Die Rahmenplanung

„Eine kurze Erläuterung anhand eines Beispiels“

Silvio Große (www.tgh-volleyball.de)
 
Vorwort Analyse Planung Schlusswort
       
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Vorwort

Die Rahmenplanung soll als strukturierendes Element zur Durchführung von Trainingseinheiten innerhalb einer Saisonvorbereitung dienen. Ziel ist die komplexe, koordinierte Leistungssteigerung einer Mannschaft. Sie sollte alle Elemente des Volleyballspiels erfassen. Die folgende Erläuterung orientiert sich am Beispiel einer weiblichen A-Jugendmannschaft in der Oberliga.

Die Analyse

Um eine Rahmenplanung durchzuführen, ist es zunächst wichtig die Punkte zu erfassen, die für eine Saisonvorbereitung von Bedeutung sein sollen. Hierzu können Spielberichtsbögen der vergangen Saison und Spielbeobachtungsbögen der einzelnen Komplexe zur Hand genommen werden.

In meinem Fall liegt:

  • eine Stärke in Aufschlag und Angriff,

  • leichte Schwächen im Zuspiel und

  • starke Schwächen in Annahme, Abwehr und Feldzuspiel vor.

Die Schwächen erklären sich aus technischen Mängeln, sowie Defiziten in der Athletik. Die Mannschaft besitzt ein relativ homogenes Leistungs- und Körpergrößenniveau. Eine weitere Betrachtung ergibt sich aus der Bedeutung des Aufschlags und der Spielzuglänge im weiblichen Jugendvolleyball. Hier werden vor allem viele Punkte mir direkten Aufschlägen erzielt. Die Spielzuglänge erweist sich als erheblich länger als im männlichen Volleyballspiel. Hieraus ergeben sich für meinen Fall folgende Vorbereitungsziele:

  • Reduzierung der Technikdefizite

  • Verbesserung von Kraft und Kondition

  • Erweiterung des Spielsystems durch Läufer/Kombinationen (sofern schon möglich)

  • Erhöhung der Spielkomplexität.

Wichtig ist an dieser Stelle die realistische Betrachtung der Möglichkeiten der Saisonvorbereitung unter Berücksichtigung des zur Verfügung stehenden Zeitraums und der Anzahl der Trainingseinheiten.

Die Planung der Saisonvorbereitung

Aus der Analyse ergibt sich durch Setzen von Trainingsschwerpunkten ein grober Umriss einer Planung der Vorbereitungszeit. Die gesetzten Vorbereitungsziele können nun sinnvoll kombiniert in zeitliche Abschnitte unterteilt werden. Es folgt eine Rahmenplanung.

Die Rahmenplanung wird in verschiedene TE-Komplexe (Trainingseinheiten-Komplexe) unterteilt. Die TE-Komplexe bestehen aus Trainingseinheiten, deren Trainingsschwerpunkte festgelegt werden. Die TE-Komplexe dienen zur zeitlichen Einteilung von Trainingsthemen. So können zum Beispiel nach den TE-Komplexen abschließende Tests durchgeführt werden um individuelle Verbesserungen der trainierten Bereiche zu beobachten. Im oben dargestellten Beispiel (gekürzt) wird in die TE-Komplexe A bis G unterschieden.

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Komplex A
dient einer Zusammenführung der Mannschaft als Team. Die Zusammengehörigkeit und das Vertrauen zueinander wird hier durch Motivationsübungen wie das „Fallenlassen und Aufgefangen werden“ ausgeprägt. Aufbauend sollten hier bereits Athletikzirkel angesetzt werden.

Komplex B
befasst sich mit den Grundtechniken. Hier werden technische Defizite bearbeitet und verringert. Ein vorangehendes Mentaltraining kann hier äußerst hilfreich sein um Bewegungsabläufe zu visualisieren und zu verbessern. Die Komplexität beschreibt das Maß an Spielnähe. Hier sollen also zunächst abstrakt die Techniken erlernt und gefestigt werden.

Komplex C
befasst sich weiterhin mit den Grundtechniken, führt jedoch in spielnähere Situationen. Das Arbeiten in 2er und 3er Teams bietet sich an. Kleine Spielformen 2:2 und 3:3 erhöhen das Zusammenspiel.

Komplex D
dient einzig wiederholt zur Erhöhung des athletischen Vermögens der Spieler. Durch Zirkelprogramme und Ausgleichssportarten soll hier wiederholt die Athletik verbessert werden. Vom Volleyballgeschehen wird abstand genommen um die Sportler allgemein-athletisch zu formen.

Der Komplex E
dient nun als Heranführung an das Spielgeschehen im Team. Hier soll ein fließender Übergang vom 2-2 über 4-4 bis hin zum 6-6 Spiel erfolgen. Natürlich können auch hier Schwerpunkte der zu behandelnden Stärken/Schwächen gesetzt werden. Als Ziel dieses Komplexes sollte eine spielfähige Mannschaft stehen.

Der Komplex F
beinhaltet zunächst Trainingsspiele gegen „stärkere Gegner“. Die Mannschaft hat nun die Möglichkeit als Team auf dem Spielfeld zu agieren und ihre individuellen Verbesserungen wettkampfnahe zu testen.

Der Komplex G
steht nun zur Verfügung für letzte komplexe Trainingseinheiten sowie abschließende Trainingsspiele gegen „schwächere Gegner“ zum Aufbau des Selbstbewusstseins des Teams. Begleitend wird über den gesamten Zeitraum der Vorbereitung ein Konditionstraining vor den Trainingseinheiten absolviert in Form von 20-25 min Laufen, sowie einem Kraftprogramm, welches jedoch durch Programmpausen, zur Erholung der Muskulatur, unterbrochen werden sollte.

Die Komplexe A bis G können in ihren Längen variiert werden. Je nach Anforderung müssen mannschaftstaktische Situation bereits in Komplex C und E aufgenommen und in die Übungsformen integriert werden.

Schlusswort

Es gibt keine allgemeingültige Planung. Die Planung richtet sich immer nach dem Vermögen der Spieler, dem Vermögen des Mannschaftsgefüges, der Alterstruktur und vielen weiteren Faktoren. Jeder Trainer sieht verschiedenen Handlungsbedarf bei seinem Team, sollte sich jedoch realistisch mit der zeitlichen Möglichkeit der Saisonvorbereitung konfrontiert sehen. Genau hier soll die Rahmenplanung unterstützend eingreifen.

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