Die richtige Übung finden

- die Anwendung der Statistik im Training -

Alberto Salomoni (Salomonal@aol.com)

Teil 1: Vorwort
 

Doug Beal, als Trainer 1984 Olympiasieger mit dem Männerteam der USA, und Julio Velasco, zweimal Weltmeister 1990 und 1994 mit den italienischen Männern, berichteten im Mai 2003 während eines Lehrgangs in Bologna über die Vorteile einer gut funktionierenden Datenbank, mit der aufgezeigt werden kann, was alles während eines oder mehrerer Spiele passiert.

Die gleiche Überzeugung erläuterte im Mai 2005 bei einer Fortbildung in Bologna der derzeitige italienische Frauen-Nationaltrainer Marco Bonitta, der über die Vorzüge der Anwendung statistischer Daten im Trainingsbetrieb sprach. Seine Erkenntnis: Die Arbeit mit objektiven Daten kann durchaus zu einem Wechsel der Mentalität, der Gewohnheiten und der Prinzipien des Trainings beitragen. „Das Training sollte mit Hilfe dieser objektiven Daten aufgebaut werden, also mit dem, was real vorhanden ist, und nicht mit dem, was man als Trainer denkt oder glaubt.”

Die Brasilianer bestimmen ihre Trainingsinhalte anhand der letzten drei Spiele

Als Spielbeobachter der DVV- Frauen bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 habe ich im Dialog mit den Kollegen ähnliche Erkenntnisse sammeln können. Zum Beispiel berichtete mir  Zé Roberto, Trainer der brasilianischen Frauen, der 1992 Olympiasieger in Barcelona mit der brasilianischen Männermannschaft die Goldmedaille geholt hatte, dass sein Kollege Bernardinho, der die brasilianischen Männer in Athen zum Olympiasieg führte, bei der Trainingsvorbereitung stets die Statistik von den letzten drei Spiele der eigenen Mannschaft heranzieht.

Marco Bonitta Trainer ITA Frauen (Quelle: fivb)
 

Mit Hilfe der ermittelten Daten sucht das brasilianische Trainerteam nach den Schwächen ihres Teams, um gezielt daran arbeiten zu können.

NM Frauen BRd 2005 (Quelle: cev)

Dieses Prinzip setzen wir mittlerweile auch bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft konsequent um. Der Trainerstab um Hee Wan Lee analysiert akribisch, was verbessert werden muss, um sich weiter zu entwickeln.

Statistik vor Bauchgefühl – diese Erkenntnis gilt nicht nur für Spitzenteams

Die Meinung vieler Trainer ist, dass das Heranziehen der Statistik nur bei Spitzenmannschaften sinnvoll ist.

Ich denke da anders und bin fest davon überzeugt, dass - wenn auch in vereinfachter Form - viele Mannschaften die Möglichkeiten der elektronischen Datenerhebung nutzen können und sollten.

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Manchmal hat ein Trainer das Gefühl, dass seine Spieler ein bestimmtes Problem haben. Mit Hilfe des Glaubens oder Fühlens, ist die Ursache jedoch nicht sicher zu finden. Die Erfahrung eines Trainers ist wichtig, doch ohne eine objektive Analyse kann es schnell zu falschen Interpretationen bei der Leistung der Mannschaft oder der Spieler kommen.

Zudem kann die subjektive Interpretation des Spiels bei den Spielern zu Irritationen und sogar zu einem Vertrauensverlust führen. Sie haben das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, bekommen aber keine objektiven Kriterien, woran es hapert.

In diesem Beitrag möchte ich nicht erläutern, wie ein Spiel vorbereitet wird, sondern wie mit Hilfe der Analyse der objektiven Daten Probleme gelöst werden können.

Folgende drei Phasen sind aus meiner Sicht die wichtigsten bei der Anwendung der Statistik im Training:

  1. Datenanalyse und Überprüfung

  2. Problemanalyse

  3. Verbesserungsstrategie

Eine wichtige Voraussetzung für die Bestimmung der Trainingsinhalte ist zunächst die objektive Struktur des Spiels im Rally-Point-System. Diese habe ich - mit einigen Bemerkungen versehen - auf der nächsten Seite darstellt.

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