Starke Kinder – Starker Volleyball

Pädagogische Leitlinien für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen

Andreas Meusel

 

6 pädagogische Leitlinien Literatur Weiterführende Links

In diesem Beitrag werden verschiedene Aspekte zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen genannt. Viele dieser Aspekte sollten im Verlauf von Jahren zur Grundhaltung eines Übungsleiters bzw. Trainers werden.

  1. Der Trainer geht gerne ins Training

Seine Begeisterung am Volleyball überträgt sich auf deine Gruppe. Der Trainer lebt seine Ideale vor.

Praxis-Tipp

Finde heraus, was dich (auch nach vielen Jahren) an der nächsten Trainingseinheit motivieren kann:

  • an einer Technik, Taktik;

  • neuen methodischen Weg probieren;

  • soziale oder mentale Probleme bewältigen;

  • neue Materialien verwenden (z.B. Video);

  • neue Übung ausprobieren.

 

  1. Ziele erreichen (anstatt Fehler zu kritisieren)

Kinder und Jugendliche brauchen für optimales Lernen klar definierte Ziele, die sie in der Regel auch erreichen können. Sie sollten von den Übenden verstanden und als erreichbar und als sinnvoll akzeptiert werden. Erfahren sie überwiegend Misserfolg, kann sehr schnell ein Ablehnungs- und Vermeidungsverhalten die Folge sein.

Besonders in größeren Gruppen sollte daher immer wieder in „Leistungsgruppen“ differenziert werden, um eine „individuellere“ Beanspruchung zu erreichen.

Beispiele für die Praxis

  • am Längsnetz können verschieden anspruchsvolle Übungen parallel laufen;

  • am „normalen“ Netz kann das Netz geteilt oder

  • ein Teil der Gruppe mit Koordinations- oder Stabilisierungsübungen beauftragt werden;

  • andere Bereiche der Halle für individuelle Übungen nutzen (Wand, Basketballkorb(aufhängung)):

Verstrebungen von Basketballkörben zum Zuspieler-Training nutzen

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Die Wand kann vielfältig ins Training einbezogen werden

 

Die Wand kann vielfältig ins Training einbezogen werden

Verstrebungen von Basketballkörben zum Zuspieler-Training nutzen

 

Überzeugungsarbeit und Gespräche sind keine Zeitverschwendung, die Spieler sollten sich Schritt für Schritt die „Volleyballphilosophie“ des Trainers zu Eigen machen.

Beispiele für die Praxis

  • Regelmäßige Gesprächsrunden über aktuelle Themen innerhalb der Mannschaft

  • Ab und zu lasse ich meine Spieler auch schriftlich zu ihren Einstellungen und Meinungen Stellung nehmen; z.B.:

    • sich selbst und andere bewerten (Beispiel hier)

    • Umsetzung von (individuellen) Zielen in einem Spiel (Turnier):

      1. vor dem Spiel aufschreiben

      2. nach dem Spiel schriftlich bewerten

      3. individuell oder gemeinsam Besprechen

Rückmeldungen sind (positive und negative) unverzichtbar. Dies können auch „objektiv“ vermittelt werden (Beispiele s.u.). Auf diese Weise muss der Trainer nicht so häufig intervenieren und „verbraucht“ sich nicht so schnell.

Beispiele für die Praxis

  • zwingende Übungen (z.B.: Kopfball, um die richtige Position beim Pritschen zu üben)

  • Kleinfeldturniere (z.B.: Kaiserturnier)

  • kleine Statistiken im Training/Spiel anfertigen lassen (z.B.: wer macht die eigenen Punkte; wie effektiv ist der Angriff)

  • ergebnisorientierte Übungen (z.B.: wie oft überquert der Ball das Netz beim 2 mit 2).

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  1. Selbstwertgefühl häufig fördern

Das Selbstwertgefühl kann dann über (sportliche) Leistung aufgebaut werden, wenn Erfolgserlebnisse möglich sind (Ziele erreicht werden). Voraussetzungen dafür sind, dass der Handlungserfolg:

  • von den Kindern für sich selbst als sinnvoll und wichtig angesehen und

  • als Ergebnis der eigenen Bemühungen angesehen wird.

Unwirksam sind Aufgaben, für die es keine Rückmeldung gibt oder zu leichte Übungen, bei denen der Erfolg sicher und Lernen bzw. Anstrengen nicht erforderlich ist. Dabei sollte genügend Zeit für das Erreichen eines Übungsziel zur Verfügung stehen.

Praxis-Tipp

  • bei der Zusammenstellung der Übungsgruppen Kleingruppen z.B.

    • Cliquen auseinander bringen;

    • immer wieder andere Zusammenstellungen ausprobieren;

    • sofort einschreiten, wenn die Gruppe nicht angemessen übt.

  • z.B. beim Kaiserturnier (siehe Grafik) spielen schon nach kurzer Zeit etwa gleich starke Spieler gegeneinander (die ersten Runden können kürzer gespielt werden).

Kaiserturnier

  1. Achtung und Respekt

Kinder und Jugendliche sollten unabhängig von ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit persönliche Zuwendung und Akzeptanz erfahren

  • dies ist besonders im Verein wichtig, in der häufig die guten Spieler nur dann spielen können, wenn auch weniger Gute mitspielen; wenn hier nur gute Leistung zu Anerkennung führt, wird die Trainingsgruppe zerfallen;

  • auch Spätentwickler können sich in diesem positiven Klima in ihrem Tempo entwickeln.

Beispiele für die Praxis

  • bei gemeinsamen Unternehmungen können häufig auch weniger gut Spieler mit anderen als sportlichen Fähigkeiten zum Gelingen beitragen;

  • kooperative und interaktive Spiele und Übungen besonders in der Aufwärmphase unterstützen die pädagogischen Ziele (siehe Grafiken: kooperative Übungen aus dem Pyramidenbauen).

Kooperative Übungen aus dem Pyramidenbauen

Kooperative Übungen aus dem Pyramidenbauen

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  1. Unerwünschtes Verhalten hat Konsequenzen

In einer Gruppe sollten eindeutige Regeln vereinbart werden. Die Nicht-Beachtung sollte folgerecht mit der entsprechenden Konsequenz geahndet werden. Die Konsequenzen sollten:

  • voraussehbar und begründet (logisch) sein;

  • die Folge des unerwünschten Verhaltens und nicht auf die Person zentriert sein;

  • nicht (aus Emotionen heraus) kommentiert werden.

Dabei sollte nicht auf die Einsicht bestanden werden.

Immer wiederkehrende Probleme haben gemeinsam bestimmte Konsequenzen zur Folge (z.B.: zu spät ins Training kommen; meckern über andere Spieler).

 

  1. Unterschiedliche Kanäle ansprechen

Wir nehmen Informationen über verschiedene Kanäle auf: (Ohr, Auge, Intellekt, Tastsinn). Unterschiedliche Menschen bevorzugen verschiedene Kanäle. Dem entsprechend sollten beim Vermitteln möglichst viele Kanäle angesprochen werden.

Wer alle Kinder erreichen will, muss Lernen durch Erfahrung organisieren. Je stärker bei den entsprechenden Übungen die Möglichkeiten eingeschränkt werden („zwingende Übung“), desto wahrscheinlicher ist die richtige Ausführung beim Ausprobieren.

Beispiel aus der Praxis

  • Ziel: Streckung aus dem gesamten Körper beim Pritschen; Übung: "Po-Kontakt" an der Kante eines kleinen Kastens / Beine in Schrittstellung - Pritschen des zugeworfenen Balls über ein Netz.

  • weitere "zwingende Übungen hier".

 

  1. Weiterführende Links

 

  1. Literatur

Prof. Dr. Petter: Pädagogische Leitlinien; 1994 J.-G.-Universität Mainz; Reihe Pädagogische Psychologie

 

Mentales Training Titel / Autoren Kurzbeschreibung

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Mentale Fitness für junge Sportler....

Rolf Frester

 

Psychologische Grundlagen, die pädagogische Anwendung sowie Übungs- und Gestaltungsangebote für eine gesunde sportliche Leistungsentwicklung bei 10- bis 18jährigen. Eine gesunde, ganzheitlich geförderte sportliche Leistungsentwicklung im Jugendalter bietet die entscheidende Voraussetzung für ein dauerhaftes Sporttreiben und motiviert junge Sportler im Streben nach Spitzenleistungen. Rolf Frester arbeitet die Beziehung zwischen den bio-psycho-sozialen Komponenten in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (10-18 Jahre) und der sportlichen Leistungsentwicklung heraus. Er zeigt Lösungsmöglichkeiten auf, wie junge Sportler durch mentales Training ihre körperliche und psychische Stabilität verbessern können und wie pädagogisch-psychologische Maßnahmen effektiv in den Trainingsprozess integriert werden können.

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Mentales Training. Ein Handbuch für...

Hans Eberspächer

Mentales Training zeigt mit anschaulich aufbereiteten wissenschaftlichen Erkenntnissen Wege zur Steigerung der eigenen mentalen Möglichkeiten auf. Schwerpunkte sind dabei Aufmerksamkeits-, Aktivations- und Vorstellungsregulation sowie Kompetenzerwartung, Zielsetzung und Analyse. Besonders nützlich sind die Übungsbeispiele, die mit leicht nachvollziehbaren Schritten einen einfachen Zugang zum Training der mentalen Fähigkeiten bieten. Fazit: Dieses Buch sollte man besitzen.

 

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