Was ist ein Talent

der Versuch einer Definition

Marco Schmid (URL)

Von vielen Autoren ist der Versuch gemacht worden, den Talentbegriff möglichst treffend zu charakterisieren. Es gibt aber vermutlich eben so viele Definitionen wie Autoren.

Wenn man beispielsweise den Begriff im  Brockhaus nachschlägt, dann gibt dieser unter „Talent“ an:

  1. angeborene Anlage zu guten Leistungen auf einem bestimmten Gebiet

  2. altgriechische Gewichtseinheit (1T. = 60 Minen).

Martin schreibt, dass das Talent das Produkt der Wechselwirkung aus den Faktoren Erb­anlage und Umwelteinflüssen ist. Erblich bedingten Faktoren wird dabei zwar eine grundsätzliche Bedeutung eingeräumt, aber nur unter den Bedingungen, dass erst von außen wirkende Entwicklungsprozesse diese Anlagen entfalten können.

Eine für mich passende und sehr ausführlich Definition gibt Winfried Joch in Das sportliche Talent (S.86):

„Als (sportliches Talent kann eine Person bezeichnet werden, die über (vorwiegend genetisch bedingte) Dispositionen zum Erreichen von hohen sportlichen Leistungen verfügt, die Bereitschaft mitbringt, solche Leistungen auch zu vollbringen, die Mög­lichkeit dafür in der sozialen Umwelt vorfindet und letztlich mit den erzielten Leistungsresultaten den Eignungsnachweis dokumentiert.“ (Joch, S.86)

Zudem beschreibt Joch, dass die Talentdefinition zwei Komponenten beinhaltet, nämlich eine dynamische und eine statische. Beide gehören zusammen und bedingen einander:

„Talent besitzt oder: ein Talent ist, wer auf der Grundlage von Dispositionen, Leistungs­bereitschaft und den Möglichkeiten der realen Lebensumwelt über dem Altersdurchschnitt liegende (möglichst im Wettkampf nachgewiesene) entwicklungs­fähige Leistungsresultate erzielt, die das Ergebnis eines aktiven, pädagogisch begleiteten und intentional durch Training gesteuerten Trainingsprozesses darstellen, der auf ein später zu erreichendes hohes (sportliches) Leistungsniveau zielstrebig ausgerichtet ist“ (Joch, S.90)

Dabei beschreibt die statische Komponente vor allem die genetisch bedingte Möglichkeit, die eine Person auf ihren Lebensweg mitbekommt. Mindestens über dem Durchschnitt liegende Leistungen kennzeichnen ein Talent. Ohne diesen objektiven Leistungsnachweis ist eine Talentbestimmung nicht möglich. Talent ohne Leistung gibt es nicht. Wie im weiteren beschrieben, ist die Leistung aber nicht das einzige Kriterium, auf welches bei der Ausschau nach Talenten geachtet werden sollte.

Die dynamische Komponente verweist auf den Prozesscharakter und auf den Entwicklungsvorgang, welchen ein „angebliches“ Talent durchlaufen muss. Es geht ja schließlich nicht darum, im Jugend- und Juniorenalter ausgezeichnete Leistungen (vielleicht weit über dem Altersdurchschnitt liegende) zu erbringen und dann bis ins Aktivalter zu stagnieren und somit in der Menge zu verschwinden. Wichtig ist die mögliche Endleistung eines Sportlers. Eine Aussage über diese enthält aber einen stark prognostischen Charakter. Prognosen entsprechen nach Seiffert nicht den üblichen Wissenschaftskriterien. Für diese zählen einzig Tatsachen, welche es aber infolge der „Nichtumkehrbarkeit“ des Zeitablaufes nur in der Vergangenheit und Gegenwart, nicht aber in der Zukunft, geben kann! Ein zukünftiger Sachverhalt kann somit nie Gegenstand der Wissenschaft sein. Es wird deshalb wohl auch in Zukunft nicht möglich sein, aufgrund einer aktuellen Jugendleistung auf eine resultierende Erwachsenenleistung zu schließen.

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