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Einleitung
| Immer wieder stellt man fest, dass
das Volleyballspiel in der Schule oder im Verein an mangelnden
Spielqualitäten im Bereich der Grundtechniken scheitert. Hierbei
kommen vor allem Schwierigkeiten bei der Annahme eine besondere
Bedeutung zu, da sie sowohl Voraussetzung der Interaktion zwischen
als auch innerhalb einer Mannschaft darstellt Trotz dieser
bedeutenden Rolle sind vor allem im Anfängerbereich primär
Probleme bei der Annahme zu beobachten, die nicht selten durch
Motivationsschwierigkeiten beim Erlernen zustande kommen: Soll
die Annahme geübt werden, dann bereitet dies den Jugendlichen bei
traditioneller |
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Hinführung
meist wenig Freude, da ihr u. a. die meist spektakuläre Elemente, wie
sie beim Angriffsschlag oder Block zu finden sind, fehlen. Als Mangel
könnte jedoch auch festgestellt werden, dass im Technik vermittelnden
Sportunterricht häufig zu wenig Offenheit und Improvisation besteht
und den SchülerInnen dadurch zu
wenig Handlungs- und Entscheidungsräume gegeben werden (vgl. GRÖßING
1997).
Die dargestellten Schwierigkeiten
bei der Einführung und Schulung der Annahme vor allem im Schulbereich
führten zu einer intensiveren Auseinandersetzung in Bezug auf eine
alternative Unterrichtsreihe zur Verbesserung der Annahme. Grundlage
hierfür bildeten vor allem jüngste Erkenntnisse aus dem Bereich des
Techniktrainings auf der Basis von Modellen, die Phänomene
biologischer Anpassungs- und physikalischer
Selbstorganisationsvorgänge beschreiben und erklären. Hierbei ist ein
Ziel in der vorliegenden Studie, anhand eines klassischen
Feldexperiments die Effektivität des neuen methodischen Ansatz mit dem
klassischen quantitativ zu vergleichen. Der neue Ansatz des
Techniktrainings beruht auf der Überlegung, dass nicht nur die Anzahl
an Wiederholungen für die Qualität der Anpassung des Organismus
ausschlaggebend sind, sondern auch die Anzahl und Größe der
Differenzen zwischen zwei aufeinander folgenden Bewegung (vgl.
SCHÖLLHORN 1999). Bei der klassischen Lerngruppe wurde im wesentlichen
die methodische Reihe eines Videos von DANNEMANN/SONNENBICHLER (1989)
angewandt.
Zur Theorie des
differenziellen Lernens
Neurophysiologisch können
Lernprozesse als ein Ausdruck der Plastizität des Nervensystems
betrachtet werden. Die Voraussetzung für Lernvorgänge sehen BIRBAUMER/
SCHMIDT (1994) in der Ausbildung spezifischer synaptischer
Verbindungen unter dem Einfluss von Umweltauseinandersetzungen.
Auseinandersetzungen mit der Umwelt sind dabei nur durch
Sinnesrezeptoren möglich. Sinnesrezeptoren weißen als
charakteristisches Merkmal eine zeitlich abhängige Adaptation an Reize
auf (HANDWERKER 1994). Hat sich ein Rezeptor erst an einen Reiz
adaptiert, reagiert er erst wieder auf eine Änderung des Reizes. Zum
Beispiel führt langes Tragen einer Armbanduhr dazu, dass wir sie nach
einer gewissen Zeit nicht mehr wahrnehmen. Erst wenn wir uns auf die
Armbanduhr konzentrieren oder sie bewegen, wird sie uns wieder
bewusst. Ein ähnliches Verhalten zeigt auch das Zentrale Nervensystem
in Bezug auf Bewegungen. Ist eine Bewegung automatisiert, so kann sie
unter anderem durch das Lenken der Aufmerksamkeit oder durch
Veränderung der Bewegungsbedingungen geändert werden (SCHÖLLHORN
1995). Ein ähnliches Prinzip bildet die Grundlage für das Training
der überwiegend stoffwechselbedingten Sportarten. Hier kann durch
Veränderung von Intensität, Dauer oder Umfang der Reizeinwirkungen
sowie durch Veränderung der Pausengestaltung eine ständige Adaptation
an höhere Belastungen provoziert werden (vgl. LETZELTER 1978).
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Abgeleitet aus dem dominanten
Einfluss von Fluktuationen bei physikalischen und biologischen
Adaptationsprozessen (Schöner 1987) findet im motorischen Bereich
Lernen (als Adaptationsvorgang) erst dann statt, wenn Abweichungen von
einem Bezugspunkt vorhanden sind (vgl. SCHÖLLHORN 1999). Hiernach
erlaubt erst eine Differenz zu einem Bezugsreiz, auf veränderte
Bedingungen adäquat zu reagieren bzw. sich anzupassen. Ein
wesentlicher Teil an Information wird demnach aus dem Vergleich von
zwei Reizen gezogen und nicht nur aus den Reizen für sich selbst. Als
Beispiel für den Informationsgehalt von Differenzen können die
paarweise angeordneten Sinnesorgane beim Menschen betrachtet werden.
Aus der Differenz ihrer Reizung z.B. entnimmt unser Gehirn den
Signalen von Ohren und Augen Informationen über den Raum, die es bei
getrennter Betrachtung der Reize nicht erhalten würde. Eine räumliche
Orientierung mit nur einem Auge oder einem Ohr ist ebenfalls nur
möglich, wenn zwei zeitlich getrennte und unterschiedliche Reize
desselben Sinns miteinander verglichen werden können. Einen ähnlichen
Hinweis auf die Bedeutung von Unterschieden liefern Überlegungen zur
Beobachtung von zahlreichen Bewegungswiederholungen und deren Varianz
bzw. Variabilität (Hatze 1986). Trotz mehrerer hundert bis
tausendfacher Bewegungswiederholungen bleibt Variabilität zu
beobachten. Die Variabilität kann in diesem Kontext entweder in
klassischem Sinne als mangelnde Bewegungskonstanz betrachtet werden
oder in systemdynamischem Sinne als eine Bedingung eines
anpassungsfähigen Systems. Abweichungen werden also weniger als zu
vermeidende Fehler interpretiert als vielmehr als eine
Grundvoraussetzung für lernfähige Systeme. Bei verschwindend geringer
Wahrscheinlichkeit innerhalb von tausenden von Wiederholungen zwei
identische Bewegungen zu finden, lässt sich die Frage nach der
Funktion eines einzuschleifenden, wissensähnlichen Bewegungsprogramms
ableiten. Wird eine Bewegung 8000 mal wiederholt, dann ist bei der
8001. Bewegungswiederholung mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder mit
etwas Neuem in der Bewegung zu rechnen, das bei bisherigen Bewegungen
nicht auftrat. Es scheint also eine Eigenschaft notwendig, die es dem
Bewegenden erlaubt sich an dieses Neue relativ rasch anzupassen. Eine
Möglichkeit diese Eigenschaft des schnellen Adaptierens zu trainieren
wird unter anderem durch Konfrontation mit Differenzen gesehen (Schöllhorn
2000). Analog zu Eigenschaften von neuronalen Netzen wird davon
ausgegangen (Miglioni 1995), dass durch die Konfrontation mit
Differenzen bei Bewegungen die Fähigkeit zum Interpolieren zwischen
den beiden angebotenen Reizen trainiert und verbessert wird. Es wird
also weniger eine fiktive „Idealbewegung“ trainiert als vielmehr der
„Weg zum Ziel“, d.h. der spontane Anpassungsvorgang, die Kunst auf
Neues (auch nach der 10000sten Bewegungswiederholung) möglichst
schnell und adäquat zu reagieren. Hieraus lässt sich ableiten, dass,
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ständiges Wiederholen der
selben Übung aufgrund der hohen Ähnlichkeit der Bewegungsausführung
zwar im Sinne von Programmtheorien bestimmte Bewegungsprogramme
einschleift, aufgrund der zu geringen Differenzen jedoch die
Anpassungsfähigkeit an die nächsten Bewegungsbedingungen
vernachlässigt werden;
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durch ständige Konfrontation
der SchülerInnen bzw. AthletenInnen mit Differenzen der kurzfristige
Adaptationsprozess geschult wird.
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