Coach sollte versuchen eine positive Beziehung zu den Sportlern herzustellen. Das bedingungsfreie Akzeptieren der Spielers ist eine Voraussetzung für erfolgreiches Coaching. Der Coach sollte die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen der Spieler nicht beurteilen oder bewerten. Diese Haltung entspricht dem von einigen anderen Autoren (z.B. Rauen, 2001) oft betonten Konzept der Neutralität. Eine Vertrauensbasis ist also ein zentraler Punkt, den ein erfolgreicher Coach bei seinen Spielern haben muss.

Der nächste wichtige Punkt ist die Akzeptanz der Spieler. Hierfür muss er seine Kompetenz sowohl auf sportlicher Ebene als auch persönlicher Ebene ständig neu erarbeiten. Nicht umsonst wird in vielen Sportarten versucht ehemalige Profis für den Posten ein Coaches zu gewinnen. Die gilt schon seit langem für den Fußball, aber auch DVV gibt es ja eine Initiative ehemalige Profis zur Trainerarbeit zu bringen. Diese haben neben ihren fachlichen Kenntnissen auch sehr häufig den Vorteil, von den Spielern eher akzeptiert zu werden und somit einen leichteren Einstieg. Diese Akzeptanz muss speziell der „Coachtrainer“ natürlich mit fachlicher Kompetenz untermauern. Am Anfang wurde bereits im Managementcoaching festgehalten, dass ein Coach unbedingt selbst einmal eine Führungskraft gewesen sein muss, da er sich sonst nicht in seine Klienten hineinversetzen kann. Dies ist auf den Sport zwar nur bedingt übertragbar, da einen guten Trainer auch noch andere Sachen ausmachen, wie z.B. Fachkompetenz und er außerdem auch als Trainer ein hohes Leistungsniveau erreichen kann, indem er sich dort engagiert, jedoch bleibt speziell die anfängliche Akzeptanz für den ehemaligen Spitzenathleten leichter zu erreichen.

Somit kann man Akzeptanz und Vertrauen als zwei sehr wichtige Punkte, die einen guten Coach im Leistungsport im Bezug zu seinen Spielern ausmachen. Ein Coach sollte also stets offen zu seinen Spielern sein und immer ein offenes Ohr für ihre Probleme habe, die womöglich auch außerhalb des Sports liegen.

Weiterhin ist es sehr wichtig, dass der Coach und die Sportler die Ziele gemeinsam erarbeiten, denn nur ein Ziel mit dem sich der Sportler identifizieren kann, wird er versuchen ernsthaft zu erreichen. Gerade diese Zielformulierung macht mitunter einen guten Coach aus. So müssen die Ziele spezifisch, messbar, erreichbar und realistisch sein und im Idealfall eine genaue zeitliche Struktur haben. Grundsätzlich sollte man Ziele positiv formulieren, man muss darauf achten, dass sie verstanden werden und sie sollten relevant sein. Für den Sportler ist sehr wichtig, das die Ziele herausfordernd sind und er sie akzeptiert.

Ziele sollten:

  • positiv formuliert sein; also: wo wollt Ihr hin ?, statt: Was soll nicht (mehr) sein?

  • konkret und genau definiert sein, also klar Bezüge: wie genau wird das aussehen, statt: "weniger x und mehr y"

  • sinnlich wahrnehmbar sein, von außen erkennbar: woran würde der Zuschauer erkennen, dass das Ziel erreicht ist?

  • aus eigenen Mitteln erreichbar sein: liegt die Zielerreichung in der Kompetenz des Teams (fachliche, persönliche und finanzielle Ressourcen)?

  • kontextsensibel sein: Passt das Ziel zum Verein, lässt es sich mit den Zielen der Institution vereinbaren?

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2 Der Volleyballcoach

Die oben gemachten Aussagen, die allgemein für den Coach gelten, gelten natürlich ebenso für den Volleyballcoach. Da es sich beim Volleyball um eine Mannschaftssportart handelt muss, hier der Coach, sowohl mit dem einzelnen ins Gespräch treten, wie auch mit dem gesamten Team. Auch hier sind wieder Akzeptanz und Vertrauen die Grundlagen einer erfolgreichen Arbeit.

Wiederum ist das richtige formulieren der Ziele bzw. das gemeinsame Erarbeiten mit der Mannschaft, der Hauptpunkt, der zu Beginn einer Phase (Saisonbeginn, Winterpause...) stehen muss.

Da besonders im Volleyball ein hoher Stressfaktor während des Spiels auftritt rät es sich für einen Coach, selbst starke Nerven zu besitzen und körperlich fit zu sein, um so die stressigen Situationen während eines Spiels mit „kühlem Kopf“ zu meistern( oder er eignet sich eine Psychoregulationstechnik an).

Die soziale Kompetenz ist bei einer Spielsportart wie Volleyball besonders wichtig und der Volleyballcoach sollte erkennen, wenn es Spannungen und Probleme bei seinen Spielern gibt, somit sollte also auch eine gewisse „Menge“ Empathie vorhanden sein. Da es sich um einen Mannschaftssport handelt, muss er auch in der Lage sein eine Gruppe zu leiten und führen.

Kurzum ein idealer Coach muss sehr viele Eigenschaften in sich vereinen, die sich besonders im Bereich der Sozialkompetenz, Gruppenführung, Zielbestimmung und Kooperation kumulieren.

3 Literatur

  • König, E. & Volmer, G. (1993). Systemische Organisationsberatung: Grundlagen und Methoden, Weinheim: Deutscher Studienverlag

  • Rauen, C. (2000). Handbuch Coaching. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.

  • Rauen, C. (2001). Coaching: Innovative Konzepte im Vergleich. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.

  • von Schlippe, A. & Schweitzer, J. (2000). Lehrbuch der systhemischen Therapie und Beratung. 7. Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

  • Christmann, E. & Fago, K. (1993). Volleyball Handbuch Reinbek: Rowohlt

  • Papageorgiou, A. & Spitzley, W. (2000) Handbuch: Leistungsvolleyball Aachen: Meyer & Meyer Verlag

  • Eberspächer, H. (1982). Sportpsychologie. Grundlagen, Methoden, Analysen Reinbek: Rowohlt

  • Janssen, J-P (1995). Grundlagen der Sportpsychologie Wiesbaden: Limpert Verlag

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