Kleine Trainingsdidaktik

Simon Muff

Trainingsziel und Akzente Einlaufen Hauptteil
Dieses Dieses Manuskript soll dir bei der Vorbereitung deiner Trainings helfen. Es ist als Hilfsinstrumentarium zum Trainings-Vorbereitungsblock der SUVA gedacht. Ich habe versucht, das Wichtigste hier kurz zusammenzufassen, sehr leicht hätte man aber Seite um Seite füllen können. Die Selektion ist daher ein Kompromiss, der nicht um eine subjektive Komponente herum kommt. Ich hoffe, dass dir die folgenden Zeilen bei der nächsten Trainingsvorbereitung behilflich sein werden - und jetzt geht's Kopf voran hinein in die Thematik der Trainingsdidaktik. Mit dem Jugendkomitee des VBC Willisau bist du nämlich "mittendrin statt nur dabei!".

Ouvertüre

"Trainer, sei tolerant, bleibe offen. Es gibt nicht die Wahrheit - jeder muss die seine definieren, sich immer wieder neu orientieren und Meinungen anderer gelten lassen."

1. Trainingsziel und Akzente

Als erstes bei der Trainingsvorbereitung gilt es den Kasten "Trainingsziel und Akzente" auszufüllen. Es ist sehr wichtig, dass man eine Grobplanung der Saison zu Beginn erstellt. Diese umfasst im folgende Schritte:

Durchführen und Auswerten:

Analyse

  • Leistungsbereitschaft

  • Niveau

  • Infrastruktur

Ziele

  • Rang

  • Taktik

  • Technik/Kondition

  • Mental

  • Soziale Ziele

Planung

  • langfristig

  • jährlich

  • Monate

  • Woche

  • Training

  • Übung

Ist diese Planung einmal gemacht, hat man während dem ganzen Jahr immer einen Anhaltspunkt, wo man sich bezüglich der Trainingsinhalte befindet oder befinden sollte.

Es gilt der Grundsatz:

"Je besser man plant, je besser kann man verändern!"

Hat man die Trainingsziele definiert, gilt es nun dasselbe auch für die Akzente zu tun. Akzente sind die Hauptsachen, die man trainieren und im Training dann auch korrigieren will. Es ist ratsam, so wenig Akzente wie möglich zu setzen, weil man sich sonst sehr schnell in einem unkonstruktiven Kritikgewitter verliert.

Beispiel: Trainingsziel "Abnahme stabilisieren", Akzent: "Abstimmung zwischen Position 5 und 6 bei Annahme im Viererriegel"

Ich könnte aber noch viele andere Akzente setzen wie zum Beispiel die Verschiebung zum Ball in der Annahme, die Beobachtung des gegnerischen Servicespielers, den Wechsel von der Vierer- zur Dreier- bzw. Zweierannahme usw..

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Man könnte auch mehrere Trainingsziele festlegen und diese in ein Training zu zwängen versuchen. Was ich damit zeigen will ist, dass man sich auf einen Schwerpunkt festlegen sollte. Hier gilt der Grundsatz:

"Qualität vor Quantität"

Lieber nur einen Akzent und diesen konsequent trainieren, anstatt mehrere und diese nur halbherzig. Während dem Training sollte jede Übung den gleichen oder einen ähnlichen Akzent haben. Der Akzent bestimmt, was man in einer bestimmten Situation besonders gut machen soll.

 

2. Einlaufen

Das Einlaufen dient dazu, die Körpertemperatur und die damit verbundenen physiologischen Vorgänge auf ein optimales Niveau zu bringen. Für das Einlaufen ist folgenden zu beachten:

  • "Je jünger die Teilnehmer, desto kürzer das Einlaufen"

  • "Je kälter die Außentemperatur, desto länger das Einlaufen"

Es ist auch sehr wichtig, dass alle Spieler sich aktiv am Einlaufen beteiligen. Die Form sollte zwingend so gewählt werden, ist letztlich aber mannschaftsabhängig. Die koordinativen Fähigkeiten (reagieren, orientieren, rhythmisieren, differenzieren und Gleichgewicht) sollten gegenüber den Konditionellen Fähigkeiten (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit) beim Einlaufen prioritär behandelt werden.

Beim Begriff "Dehnen" scheiden sich die Geister fast wie die Milch von Wasser.  Meine Empfehlung ist: Dehnen gehört in jedes Training, vor allem am Ende. Ich bin aber auch der Meinung, dass es am Anfang seinen Platz hat und zwar in der kurzen (10 Sekunden) aktiven statischen Form. Hier gilt der folgende Grundsatz:

"Die muskuläre Dysbalance hat man schneller, als man sie auskurieren kann!"

Zur Vermeidung von muskulären Dysbalancen und Verletzungen trägt auch ein starke Muskulatur bei. Kräftigungsübungen am Anfang gehören bereits im Minivolleyalter ins Programm. Klar ist, dass die Intensität der Übungen mit dem Alter zunimmt.

"Ohne gut ausgebildete Rumpfmuskulatur kommt man in keiner Sportart zu wirklich großen Ehren!"

Zum Punkt "Spezifische Verschiebungen, Bewegungen (ohne Ball)" ist zu sagen, dass ein Linienlauf einen gestrechten Muskel wieder in einen optimalen Spannungszustand bringt und zugleich können auch die Konditionsfaktoren Kraft und Schnelligkeit gut trainiert werden.

"Volleyball spielen lernen heißt unzählige variable Bewegungsschemen entwickeln, die den ständigen Veränderungen der Umgebung (Raum und Zeit) angepasst werden müssen"

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3. Hauptteil

Kommen wir nun zum Hauptteil, dem Herzstück eines jeden Trainings. In der Trainingslehre unterscheidet man folgende Übungstypen

  • Laborübung: Eine Situation wird aufs Äußerste vereinfacht, die Übung oft wiederholt.

  • Anwendungsübung: Eine Laborübung wird schrittweise zur spielnahen Übung ausgebaut

  • Situationsübung: 1:1 zum Wettkampf

  • Taktische Übung: Eine vollständige Mannschaft macht eine Übung in Hinblick auf den Wettkampf

Zum Aufbau des Trainings gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

3.1 G - A - G

Global analytisch global versteckt sich hinter der Abkürzung GAG. Gemeint ist, dass man zu Beginn zum Beispiel eine Situationsübung macht, um dann ein kleines Element aus dieser globalen, großen Sache herauszunehmen. Dieses kleine Element wird dann in einer Laborübung trainiert. Am Ende setz man das trainierte Stück wieder in die ursprünglich große Übung ein. Diese sollte nun besser funktionieren.

Ein Beispiel: Ich trainiere den Komplex 1, also Service-Annahme-Angriffsauslösung. Ich merke, dass zu viele Servicefehler passieren, weil viele Spieler den Ball immer noch falsch aufwerfen. Ich baue eine Laborübung ein, in welcher ich das Aufwerfen des Balles und das richtige Treffen mit der Hand auf den Ball trainiere. Danach führe ich wieder die große Übung durch und wenn meine Korrekturen gut waren, dann klappt die Übung jetzt besser.

3.2 Die Pyramidenvariante

Ich beginne mit einer leichten Übung, die ich aber beliebig schwierig variieren kann.

Folgende Punkte sollte man sich vor dem Durchführen einer Übung überlegen und auch in die Vorbereitungen schreiben:

  • A = Akzent: Was will ich genau trainieren bzw. korrigieren

  • V = Variante: Wie könnte ich diese Übung variieren

  • EK = Erfolgkriterium: Was muss erfüllt sein, dass die Übung gut bzw. erfolgreich ist

  • Z = Ziel: Was ist das Ziel der Übung

  • ! = Achtung: Wo müssen ich oder die Spieler besonders aufpassen

Korrekturverhalten:

  • Korrigiere nicht, wenn du einen Fehler bei einem Spieler das erste Mal siehst

  • Beginne die Korrektur immer von unten nach oben (Fußarbeit vor Armarbeit)

  • Korrigiere wenn möglich nicht einen Spieler vor der ganzen Mannschaft

  • Korrigiere den Akzent, den Rest hole in einem nächsten Training nach

Nun schon bald am Ende des Trainings angekommen, sollte man einen ruhigen Ausklang, auch Cool down genannt in Betracht ziehen. Damit allfällige Milchsäure im Blut besser oder schneller abgebaut werden kann und damit sich verspannte Muskeln wieder entspannen können, sollten die Spieler die Möglichkeit haben, etwa zehn Minuten auszulaufen bzw. auszudehnen. Ruhige Musik wird dazu oft sehr geschätzt.

Am Ende ist es wichtig, dass man die Mannschaft mit den wichtigen Infos beliefert. Ein guter Informationenfluss hat schon manch wüstes Streitgespräch im Vornherein aus dem Weg geräumt. Wichtig ist auch, dass die Spieler ihre Meinung zum Training abgeben können, dieses Recht steht natürlich auch dem Trainer zu. Vor jedem Training sollte man die Trainingsziele und die Akzente dem Team mitteilen, um dann am Schluss auch eine gute und sinnvolle Evaluation machen zu können.

Jetzt bin ich am Ende meiner Ausführungen und hoffe, dass ich mich klar und verständlich ausgedrückt habe und dir mit diesem Manuskript eine Hilfestellung für die Vorbereitung des nächsten Trainings bieten kann! Als Letztes sei hier noch mal ein Grundsatz erwähnt, dessen Wahrheit wir Trainer wohl immer wieder neu erfahren müssen.

"Der Trainer ist ein Schüler – sein Leben lang!"

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