Ein Vergleich der Trainingsmethoden

UDSSR - BR Deutschland

Marina Cukseeva

1 Allgemeine Unterschiede

1.1 Situation in der Sowjetunion

Anders als in der Bundesrepublik spielte man in den Mannschaften der höchsten und ersten Liga der UdSSR, vergleichbar mit der ersten und zweiten Bundesliga, mit einem festen Kader. Finanzielle Probleme gab es für die Mannschaften nicht, denn alle Spieler waren offiziell berufstätig und wurden entsprechend bezahlt.

Die jungen Talente fand man in der Regel bei dem höchsten Wettkampf der Schüler, der Schülerspartakiade, die alle zwei Jahre stattfand. Hier suchten die Trainer der höchsten und ersten Liga die jungen Talente, die in der Regel in einem

Sokolowa im Angiff (Quelle: FIVB)

Bild: FIVB

Alter zwischen 16 und 18 Jahren waren. War ein Spieler für die Mannschaft interessant, wurde er angeworben und verpflichtet.

Gehörte er erst einmal zu einer Mannschaft, die häufig aus 20 – 30 Spielern bestand, konnte er zwar wieder mit dem Sport aufhören, aber ein Wechsel war nicht mehr möglich. Das heißt, ein Spieler verbrachte seine gesamte sportliche Laufbahn bei dieser Mannschaft und beendete dort auch seine Karriere.

Jede Mannschaft spielte so über Jahre weitestgehend mit den gleichen Spielern, einen Wechsel gab es praktisch nur durch das Verlassen der älteren Spieler und durch das Nachrücken junger Talente. Wobei es sich bei den älteren Spielern in der Regel, im Unterschied zu hier, um Spieler in einem Alter von 23, höchsten 25 Jahren handelte.

Auch ein Trainer verbrachte seine sportliche Laufbahn bei „seiner“ Mannschaft.

Bedingt dadurch, dass es keine Wechsel in der Mannschaft gab, wurde ein junger Spieler über Jahre vorbereitet und konnte somit optimal für das eigene Spielsystem ausgebildet werden. Man war allgemein der Meinung, dass ein Spieler nach circa zwei Jahren gemeinsamen Trainings und gemeinsamer Spiele seine beste Form erreichen konnte.

Da es weder bei den Spielern noch bei den Trainern Wechsel zwischen den Mannschaften gab, trug jede Mannschaft ihre eigene Handschrift bzw. entwickelt über Jahrzehnte ihren eigenen Stil.

 

1.2 Situation in der Bundesrepublik

In Deutschland gibt es dazu im Unterschied zur Sowjetunion in jeder Saison irgendwelche Wechsel. Das trifft in erster Linie auf die Spieler zu, die ja meistens zeitlich begrenzte Verträge haben, betrifft aber auch die Trainer, da auch sie häufig die Mannschaft wechseln.

Die Wechsel richten sich hier natürlich im Wesentlichen nach „Angebot und Nachfrage“ und den jeweiligen Budgets der Vereine, deren Höhe doch sehr unterschiedlich ist.

So starten viele Vereine mit einem mehr oder weniger veränderten, ja manchmal sogar mit einem ganz neuen Kader in eine Saison. Das hat zur Folge, dass zu Beginn einer Saison immer wieder ein neues Spielsystem, abgestimmt auf die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Spieler, gefunden werden muss.

Erst ca. ein bis zwei Monate vor Saisonbeginn ist die Mannschaft komplett. In dieser Zeit, bis zum Saisonstart, müssen sich die Spieler kennen lernen, sich aneinander gewöhnen, sowohl psychisch als auch spielerisch.

Es treffen fertig ausgebildete Spieler mit ganz eigenen Erfahrungen, unterschiedlichen Meinungen und auch Spielweisen aufeinander. So dauert es dann demzufolge oft Monate, bis eine Mannschaft sich gefunden hat und man die Abstimmung in den unterschiedlichsten Spielsituationen gefunden hat.

Es kann lange dauern, bis zum Beispiel ein Angreifer den für ihn „bequemen“ Pass vom Zuspieler bekommt. Der Zuspieler muss erst die speziellen Fähigkeiten und das Können aller seiner Angreifer kennen lernen, um dann auch seine eigene Spieltaktik zu zeigen und gemeinsam weiterentwickeln zu können.

Auch die Block-, Abwehr- und Annahmespieler müssen sich auf die neuen Spieler bzw. neue Mannschaft und deren Spielsystem einstellen. Aus diesen Gründen kann eine Mannschaft seine Spielstärke gegebenenfalls erst nach mehreren Monaten erreichen.

 

1.3 Beurteilung

Einerseits hat das System mit einem festen Kader über Jahre zu spielen den Vorteil, dass, wenn der Kader gut ist, die Mannschaft über Jahre ihr hohes Niveau halten kann. Andererseits kann das natürlich auch den Nachteil haben, dass eine schlechte Mannschaft über Jahre nicht über die Möglichkeit verfügt, ihr Niveau anzuheben, da man ja nicht in der Lage ist, durch neue Spieler und deren Einflüsse das Niveau zu steigen. Das führt dazu, dass die Qualität einer Mannschaft, ob gut oder schlecht, sich gegebenenfalls selbst über Jahre und Jahrzehnte nicht ändert.

Bei einer sich häufig ändernden Mannschaft hat man dagegen den Nachteil, dass eine Mannschaft aus den schon genannten Gründen ihre Spielstärke erst Monate nach Saisonbeginn erreichen kann. Das System hat aber wiederum den großen Vorteil, dass man durch Austausch sowohl der Spieler als auch des Trainers auf Schwächen in der Mannschaft reagieren kann. Das versetzt eine Mannschaft in die Lage, das Niveau bis zur nächsten Saison durch Einkauf der passenden Spieler sehr stark zu heben, vorausgesetzt die finanziellen Mittel des Vereins lassen positive Veränderungen zu, da bessere Spieler in der Regel ja auch teurer sind.

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