Ergebnisse der Kommission
„Jugendspielsysteme in Deutschland auf dem Prüfstand“
12./13. April 2003 in Bergisch-Gladbach

Thorsten Koch

Teilnehmer der Tagung

 

„Jugendspielstruktur im Vergleich“

Vergleich der aktuellen & vorgeschlagenen Spielstruktur

Legende: RM = Regionalmeisterschaft; LVM = Landesverbandsmeisterschaft
 

Erläuterungen:

  • im Vergleich zur bisherigen Alterstruktur werden die Jugendlichen im neuen System ein Jahr lang länger „nach oben hin“ gefördert, d.h. das Einstiegsalter bleibt das gleiche, aber die Jugendlichen sind letztlich ein Jahr älter, wenn sie aus der Jugend heraus gehen; (auf die Terminologie „Junioren“ wird aus sportpolitischen Gründen verzichtet)

  • in der Folge bedeutet dies, dass wir im Altersbereich der A-Jugend eine „italienische“ Jahrgangsspanne hätten, der über drei anstatt bisher zwei Jahrgänge geht (Beispiel: Saison 02/03 „neu“; A-Jugend Jahrgänge 83/84/85)

  • ein weiterer Unterschied zum bisherigen System liegt in der längeren Förderung der Jugendlichen auf dem Kleinfeld bei verminderter Spieleranzahl

    • der jüngere C-Jugend-Jahrgang (in der Saison der Jg. 89) ist von der biologischen Entwicklung her – vor allem bei den Jungs – im Wechsel von 4:4 zu 6:6 stark überfordert, zudem wird im Spiel 6:6 teilweise schon spezialisiert, so dass dieser Altersbereich im momentanen System nicht optimal gefördert wird

    • ergo: der Jg. spielt 4:4 (statt jetzt 6:6) und kann im technisch-taktischen Bereich besser gefördert werden; starke und gut entwickelte Jugendliche des Jg. 89 können auch bei der C-Jugend 6:6 mitspielen; auch wenn viele Jugendliche (vor allem bei den Mädchen) in diesem Bereich bereits in der Erwachsenenrunde mitspielen, stellt das Spielen im Kleinfeld in der Jugend kein Problem dar, weil dort noch mal verstärkt die allgemeine technischtaktische Ausbildung unterstützt wird

    • auch das vermeintliche „Problem“, lediglich einen Einfachjahrgang („88“) eine C-Jugend spielen zu lassen („aus einem Jahrgang rekrutieren sich zu wenig Spieler“) ist keines, da die besseren 89er ohnehin mitspielen werden

    • der jetzige Jg. 90, der eigentlich D-Jugend (4:4) spielt, spielt im neuen System E-Jugend (3:3), da dort die Grundausbildung im technisch-taktischen Bereich intensiver und altersangemessener geschult wird

    • der jetzige Jg. 91, der eigentlich E-Jugend (3:3) spielt, spielt – wie das Bayern bereits praktiziert – aus Gründen der besseren Förderung der Grundausbildung im 2:2 o auf einen früheren Einstieg der Jugendlichen wird hinsichtlich einer offiziellen Meisterschaftsebene verzichtet

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In der Summe lässt sich sagen, dass obwohl es im neuen System eine „F-Jugend“ in der Terminologie gibt, der Beginn der Förderung bzw. das Spielen von Meisterschaften gleich geblieben ist; mit der neuen Terminologie, genauso wie im späteren Ansetzen von Meisterschaften auf nationaler Ebene, soll auch deutlich gemacht werden, dass nicht das Gewinnen von Meisterschaften und Titeln, sondern die langfristige Grundausbildung im Vordergrund stehen muss:

  • Meisterschaftsebene: spielen wir nach dem aktuellen System (als einziger Verband in Europa) im Altersbereich der E-Jugend bereits eine DM, so verschiebt sich der Einstieg der nationalen Meisterschaftsebene nach hinten: Gründe sind eine allzu betonte Erfolgsorientierung, die auf Kosten einer langfristigen Grundausbildung im technisch-taktischen Bereich geschieht; ein weiterer Aspekt ist die drop-out- Problematik, die nachgewiesener Maßen auch im zu frühen Einstieg begründet liegt (nach max. 8 DM wenig Motivation)

  • In der Sprache des alten Systems gesprochen verzichten wir im neuen System auf die nationale Endrunde bei den Jüngsten, der E-Jugend; das bedeutet, dass die F-Jugend lediglich auf Landesverbandsebene spielt (eigener Verantwortungsbereich), die E-Jugend bis zu den Regionalmeisterschaften (betroffene LV) und ab der D-Jugend DM (Bereich DVJ) ausgespielt werden

  • Zwar bestand die Tendenz im Gremium, DM-Endrunden erst - wie die meisten europäischen Verbände auch – ab dem Großfeldspiel auszuspielen, doch die Gefahr, dass dann die D-Jugend (4:4) nicht ernst genug genommen wird und der Jg. 89 dann gleich ausschließlich im 6:6 spielen würde, sollte ausgeräumt werden

Libero-Einsatz/Feldgrößen/Netzhöhen

Libero-Einsatz, Feldgrößen, Netzhöhen

  • einhelliger Konsens war, dass die Sichtung und das Trainieren des Liberos eine große Rolle spielt

  • einhelliger Konsens war aber auch, dass der Einsatz des Liberos, so wie es aktuell geschieht, eine universale Ausbildung vor allem der Annahme und der Abwehr körpergroßer Spieler („Annahme Außen“) verhindert – was letztlich schwerer wiegt

  • Libero: ab der B-Jugend ist es möglich mit einem Libero/Libera zu spielen

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Spielfeldgrößen /Netzhöhen

  • was die Feldgrößen und damit korrespondierend die Netzhöhen in den einzelnen Altersbereichen der D- bis F-Jugend angeht, ist der oben dargestellte Vorschlag als vorläufig anzusehen; deshalb als vorläufig, weil LT Mallick eine kurzfristig anberaumte Untersuchung hinsichtlich der veränderten Spielanteile bei unterschiedlichen Netzhöhen/Feldgrößen vornehmen wird;

Michael Mallik erläutert die Spieltaktik beim 4:4

  • grundsätzliches Ziel im Kleinfeldbereich ist eher ein höheres Netz, um die Spieldauer und damit die Ausbildung und Schulung des technisch-taktischen Fundamentalbereichs zu verbessern; da das Spielfeld kleiner wird, wird es trotz gleich bleibender Netzhöhe schwieriger; Mallick (LT Bawü) wird in den nächsten Wochen seine Untersuchungsergebnisse präsentieren, auf deren Grundlage dann endgültige Empfehlungen bzgl. der Netzhöhen der TN getroffen werden.

Spezialisierungsregeln

  • grundsätzlich gilt: so wenig Reglementierung wie möglich, so viel Reglementierung wie nötig

  • Aufschlagregel („Portugal“) bei D/E/F-Jugend: nach zwei (nicht zwingend direkten) erfolgreichen Aufschlägen, rotiert die eigene Mannschaft eine Position weiter, behält aber das Aufschlagrecht; um eine Spezialisierung des Aufschlages einzuschränken und seine Bedeutung als Spiel entscheidendes Element zu minimieren, ist diese Reglementierung gedacht

  • Einschränkungen bei D- und E-Jugend bleiben wie bisher: Im K1 gibt es Beschränkungen hinsichtlich des Zuspiels über Pos. III (Zuspiel über Kopf soll angeregt werden) und allgemein die Positionsregel (Positionen dürfen nicht getauscht werden, kein Läufer); im K2 ist erlaubt, auch von anderen Positionen aus zuzuspielen

  • zwar wurde diskutiert, handlungsoffene Varianten im 3:3 und 4:4 einzuführen, doch aufgrund der Gefahr, dass sich daraus „zufällig“ immer ein Zuspieler (“Läufer“) ergibt, war zu groß und der Aufwand, dies regeltechnisch zu verankern zu umständlich und nicht gewünscht

  • ebenso wurden die Vor- und Nachteile eines Systems mit jeweils zwei Vorder- und Hinterspielern im Spiel 4:4 diskutiert, wobei die TN zum Ergebnis kamen, das Spiel weiterhin mit drei Vorder- und einem Hinterspieler mit den geltenden Einschränkungen auf DVJ-Ebene (Einschränkung der Spezialisierung) zu spielen, weil dieses die einfachste und günstigste Rahmenbedingung für 90% aller Teams im Jugendspielbereich im Spiel 4:4 sei

Teilnehmer:

Koch (DVJ-Leistungssportwart)
Köhler (DVV)
Papageorgiou (DSHS)
Tronick (LT Sachsen)
Mallick (LT männlich BaWü)
Lichtenauer (LT weiblich BaWü)
Hinz (BSP F’hafen)
Schütz (LT WVV)
Hanke (LJW BAY)



Eltmann (LJW NIS)
Schlecht (LJW NRW)
Stosik (LT SLH)
Giordani (LT HES, FIVB-Constr.)
Knoth (LZ Essen-Borbeck)
Zalewski (Referent polnische Jugendspielstrukt.)
Meusel (LZ Bleidenstadt, ehem. BT männlich)

Weitere Mitarbeiter

Warm (BT Nachwuchs männlich)
Tietböhl (BT Jugend weiblich)
Prenzel (LT BER männlich)
Toth (LT BER weiblich)
Radde (ehem. FIVB-Constr.)

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