Der Weg zum Gold

Lubos Kyncl

Teil 5: Die NeVoBo Philosophie
 

Will der NeVoBo einen Schritt voraus machen, so muss er meines Erachtens mit Semi-Professionals anfangen. Die Trainerausbildung wird sich dann wohl verändern müssen, der Profi muss auf allen Niveaus Training anbieten können, um so genügend Stunden machen zu können. Zum Beispiel trainieren von Hobby-Mannschaften, E-, C-, oder A-Junioren/innen. Dies steht im Gegensatz zu dem, was man gegenwärtig oft sieht, wie Trainer den sicheren Hafen suchen und jahrelang auf dem gleichen Niveau trainieren.

Eigentlich muss es in jedem Verein einen Person geben die langfristig denkt und dies auch beibehält. Natürlich ist dies bei kleineren Vereinen viel schwieriger, aber auch hier können die Verantwortlichen Lösungen finden. Tennisschulen als Beispiel arbeiten mit einer Art Arbeitsvermittlung wo kleine Vereine einen Trainer mieten können.

 

Ausbildungskultur entwickeln

Dies muss strukturell geschehen. Um dies zu realisieren muss man einige Bedingungen entsprechen. In erster Linie muss man natürlich einen Trainer finden der über gute technische und pädagogische Grundlagen verfügt. Hat man einmal solch einen Trainer gefunden ist es wichtig, dass eine Wissensvermittlung innerhalb des Vereines stattfindet. Der ganze Verein muss vom Trainer profitieren können. Daneben muss der vorstand dafür sorgen, dass genügend Budget geschaffen wird. Man muss so einen Trainer gut bezahlen. Oft ist es für einen Trainer interessanter die erste Mannschaft zu trainieren. Es sollte normal sein viel in die Jugendarbeit zu investieren, denn das ist Deine Zukunft. Dies vielen Vereine und diese Vereine haben auch schon seit Jahren eine gute Jugendarbeit. Oft sieht man gute Resultate wenn sich ein Trainerteam über eine längere Zeit an einen Verein bindet. Sie brauchen dann nicht immer wieder das Rad neu zu erfinden. Sie können die Ergebnisse der vergangenen Saison analysieren und wo notwendig, das Trainingsprogramm anpassen.

Manchmal überträgt sich die Ausbildungskultur auf die Region. Oft fängt ein Verein damit an eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Weil man diesen Zug nicht verpassen will, oder weil man es besser machen will, wird die Erfolgsformel dieses Vereines dann kopiert. Das ist der kürzeste und beste Weg. In meiner eigenen Umgebung sehe ich mit großem Vergnügen, dass so etwas auch entsteht.

 

Spielregelbewusstsein bei Kindern und die Rolle des Trainers und Schiedsrichters

Bei Kindern spielt die Entwicklung des Bewusstseins eine wichtige Rolle. Das Akzeptieren von Regeln ist hierbei genauso wichtig wie das Begreifen von Regeln. Regeln werden erst akzeptiert wenn sie verstanden werden. Spielregeln können erst einigermaßen angewandt werden wenn Kinder zwischen 6 und 7 Jahre alt sind. Weil die Anwendung von Spielregeln für Kinder so schwierig ist, ist es auch wichtig das Spiel so anzupassen dass es spielbar bleibt, und dass die Kinder es mit Spaß an der Sache spielen. Oft bedeutet das, dass mehr und andere Spielregeln notwendig sind, um das Spiel in geeignete Bahnen zu lenken (Spielfeldgröße, Netzhöhe, Angaben aus dem Spielfeld heraus) und weniger technische Anforderungen gestellt werden müssen (Wann und warum ein Pritschball als geführt abgepfiffen wird ist für einen 10 jährigen schwer zu begreifen).

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Die Vision des NeVoBo: Spiel anpassen an...

In der Vision des NeVoBo muss das Spiel an das Kind angepasst werden. Das bedeutet dass Spielregeln, Spielfeldgröße und Spielform an die Entwicklungsphase des Kindes angepasst werden. Dabei ist wichtig, dass der Aspekt „Gewinnen“ nicht das wichtigste Element darstellt. Ist dies wohl der Fall bleiben die Kinder hinter ihren eigentlichen Fähigkeiten zurück. Die Folge ist: Sie hören mit Volleyball auf. Man kann besser von einem Modell ausgehen in dem Regeln die Chance auf Erfolg für jeden Teilnehmer vergrößern. Wir könne dabei den Unterschied zwischen formellen und informellen Spielen betrachten. Formelle Spiele sind organisierte Sportarten, die zum Beispiel von Erwachsenen kontrolliert werden. Informelle Spielsituationen werden von den Spielern selber kontrolliert.

Aus Interviews mit Teilnehmern an informellen spielen kam hervor dass Kinder an 4 Punkten interessiert sind:

  1. Aktion insbesondere Punkten

  2. Persönliche  Beteiligung

  3. Ein herausfordernder Wettkampf

  4. Die Möglichkeit Freundschaften zu  entwickeln

Circulations Volleyball: 2 Teams mit 4 oder 5 Spielern. Macht ein Spieler einen Fehler muss er vom Platz. Gewinnt man den Ballwechsel darf der Spieler der auf der Bank sitzt wieder aus das Feld und aufschlagen. Die Mannschaft die alle Gegenspieler wegspielt gewinnt.

Die folgenden Punkte erklären weshalb Circulations Volleyball so ein Erfolg ist. Kinder können in jungem alter punkten und schwierige Aktionen ausführen, um den Ball vom Boden abzuwehren. Mache kleine Mannschaften, damit jeder spielt. Weil man nur punktet, wenn man das Feld des Gegners leer gespielt hat, bekommt man niedrige Ergebnisse und so gibt es eine Erfolgs-Beflügelung. Bist Du der letzte, kannst Du Deine Mannschaft retten. Du bildest eine Mannschaft und kannst Freundschaften schließen

 

Spaß als Ausgangspunkt

Wir haben eine deutliche Wahl getroffen: Die Spielregeln stehen im Dienste des Spielvergnügens. Das bedeutet, dass wir uns beim Minivolleyball nicht für ein Programm entscheiden, dass auf „Siegen“ ausgerichtet ist, sondern vielmehr auf Spaß in Verbindung mit einem Wettkampfelement. Das hat allerdings Folgen auf den Umgang der Trainer und Schiedsrichter mit Regeln des Volleyballs. Jeder Minivolleyballer, egal ob mit guten oder weniger guten Fähigkeiten, muss Erfolg erleben können. Das macht der jugendliche in erster Linie dadurch, dass er seine Leistung nicht an Sieg oder Niederlage misst sondern an seinem persönlichen Vorankommen in seinen Fähigkeiten. Auf jedem Niveau beim Minivolleyball müssen neue Fähigkeiten gelernt werden. Die Weiterentwicklung wird durch die eigenen Fähigkeiten und den Ehrgeiz, den der Sportler an den Tag legt, diese Fähigkeiten zu verbessern, beeinflusst. Die Frage ist, wie kann der Trainer den Spieler lehren, seine eigene Leistung anhand der Erweiterung seiner eigenen Fähigkeiten zu evaluieren  und wie kann der Schiedsrichter die Regel so anwenden, dass auch er einen positiven Beitrag leistet.

Für Schiedsrichter bedeutet dies, dass sie Spielregeln abhängig vom Fertigkeitsniveau der Minispieler flexibel anwenden können müssen. Das bedeutet dass Spieler auch auf diese Weise erzogen werden müssen. Letztendlich wird dies zur Folge haben, dass die Teilnehmer mehr Spaß haben und mit dem Ziel, die eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln, Volleyball spielen. Beim Mini Volleyball sollte also nicht streng nach Technik gepfiffen werden. Das Spielen und den Ball im Spiel halten ist viel wichtiger. Beim Minivolleyball ist das Spiel schon das Ziel. Das bedeutet, dass das Moment des Spielens wichtig ist. Dieses Moment muss verspielt, schön attraktiv und voller Bewegung sein. Wenn man hierzu bedenkt dass Kinder nicht kommen um auf der Bank zu sitzen, dann ist es offensichtlich, dass wir Cirkulations Mini-Volleyball so  organisieren, dass es der Erlebniswelt der Kinder vollständig gerecht wird.

Das beinhaltet die Einwechselregel, das Erlauben von Fang-Werfbewegungen, das Aufschlagen aus dem Feld usw. Obwohl die Niveaus immer noch von dem Standpunkt ausgehen, was ein Kind durchschnittlich  in dem alter können sollte, geht der NeVoBo immer noch von Fertigkeitsniveaus aus.

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Die  Fertigkeitsniveaus sind in 6 Niveaus eingeteilt.

Niveau 1
Es gibt informelle Spielregeln. Eigentlich muss Werfen und Fangen noch entwickelt werden

Niveau 2
Der Ball wird mit einem Unterhand Aufschlag innerhalb des Spielfeldes ins Spiel gebracht, Flugbahnerkennung und fangen und werfen werden weiter entwickelt und nehmen gegen Ende der Saison schon volleyballtypische Bewegungen an. Coaches begleiten und stimulieren das Spiel

Niveau 3
Der Ball wird von innerhalb des Spielfeldes aufgeschlagen. Das Fangen und Werfen wird auf eine volleyballspezifische art stimuliert: Streckwurf, Schwingwurf, mit gestreckten Händen werfen und fangen, in einer Mulde fangen. Der Coach inspiriert weiterhin und begleitet. Spaß und Entwicklungsperspektive bleiben die zentralen Punkte

Niveau 4
Neu ist der Aufschlag von der Grundlinie aus, die Fangwerf-Bewegung, drei mal spielen und das obere Zuspiel. In der kurzen Saison Vorbereitung müssen die Kinder viel neue Fertigkeiten entwickeln. Dessen müssen sich die Schiedsrichter bewusst sein.

Niveau 5
Es wird auf einem größeren Feld gespielt und der Ball darf nicht mehr gefangen werden. Rückwärtsspielen und Aufschlag hinter der 6 Meterlinie sind die neuen Fertigkeiten. Die Kinder wechseln von der Auswechselbank aus ein.

Niveau 6
Op de Liegeball und das Schmettern werden geübt und der Aufschlag darf oberhalb des Kopf geschlagen werden. Wenn der Mini „gut genug“ ist.

Schiedsrichter werden nach dem Lesen dieses Kapitels einen Modus finden müssen. Dennoch gibt es ein Bedürfnis nach konkreter Information, denn während der Miniturniere wird oft nur einmal im Jahr gepfiffen und das von oftmals jungen und unerfahrenen Schiedsrichtern.

Deshalb die folgenden Richtlinien:

  • Auf Niveau 1, 2 und 3 begleitend Pfeifen. Das bedeutet nichts abzupfeifen aber wohl zu lenken, zu korrigieren und eventuell zu warnen.

  • Pritschen: Kinder erlernen Volleyball von Langkontakt zu Kurzkontakt. Das leichte Tragen des Balles ist in dieser Entwicklungsphase erlaubt, aber eindeutiges Fangen und Werfen muss abgepfiffen werden. Darüber hinaus bestraft eine schlechte Technik den Spieler selbst.

  • Fangwerf-Bewegung: Zu Beginn der Saison haben die Kinder oft noch Probleme die Fangwerf-Bewegung fließend zu spielen, aber dies wird sich im Laufe der Saison verbessern. Einen Ball zu fangen, sich umzudrehen und dann zu werfen, muss aber abgepfiffen werden.

  • Spaß steht im Vordergrund beim Mini-Volleyball.

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Breite Basis

Die Spezialisierung ist nur sinnvoll beim Zuspieler, dem Diagonalspieler und den langen Mittelblockern. Die andern Spieler müssen allround ausgebildet werden. Sie müssen alle Spielbestandteile wie Aufschlag, Annahme, Angriff und Block beherrschen. Womit fängt man als Trainer an? Wenn man neue Spiler bekommt, die noch nie Volleyball gespielt haben muss man vielseitig  trainieren. Vor allem in der Ausbildungsphase müssen die Spieler eine breite Basis angereicht bekommen. Sie müssen allerlei Techniken in allerlei Situationen ausführen. Wenn Spieler an der Spitze sind, werden sie alle Facetten des Volleyball beherrschen. Wenn sie alles beherrschen, können sie sich spezialisieren. Trainer bieten zu oft allerlei Techniken zu isoliert an. Der Trainer muss das Training nach dem Trend richten, dass der Spieler viele Ballberührungen ausführt. Hier kommen die Volleyballtechniken zur Sprache.

Bei Volleyballtechniken sprechen wir über azyklische Bewegungen. Hier können wir drei Phasen unterscheiden:

  1. Vorbereitende Phase

  2. Hauptphase – Spielen des Balles

  3. Endphase – Nachbewegung und Vorbereitung auf die folgende Aktion

Insbesondere die erste Phase verdient viel Aufmerksamkeit, nämlich das Spielen ohne Ball. In der vorbereitenden Phase liegt der Kern des Volleyballspiels. Wird diese Phase nicht richtig ausgeführt, entwickelt sich meistens auch kein Spiel.

Es geht darum sich so effizient wie möglich zu bewegen. Der Spieler hat stets ins Gleichgewicht hinter oder unter den Ball zu kommen. Spielhaltung und Körperhaltung kurz vor dem Ballkontakt sind entscheidend.

Viel Aufmerksamkeit wird hierbei auf die Bewegung zum Ball und das richtige Eindrehen des Körpers gerichtet. Die Spieler müssen viele Winkel machen. In der Anfangsphase wird schnellstmöglich nach komplexen Bewegungssituationen gestrebt. Später wird an der Technik gefeilt

Das Einschätzen der Flugkurve des Balles muss in vielen Situationen trainiert werden. Die Übungen müssen erst simpel sein, wonach sie so schnell wie möglich mit komplexeren Situationen ausgebaut werden. Der Trainer sollte während der Übungen allerlei Bewegungssituationen kreieren. Der Angreifer sollte sich abwechselnd vorwärts, rückwärts und seitwärts bewegen und die Bälle sollten immer mehr links, rechts, höher oder tiefer zugespielt werden. Es wird also tatsächlich nie eine ideale Situation geschaffen.

Innerhalb des Trainings muss man als Trainer zwei Komponenten berücksichtigen: Die Bewegung auf den Ball zu und das Spielen des Balles. Wichtig ist auch die Kommunikation unter den Spielern. Es macht also wenig Sinn eine Übungsform zu schaffen, in der die Spieler nicht gezwungen sind miteinander zu kommunizieren. Vor allem bei Bällen, die zwischen zwei Spieler gespielt werden ist Kommunikation wichtig.

Auf hohem Niveau sind vielerlei Aktionen ausschlaggebend. Hier kommt in erster Linie die Freude am Spiel zuvor. Hingabe steht an aller erster Stelle. Danach folgen erst technische und Taktische Fähigkeiten.

 

Quellen

Bücher

De lange mannen – John Volkers

50 jaar volleybal in Nederland – Chris Mast

Lichamelijke opvoeding en sport voor school en vereniging/ volleybal – uitgeverij Dijkstra

Volleybal op school – Jasper Krijnsen

Volley techno Zeitschriften

 

Andere Informationsquellen

www.volleybal.pagina.nl

www.google.nl

www.nrc.nl

www.nevobo.nl

www.nvvo.nl

 

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