Das Kooperative Führungssystem

von Andreas Meusel

Delegation

Beteiligung

Transparenz

Repräsentation 

Kontrolle 

Leistungsbewertung

Literatur

Bei der Führung einer Mannschaft sind eine Fülle von Aufgaben zu bewältigenden. Die Konflikte, die sich im Rahmen der Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft (dazu gehört auch der Trainer) entwickeln können brechen gerade dann hervor, wenn die Gruppe unter Stress gerät. Dies geschieht meist während eines Punktspiels oder in der entscheidenden Phase eines Spiels. 

Um sich in einer wichtigen Spielphase voll auf seine Aufgaben konzentrieren zu können, muss schon im Vorfeld der Spiele und im Umfeld der Mannschaft miteinander gearbeitet werden.

Aspekte der Teamführung

Im Folgenden wird zu dieser Thematik das Kooperative Führungssystem (KFS) mit sechs Leitbegriffen (siehe Grafik) vorgestellt. Es werden Anhaltspunkte genannt: 

  • zum Umgang miteinander und

  • zur Art und Weise der Bewältigung von Aufgaben, die eine Mannschaft im Rahmen des Spielbetriebs und für ihr Umfeld zu leisten hat.

 

Bei der Bezeichnung "Kooperativ" ist das verantwortungsbewusste Umgehen miteinander gemeint.

 

1 Delegation

Im Rahmen des KFS werden Aufgaben, Befugnisse und Verantwortung delegiert. Dadurch wird dem Wunsch nach Selbständigkeit Rechnung getragen. Die Identifikation mit den (Teil-) Zielen der Mannschaft wird gefördert. Es besteht die Möglichkeit sich mit persönlichen Stärken zu engagieren. Jedes Mannschaftsmitglied, dazu gehört auch der Trainer, versteht sich als Teil eines Ganzen.

Beispiel 1:
Zu Beginn der Trainingsphase (Vorbereitung oder Übergangsphase) werden in einer Mannschaftssitzung die kommenden Aufgaben angesprochen und verteilt.

Beispiel 2:
Vor einem Spiel werden die Aufgaben aller Spieler/innen besprochen.

Vorteile konsequenter Delegation:

  • Verminderung zwischenmenschlicher Reibungspunkte

  • Berücksichtigung des Wunsches nach Selbständigkeit

  • Förderung von Eigeninitiative

  • Möglichkeit, selbst Einzelziele zu setzen

  • Identifikation mit einer Teilaufgabe

  • Identifikation mit den gemeinsamen Zielen durch die Transparenz der eigenen Funktion im Gesamtsystem.

 

2 Beteiligung

Die Beteiligung aller Spieler/innen am Zielsetzungs- und Entscheidungsprozess fördert das Engagement bei der Umsetzung der (Teil-) Ziele, da sie grundsätzlich gemeinsam gesetzt wurden. Mögliche Konflikte werden auf den sachlich-intellektuellen Bereich reduziert, da Gegenargumente schon in der Vorbereitung der Trainingsphase berücksichtigt worden sind. Wichtig ist dabei die gegenseitige Anerkennung als Mensch und Fachmann im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Beispiel:
Bei Vorbesprechungen von Trainingsphasen oder Spieltagen legen Trainer und Mannschaft (Teil-) ziele fest.
Auswirkungen der Beteiligung der mitdenkender Spieler am Zielsetzungs- und Entscheidungsprozess:

  • Fördert den Konflikt zur Erreichung guter Ergebnisse

  • Beschränkt den Konflikt auf den sachlichen-intellektuellen Bereich

  • Beugt Konflikten im Spiel / Training vor, da:

    • Gegenargumente bereits berücksichtigt worden sind

    • jeder als Mensch und Fachmann durch die eigene Beteiligung Anerkennung gefunden hat

    • der Spieler die Entscheidungen mitträgt

3 Transparenz

Dadurch, dass die Spieler/innen wissen, warum und unter welchen Umständen Entscheidungen zustande gekommen sind, können sie sich selbst mit den Entscheidungen identifizieren, die scheinbar nicht optimal sind. Missverständnisse und Gerüchte werden auf diese Weise vermieden. Konflikte werden schon im Entstehen besprochen.

Beispiel:
Nachbereitung des letzten Spieltages (frühestens einen Tag danach):

  • Entscheidungen für unvorhergesehene Einwechselungen werden begründet

  • taktische Anweisungen, die nicht vorher besprochen wurden, werden begründet

  • Auswirkungen der Transparenz auf Konflikte:

  • Dadurch dass der Spieler weiß,
    warum und unter welchen Bedingungen eine Entscheidung zustande gekommen ist,
    warum eine ideale Maßnahme nicht getroffen werden konnte,

kann er sich selbst mit scheinbar „nicht-optimalen“ Entscheidungen identifizieren. Missverständnisse und Gerüchte werden so vermieden.

 

4 Repräsentation 

Mannschaft und Trainer repräsentieren gemeinsam die Atmosphäre im Team. Gegenseitige Anerkennung und die Nutzung individueller Stärken im Team geben gegenseitig Halt. Das Vertrauen untereinander fördert den Gruppenzusammenhalt: 1 + 1 = 3.

 

5 Kontrolle 

Kontrolle wird hier verstanden als Soll-Ist-Vergleich der gemeinsam formulierten Ziele. Zielorientierte Kontrolle führt zu zielorientierter Selbstkontrolle. In diesem Zusammenhang ist der Zeitpunkt und die Art der Rückmeldung wichtig. Grundsätzlich gilt:

  • Kritik „unter vier Augen“

  • Lob vor der gesamten Mannschaft

Wer nur Formalitäten kontrolliert, darf sich nicht wundern, wenn die Mitglieder der Mannschaft mit der Zeit nur noch auf die Einhaltung dieser Formalitäten Wert legt. Durch den Soll-Ist-Vergleich der gemeinsam formulierten Ziele sollen Konflikte im Verlauf des Trainingsalltages vermieden werden.

Beispiel 1:
Mit Hilfe der systematischen Spielbeobachtung werden Spielelemente erfasst, deren Verbesserung ein gemeinsames Ziel war.

Beispiel 2:
in einem Gespräch unter vier Augen können soziale Verhaltensweisen besprochen bzw. Konflikte vermieden werden.

 

6 Leistungsbewertung

In diesem zielorientierten System sollten Anerkennung, Kritik und Lob als angemessene Verstärkung empfunden werden. Eine transparente, leistungsgerechte Bewertung verstärkt:

  • die Akzeptanz der Bewertung

  • die Klarheit der Rollenerwartung

  • den Leistungswillen

  • die Akzeptanz der gemeinsamen Ziele

  • das Verständnis für Kontrolle

 

7 Literatur

*ALTMANN/BERNDS: Grundriss der Führungslehre Band1, Verlag Schmidt