Die richtige Übung finden

- die Anwendung der Statistik im Training -

Alberto Salomoni (Salomonal@aol.com)

Teil 3: Von der Statistik zur Übung
 

Phase eins: Datenanalyse und -überprüfung

Die Diagnose (Analyse) und die Interpretation der objektiven Daten sind die Basis für die Korrektur der Probleme einer Mannschaft. Dadurch können viele Probleme eines Teams erkannt werden. Die Kunst ist es, die Problempunkte herauszuarbeiten.

Mit Hilfe einer Spielanalyse (z.B. DataVolley, SimiSout, Analysebogen per Hand) können alle Spielelemente (Aufschlag, Annahme, Zuspiel, Angriff, Block und Feldabwehr) ausgewertet werden. Wichtig ist aus meiner Sicht, bei der Auswertung des Angriffs die unterschiedlichen Bedingungen zu unterscheiden: Angriffe aus dem K1, dem K2 und dem erweiterten K1.

In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf die beiden wichtigsten Aspekte meiner statistischen Auswertung, um die Daten richtig zu interpretieren und eine Vorgehensweise für das Training zu entwickeln:

  • optimaler Wert: der Wert für die bestmögliche Bewältigung einer Spielsituation (Punktbälle oder perfekte Annahme); je nach Schema: +- oder ++-Wert; sowie

  • die Effektivität einer Spielleistung.

Die optimalen Werte vermitteln uns den technischen Zustand eines Elements bei einem Spieler oder einer Mannschaft. Wenn z.B. der Wert der optimalen Annahme auf internationalem Niveau der Frauen kleiner ist als 45 Prozent, gibt es ein Problem im

Angriffsstatisik der World-League 05 (Quelle: fivb)
 

Technikbereich. Die Ursache könnte bei der Einschätzung der Ballflugkurve aber auch am mangelhaften Einsatz des Spielbretts liegen.

 

Phase zwei: Problemanalyse

Bei der Analyse der statistischen Daten meiner Mannschaft werte nicht alle Spieltechniken mit der gleichen Methode aus. Ich verwende drei Kategorien von Analysen:

  • Aufschlag, Annahme, Angriff und alle Pässe der Spieler, die nicht zum Zuspiel gehören;

  • Block und Feldabwehr;

  • die Pässe des Zuspielers.

In der ersten Gruppe geben die Werte eines Jahres viele Informationen. Es wird klar, woran wir arbeiten müssen, wenn bei einem oder mehreren Elementen zu schwache Werte bestehen.

Bei Block und Feldabwehr ist die Analyse schwieriger. Ein Spieler, der zum Beispiel viele Bälle beim Block touchiert, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen negativen Wert in der Statistik. Das bedeutet aber nicht, dass der Spieler grundsätzlich ein schlechter Blockspieler ist. Die Qualität der Elemente ist oft abhängig von anderen Faktoren. So könnte es durchaus sein, dass der Spieler die Hände zu viel bewegt oder ein schlechtes Timing beim Sprung hat. Möglich ist aber auch, dass er viele Bälle ablenkt, weil er immer überall mit seinen Händen ist. Diese  zweifache Möglichkeit der Auslegung besteht bei der ersten Gruppe nicht. Ähnlich verhält es sich, wenn ich die Feldabwehr bewerte.

Das Zuspiel ist meiner Meinung nach sehr schwierig auszuwerten, weil bei der Analyse der Qualität sehr viele taktische Situationen berücksichtigt werden müssen, die nur der Trainer kennt (und manchmal leider auch nicht).

Neben den Spieltechniken, sollte der Trainer auch auswerten, wie effektiv die Mannschaft in den einzelnen Aufstellungen der Rotation spielt. Dies ist wichtig, weil es für die Entwicklung einer Strategie wichtig ist, zu wissen, in welcher Läuferposition wir punkten bzw. Punkte verlieren.

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