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Zweimal pro Satz hat der Trainer die
Gelegenheit das Spiel zu unterbrechen, indem er ein Time-Out
nimmt. Von den Auszeiten erhofft man sich immer einiges, doch
welche Überlegungen und Strategien führen dazu? Während man in der
Literatur etliche Seiten darüber findet, was man in einem Time-Out
sagen oder auch nicht sagen sollte, sind Überlegungen zu den
Strategien kaum zu finden. Dieser Artikel versucht diese Lücke zu
schließen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können und
wollen. Es soll vielmehr der Beitrag und die Ausgangslage zu einem
vertieften Diskurs sein. |

Quelle:
fivb |
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Weiter ist es auch der Versuch das, was viele
Trainer und Trainerinnen aufgrund ihrer Intuition und Erfahrung
„unbewusst“ entscheiden, strukturiert und analytisch „bewusst“ zu
machen. Vorausschicken möchte ich, dass dieser Artikel nur bedingt
für Teams gilt, welchen die technische Auszeit zur Verfügung
steht.
Im folgenden Mind-Map habe ich verschiedene
Strategien zusammengefasst. Die Darstellung hat den Aufbau für den
hier vorliegenden Artikel geliefert.

Beginnen möchte ich die genauere Betrachtung
bei der wohl häufigsten Ausgangslage – dem eigenen Team. Als
ersten Aspekt habe ich „Kondition“ ins Mind-Map geschrieben. Ein
Spiel läuft sehr gut, es entwickelt sich ein wahrer
Schlagabtausch, der langsam zur Entscheidung kommt. Hier kann es
nun sehr entscheidend sein, im richtigen Augenblick für sein Team
eine Auszeit zu beantragen. Die Schwierigkeit ist, dass man dem
Team nicht den Rhythmus bricht, aber auch nicht so lange wartet,
bis die eigenen Spielerinnen wegen der aufkommenden Müdigkeit
beginnen, unnötige Fehler zu machen. Wer aber den richtigen Moment
erwischt, gibt seinem Team die Gelegenheit kurz durchzuschnaufen,
etwas zu trinken und sich wieder zu sammeln, um für den Endspurt
nochmals zulegen zu können.
Der Faktor „Stress“ spielt dann eine Rolle, wenn irgendein
Umstand das Team aus der Konzentration wirft. Das können zwei
Spieler sein, die sich kurzzeitig auf dem Feld in die Haare
geraten, die ich aber nicht auswechseln kann oder will, das können
taktische Unsicherheiten bei der Aufstellung sein oder auch ein
Tapeverband, der unbedingt erneuert oder erweitert werden muss.
TOP |
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Quelle:
fivb
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Der Bereich „Taktik“ ist wohl der größte und
wichtigste. Hierher gehören alle Umstellungen im System, gespielte
Varianten und Spielerwechsel. Es braucht vor allem dann ein
Time-Out, wenn ich als Trainer die Umstellung nicht von der
Seitenlinie aus kommunizieren kann oder will. Für Spielerwechsel
braucht es eigentlich keine Auszeit, es sei denn, man verbindet
ihn mit einer taktischen Veränderung, die man vorgängig in der
Auszeit besprechen oder ankündigen will. |
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Wenn einfach gar nichts läuft, nichts
zusammenpassen will, dann versucht man sein Glück oft mit einer
Auszeit. Es sind die Momente, in denen man als Trainer der
Verzweiflung nahe ist und einen das Gefühl der Machtlosigkeit
überkommt. Wohl bemerkt, aufrüttelnde Worte und taktische
Anweisungen können in solchen Situationen durchaus erfolgreich
sein, doch es gibt auch den Punkt, wo einfach nichts mehr zu
machen ist und man eine schlechte Leistung besser im Anschluss
genau analysiert, als in 30 Sekunden die Welt verändern zu wollen.
Der Punkt „Ereignisse“ umfasst alles, was im
Spiel vorkommen kann, aber nicht volleyballerischer Alltag
darstellt. Vor allem Verletzungen nehmen hier eine wichtige Rolle
ein, nach welchen es darum geht, die Gedanken des Teams wieder auf
das Spiel zu konzentrieren.
Der große Gegenpol zum Fokus auf das eigene
Team ist die auf der andern Seite des Netzes stehende Mannschaft.
Der Gegner kann durchaus Grund sein, eine Auszeit zu beantragen.
Zum einen um ganz einfach den Rhythmus zu stören, einen guten Lauf
zu brechen oder um selber den Tritt wieder finden zu können. Das
Brechen des Rhythmus’ kann je nachdem mit statistischen Daten
ergänzt werden, mit Hilfe einer Rotationsanalyse kann
beispielsweise sehr gezielt vor der besten Rotation des Gegners
eine Auszeit verlangt werden. Das gleiche gilt für
Schlüsselspieler auf ihrer stärksten Position, die man mit einer
Unterbrechung aus dem Konzept zu bringen versucht. Die
Schwierigkeit ins Spiel zu finden kann auch für Ersatzspielerinnen
provozieren, indem sie beispielsweise bereits kurz nach der
Einwechslung für eine Auszeit an die Seitenlinie geschickt werden.
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| Auch die Zuschauer können das
Beantragen einer Auszeit sinnvoll werden lassen. Vor allem dann,
wenn man einer aufkommenden Hexenkessel-Stimmung den Wind aus den
Segeln nehmen will. Ein nicht zu vergessender Aspekt ist auch der
Schiedsrichter. Wenn sich die Spieler mehr auf die Leistung der
Unparteiischen konzentrieren und diese eventuell auch laufend
bemängeln, dann ist eine Auszeit angesagt, in der sich die Gemüter
beruhigen können und danach die Konzentration wieder voll aufs
Spiel gerichtet wird. |

Quelle:
fivb |
Es wird ihnen beim Lesen vielleicht dann und wann
durch den Kopf gegangen sein: Die verschiedenen Bereiche lassen sich
doch nicht so strikte trennen! Da bin ich ganz einverstanden. Ist mein
Team schwach, weil der Gegner so gut ist? Nehme ich eine Auszeit wegen
dem eigenen Team oder wegen dem Gegner? Lässt sich mein Team von
Schiedsrichterentscheiden ablenken, weil einfach nichts zusammenpassen
will oder sich vorher eine Schlüsselspielerin verletzt hat? Ändere ich
meine Taktik wegen eines Spielers des Gegners oder weil mein Zuspieler
einfach nicht seinen besten Tag? Das sind sehr komplexe und spannende
Fragen, die sich nicht immer ganz klar beantworten lassen, wie es das
Mind-Map vielleicht suggeriert. Und dennoch lohnt es sich meiner
Meinung nach, die eigenen Strategien von Zeit zu Zeit genau unter die
Lupe zu nehmen und möglichst rational zu analysieren. Die Übersicht
kann dazu eine wertvolle Hilfe sein und neue Erkenntnisse und
Sichtweisen ermöglichen.
Doch
bei aller Analyse wird es die Intuition und das „Gespür für den
Augenblick“ eines erfahrenen Trainers nie ersetzen können und soll es
auch nicht! Es gibt auch keine konkreten Handlungsanleitungen, was
denn in den Auszeiten je nach Situation gesagt werden soll. Muss es
auch nicht, denn davon wird in der nächsten Ausgabe die Rede sein! |