Einführung des Volleyballspiels in Spielreihen

Richard Dörmer

Leistungsfeststellung im Volleyball

 
Lehrpläne Spielfähigkeit Spielnote Spielnahe Situationen Weitere Möglichkeiten

Vorgaben der Lehrpläne

Die Grundlagen der Beurteilung von Leistungen unterscheiden sich in den Lehrplänen Sek I (S.14 f) und Sek II (S.12 f) kaum.

Im Lehrplan Sek I ist die motorische Dimension die Grundlage der Sportnote. Sie kann durch die Berücksichtigung der sozialen und kognitiven Dimension lediglich um eine Notenstufe geändert werden.

 
 Anforderungsbereiche der Leistungsbeurteilung
                  Motorische Dimension Soziale und kognitive Dimension
punktuelle sportliche Leistungen ergänzende sportliche Leistungen
Weiten, Zeiten, Höhen Steigerung der individuellen Leistung in einem Unterrichtszeitraum Kooperation, Hilfsbereitschaft
Bewegungsqualität sportliche Vielseitigkeit Selbständigkeit
Gestaltung von Bewegungen   Integration
Spielerfolg, Effizienz Lernfähigkeit und Lernbereitschaft in Bezug auf neue Fertigkeiten Fairness
    Kenntnisse

Der Lehrplan Sport für Sek II stellt zur Leistungsbeurteilung (S.12 f) fest: „Während die Bewertung der Sportpraxis die Basis für die Kursnote darstellt, sind die übrigen (...) aufgeführten Aspekte angemessen einzubeziehen. Sie können die Sportnote bis zu einer Notenstufe nach oben oder unten modifizieren“.

Mit der „Basis für die Sportnote“ ist die eigentliche Sachkompetenz gemeint, die sich aus „sportpraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten“ zusammensetzt. Als weitere Gesichtspunkte erscheinen Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, individuelle Lernvoraussetzungen, individueller Lernfortschritt und Leistungswille.

Genauer äußern sich die „Empfehlungen zur Leistungsfeststellung“ bei Mannschaftsspielen (S. 59). Dort wird unterschieden in die Überprüfung der Spielfähigkeit (im Spiel und ggf. in spielnahen Situationen) und in „andere Leistungsnachweise“, die aus punktuellen Überprüfungen und epochalen Leistungen bestehen. Als Gewichtung wird ein Anteil von mindestens 50% für Leistungen aus dem Bereich Spielfähigkeit angegeben.

Andere Leistungsnachweise können in Form von Epochalnoten, Techniknoten oder motorischen Tests erbracht werden.

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Beurteilung der Spielfähigkeit

Ganz entscheidend bei der Beurteilung von Leistungen der Spielfähigkeit ist immer die Transparenz und Einsichtigkeit der Beurteilungskriterien. Sinnvollerweise stellen diese Kriterien die Lernziele z.B. des oberen Zuspiels (Höhe, Genauigkeit) oder einer Bewegungsausführung dar. Grundsätzlich sollte auch nur das überprüft werden, was im Unterricht behandelt worden ist. Wenn den Schülern die Beurteilungskriterien klar sind, kann man sie ohne weiteres auch bei der Notenvergabe um ihr Urteil bitten, z.B. bei Techniknoten oder bei Ranglisten der besten Spieler.

Bei allen berechtigten Tendenzen zur Objektivierung von Spielnoten muss klar festgehalten werden, dass der Sportlehrer letztlich immer eine Entscheidung zu treffen hat. Dabei hilft ihm nur seine Sachkompetenz. Es muss ebenso deutlich gemacht werden, dass die Benotung der Spielfähigkeit kein überraschendes Ereignis als Lernzuwachs quasi über Nacht darstellen kann, sondern das Ergebnis eines über Wochen dauernden Lernprozesses darstellt. Deshalb wird sie mit kleinen Abweichungen den Leistungen entsprechen, die der Schüler normalerweise im Unterricht zeigt. Wenn der Lehrer mit einem Spielreihen-Konzept unterrichtet, sieht er seine Schüler ständig spielen, somit weiß er auch, wie weit seine Schüler als Gruppe sind und was der Einzelne kann.

Spielnote

Den Schülern muss von vorne herein klar sein, was abgeprüft wird. Die Überprüfung im Spiel eignet sich auch eher für Lerninhalte wie adäquates Rollenverhalten oder Wahl von taktischen Alternativen. Es ist für alle Beteiligten auch sinnvoller, häufiger Spielnoten über ausgewählte Schwerpunkte zu machen (z. B. Abwehrverhalten oder Stellerverhalten im Spiel 3:3), wobei eine überschaubare Zahl an beobachtbaren Kriterien zu bewerten sind, als zu versuchen, an einem einzigen Termin alles auf einmal abzuprüfen. Außerdem gibt es von den sportwissenschaftlichen Verfahren der Spielbeobachtung keine für den Unterricht praktikablen Lösungen.

Spielnoten sollten für jede Stufe gemacht werden, um den Leistungsstand zu diesem Zeitpunkt zu dokumentieren.

Im Allgemeinen wird der Schüler mit der besseren Technik auch der bessere Spieler sein. Das Kaiserspiel eignet sich sehr gut zur Festlegung der Spielnote 1:1 (oberes Zuspiel). Diese ist weit mehr als eine „Techniknote Pritschen“, da auch Fähigkeiten der Antizipation und Angriffstaktik berücksichtigt werden. Der Lehrer muss dabei zuerst die Leistungen des Besten und des Schlechtesten bestimmen. In einer sehr guten Gruppe kann dies durchaus von einer Eins bis zu einer Drei reichen, in einer schwächeren Gruppe z.B. von einer Zwei bis zur Fünf. Alle anderen Schüler liegen dazwischen. Damit müssen nur noch die Intervalle (z. B. eine halbe Note) und die Leistungsabstände bestimmt werden.

Es kann auch eine Note einem bestimmten Feld zugeordnet werden, die „Weltliga-Teams“ erhalten eine 1 usw.. Abwechslung verspricht die Benotung über Ranglisten z.B. im Tannenbaum-System aus dem Tennis mit Forderungsspielen.

Sobald jedoch mit Teams aus zwei und mehr Schülern gespielt wird und nur das Spielergebnis zählt, gerät dieses Verfahren an seine Grenzen, da interne Leistungsunterschiede vorhanden sind. Damit müsste sich ein Besserer mit einem Schlechteren eine Spielnote teilen. Die Bildung von homogenen Teams würde diesen Nachteil zwar aufheben, ist oft aber nicht praktikabel. Ein Auslosen von Mannschaftsmitgliedern oder auch die Vorgabe, dass jeder mit jedem spielen muss, ändert das Problem kaum.

Überprüfung in spielnahen Situationen

Die Ausgliederung von Standardsituationen aus dem Spiel ist eine gute Möglichkeit, das Spielerverhalten zu überprüfen. Je nach der Komplexität der Ausgliederung überwiegen technische oder mehr taktische Inhalte. Grundsätzlich sollte eine Bewertung nach mehreren Durchgängen erfolgen.

Ähnlich wie die „subjektive“ Spielnote richtet sich die Note nach den beobachtbaren Kriterien.

Mehr Objektivität verspricht ein anderes Vorgehen, bei dem die erreichten Resultate in Form einer Trefferquote gezählt werden können. Dazu müssen die Rahmenbedingungen auf den Kern reduziert werden. Die Übungs- bzw. Spielsituation muss exakt der Prüfungssituation entsprechen, damit auch nur dieses Verhalten gemessen wird und nicht etwa noch andere Aspekte eine Rolle spielen.

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In einer kombinierten Situation werden Aufschlag und Annahme abgeprüft. Dabei werden 3-er-Gruppen gebildet, die wechselnd alle Positionen besetzen. Die Aufschläge werden nur als gelungen gezählt, wenn sie das gegenüber liegende Spielfeld (z.B. Badminton-Aufschlagfeld) treffen. Die Annahme (Bagger) wird nur als gelungen gezählt, wenn sie über Stirnhöhe im Zielbereich (Matte oder Markierungen) am Netz gefangen werden kann.

Zählweise: Es werden 10 Versuche für die Annahme festgelegt. Dazu sind wahrscheinlich mehr als 10 Aufschläge nötig. Mitgezählt wird also die Zahl der Aufschlagversuche, die Zahl der gelungenen Aufschläge (ins Feld!) und die Zahl der gelungenen Annahmen zum Zuspieler. Wenn 10 gelungene Aufschläge erreicht sind, ist die Überprüfung zu Ende und es wird gewechselt. Am Ende wird z.B. die Zahlenkombination 12 / 10 / 6 stehen, was bedeutet, dass der Aufschläger für 10 gelungene Aufschläge 12 Versuche gebraucht hat und der Annahmespieler nur 6 von 10 Aufschlägen korrekt zum Steller gespielt hat. Die Ergebnisse werden notiert. Dann muss noch eine Tabelle erstellt werden, die festlegt, mit welchen Werten welche Note erreicht wird.

Bei diesem Verfahren sind Vorteile auch darin zu sehen, dass die Schüler als kritische Juroren selbstständig den Test vorbereiten, woraus eine hohe Übungsintensität und ein hoher Lernerfolg resultiert. Diese Vorgehensweise ist variabel einsetzbar, z. B. mit Aufschlag von oben oder anderen Feldgrößen.

Sie ist jedoch nicht beliebig erweiterbar im Sinne eines Aufschlag-Annahme-Zuspiel-Schmetter-Tests o.ä., da zu viele Spielhandlungen direkt von der vorgehenden Aktion abhängig sind. Die Zahl der Folgehandlungen sollten maximal 2 bis 3 sein. Denkbar wäre ein Stellspiel-Angriff-Test, bei dem „Danke“-Bälle übers Netz zu einem Annahmespieler zugeworfen werden. Alle ersten Zuspiele, die in eine bestimmte Zone gelangen, müssen gestellt werden und alle Zuspiele einer bestimmten Qualität vom Angreifer weiterverwertet werden.

Die Frage stellt sich dabei zwangsläufig, ob in so einem Fall das kompetente Lehrerurteil nicht besser wäre, da es weniger aufwendiger ist und wahrscheinlich zum gleichen Ergebnis kommt!

Andere Leistungsüberprüfungen

Diese Überprüfungen machen den Rest der Volleyballnote aus. Neben der Epochalnote gehören z. B. motorische Tests und Techniknoten dazu.

Sportmotorische Tests sollten nur dann verwendet werden, wenn Schüler vorher im Sinne der Trainingslehre darauf vorbereitet wurden, also trainiert haben und damit die Möglichkeiten besitzen, sich verbessern zu können. Die Aussagekraft der „volleyballspezifischen“ Tests wie Linienläufe, Sitzballtests und Sprungkraftmessungen etc. sind für den Anfängerbereich bzw. für die Schule ohne Belang. Wesentlich ist hier das Lernen von Bewegungen. Laut Lehrplan der Sek II (S. 57) sollen konditionelle Aspekte („Anwenden spezieller Trainingsmethoden“) berücksichtigt werden. Vor allem die Kraftausdauer wird hier genannt. Dies könnte man mit Tests abprüfen und in die Volleyball-Kursnote zu einem geringen Anteil einfließen lassen.

In einer reinen Techniknote fehlt der Spiel-Anteil. Das bedeutet, dass bei der Überprüfung die Antizipation kaum eine Rolle spielen darf und bei der Ausführung alle taktischen Anteile ausgeblendet werden. Sobald beide Aspekte vorhanden sind, scheint es sich bei der Überprüfung weniger um eine Techniknote als mehr um eine Note in einer spielnahen Situation zu handeln, die dann der Spielfähigkeit zuzuordnen wäre.

 
Als reine Techniknoten fungieren der Wandpass-Test beim Pritschen oder folgendes Beispiel zum Baggern. Der Ball wird über das Netz geworfen und nach vorn gebaggert. Gezählt werden von 10 Versuchen nur die als gelungen, die über dem Kopf im Kreis oder auf einer Matte gefangen werden können. Als Variante kann zu einem späteren Zeitpunkt das Feld vergrößert werden und der zugespielte Ball zugepritscht werden.

 

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