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Im letzten Artikel bin ich der Frage auf den
Grund gegangen, aus welchen Gründen ein Time-Out notwendig werden
kann. Ist die Auszeit beantragt und die Spieler stehen schwitzend
und schnaufend um einen, dann beginnt die Herausforderung die 30
Sekunden möglichst effizient zu nutzen. Was man in der kurzen Zeit
tun oder eben nicht tun sollte, davon soll der hier vorliegende
Artikel handeln.
In seinem Buch „Erfolgreiches Teamcoaching“
macht Lothar Linz einen sehr interessanten Vorschlag. Er
formuliert „10 goldene Regeln des gehirngerechten Coachings“. |

Quelle:
cev |
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Die Punkte überzeugen, ich werde mich an
ihnen orientieren und sie im Kontext „Volleyball“ einbetten und
ergänzen. Als ersten Punkt führt er an: „Bei Stress die
Aufnahmefähigkeit der Spieler durch ausreichende Entspannung
gewährleisten.“ In 30 Sekunden gar nicht so einfach ist man
geneigt zu entgegnen. Die praktische Umsetzung könnte aber so
aussehen, dass man die Spieler erst etwas trinken, etwas
verschnaufen und den Puls ruhiger werden lässt, bevor man etwas
sagt. Was für die Spieler gut ist, kann auch für den Coach sehr
hilfreich sein, weil dieser ja an der Seitenlinie auch oft sehr
angespannt ist und in einem ersten Moment sich etwas entspannen
muss. Als zweiten Punkt nennt Linz „Möglichst viele verschiedene
Sinne ansprechen“. In der Schule kennt man dieses Prinzip unter
dem Stichwort des „mehrkanaligen Lernens“. Die praktische
Umsetzung kann darin bestehen, dass Gesprochenes mit einer
Zeichnung unterstützt wird oder dass Gesten vorgeführt werden.
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Quelle:
fivb
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Am Schluss einer Auszeit wird in der Regel
ein Schlachtruf gesprochen, bei dem sich die Hände der Spieler
berühren. Hier bringt die Berührung den Zusammenhalt zum Ausdruck,
auch das physisch „sich nahe Sein“ hat diesen Effekt. Man kann ihn
noch verstärken, wenn sich beispielsweise die Spieler die Arme auf
die Schultern legen und so einen Kreis bilden. Es wird hier der
Tastsinn angesprochen.
Weiter nennt Linz den Punkt „Rational und (!)
emotional coachen“. Diese Regel geht in eine ähnliche Richtung wie
die vorherige. |
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Das Gehirn hat zwei Hälften und beide sollen
angesprochen werden, zumal die Spieler sehr unterschiedlich denken
und wahrnehmen. Das Rationale soll neben dem Emotionalen stehen
und für den Coach besteht die Herausforderung wohl am meisten
darin, die Seite nicht zu vernachlässigen, die ihm selber weniger
liegt. Machen sie sich in einer ruhigen Minute mal Gedanken,
welcher Seite sie eher entsprechen. Dazu kann man sich auch ein
Feedback von den Spielern holen oder das eigene Coaching mit einem
Aufnahmegerät während einer gewissen Zeit systematisch
aufzeichnen. Als vierten Punkt nennt Linz „Die Informationsmenge
beschränken“. Ein äußerst evidenter Punkt, denn in
Stresssituationen verringert sich die Aufnahmefähigkeit und wenn
ich dann meine Spieler noch mit Informationen voll stopfe,
erreiche ich gar nichts. Auch ohne Stress bilden Zeit und
Gedächtnispsychologie die limitierenden Faktoren für die
Informationsvergabe.
Linz lässt diese Erkenntnisse in den
folgenden Punkten einfließen: „Informationen bündeln und markante
Punkte wiederholen“, „einfache Sprachformeln finden (diese sind
bei Stress leichter zu verarbeiten)“ und „einfache und konkrete
Handlungsaufträge“. Ich glaube diese drei Punkte lassen sich auch
mit der „KKK-Formel“ zusammenfassen. Es soll kurz, klar und
konstruktiv gesprochen werden. Zeit und Aufnahmefähigkeit
verunmöglichen darüber hinaus gehende Bemühungen. Zu den
Sprachformeln wären Metaphern zu ergänzen. Bilder wie
„Spinnennetz“, „Hufeisen“ und „Lagerfeuer“ sind für die Spieler
gute Stützen, wenn es zum Beispiel ums Angriffsspiel geht. Das
Spinnennetz ist in der Mitte am dichtesten. Manchmal soll der Ball
um keinen Preis in der Mitte des gegnerischen Feldes platziert
werden. Ganz anders die Vorstellung des Lagerfeuers. Alle sitzen
rundherum und wärmen sich die Hände, niemand schickt sich aber an,
in die Mitte gespielte Bälle zu verteidigen. Das Hufeisen ist dort
am stärksten, wo seine Nägel eingeschlagen sind. Hier geht es um
die Vorstellung, quasi um diese Nägel herum zu spielen.
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| Egal ob Bilder oder Sprachformeln, es
lohnt sich mit Dingen zu arbeiten, welche die Spieler aus dem
Training bereits kennen und einordnen können. Das Abrufen von
Vorwissen ist viel effizienter als neues in 30 Sekunden erklären
zu wollen. Die Qualität eines Teams kann zum einen in der Menge
von Wissen bestehen, das im Wettkampf abgerufen und umgesetzt
werden kann oder aber, dass wenig Wissen fast bis zur Perfektion
beherrscht wird und das Team darin seinen großen Trumpf hat.
„Aufmerksamkeitsbindung über Blickkontakt und Namensnennung“ nennt
Linz als weiteren Punkt. |

Quelle:
fivb |
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Die Situation kennen wohl alle von der
Schule, Fortbildungskursen oder auch ersten Trainings mit neuen
Trainern – der Namen ist ein ganz wichtiges Instrument im Umgang
mit Menschen. Wenn ich jemanden den Namen sagen kann, hat das zum
einen viel mit Respekt gegenüber der Person zu tun, denn ich nehme
sie als Individuum wahr und nicht einfach als Element X in der
Menge aller „Du’s“ oder „Sie’s“ und zum andern erreiche ich eine
Person ganz einfach schneller. Die Informationen können direkter
weitergegeben werden, zumal der Adressat auch eindeutig definiert
ist. Der Blickkontakt ist sehr entscheidend, weil bei der
Kommunikation nur etwa zehn Prozent über die tatsächlich gesagten
Worte stattfindet, die restlichen 90 Prozent laufen über Gestik,
Mimik, Intonation usw. ab. Man stelle sich vor, ein Coach müsst
von einer dünnen Pappwand von seinem Team getrennt Anweisungen
geben – unvorstellbar. Augenkontakt ist in der
face-to-face-Kommunikation sehr entscheidend. Dort wo er bei den
modernen Kommunikationsmitteln fehlt, sind viele
Kompensationselemente zu erkennen, das wäre aber Thema eines
andern Artikels.
Mit „Nur ‚positive’ Formulierungen verwenden“
beschreibt Linz wohl eine der schwierigsten Herausforderungen.
Einfach gesagt geht es hier darum, den Spielern zu sagen, was sie
tun sollen und nicht, was sie nicht tun sollen. Wenn ich also
meinen Spielern sage: „Im zweiten Satz dürft ihr keinen Ball mehr
in den Block schlagen!“, so ist das eine klare negative
Handlungsanweisung. Es wird mit Nachdruck erwähnt, was auf keinen
Fall passieren darf. Man darf sich nicht wundern, wenn die Spieler
genau das nicht wie gewünscht umsetzen und viele Bälle im
gegnerischen Block hängen bleiben. Um den Spieß nun aber
umzudrehen, könnte der Coach sagen: „Versucht den Block auf der
Linie zu umgehen.“ oder „Versucht mehr Lobs über den Block zu
spielen“ oder „Der Spieler auf der Position 2 ist der schwächste
Blockspieler. Darauf fokussieren wir unser Angriffsspiel“. Diese
Beispiele zeigen, wie man den Spielern sehr wohl konkrete
Handlungsanweisungen geben kann, aber sie sollen auf eine positiv
zu lösende Aufgabe konzentriert sein. Negative Anweisungen
blockieren, machen Angst und lenken die Aufmerksamkeit auf den
Fehler. Gerade in Stresssituationen kann sich das fatal auswirken.
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Quelle:
fivb |
Als letzten Punkt nennt Linz „Überbetonungen
vermeiden“. Er spricht damit das Problem der Steigerung an. Als
Coach läuft man in Gefahr, dass die Spieler abschalten, weil sie
wissen, dass man jeden Punkt sowieso mehrmals wiederholt und in
mehreren Anläufen immer das Gleiche sagt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man
sich als Coach der limitierenden Faktoren Zeit und
Informationsmenge gut bewusst sein muss. Weiter verschafft man
sich mit Bestimmtheit einen Vorteil, wenn man die Präferenzen der
Spieler kennt und weiß, auf welchem Kanal sie Informationen
bevorzugt aufnehmen. Ausgehend vom Zitat „Energie folgt der
Aufmerksamkeit“ lässt sich der positive Inhalt von Anweisungen
unterstreichen. Positiv zu erfüllende Anweisungen sollen dem
Spieler helfen, sich im Spiel zurechtzufinden und nicht Mahnfinger
und Verbote. |
Zu guter Letzt bleibt aber auch zu sagen, was ich
bereits im letzten Artikel angesprochen habe. Die zehn Punkte von
Lothar Linz bilden eine gute Grundlage für die Analyse des eigenen
Verhaltens. Nur noch mit diesen Punkten und einem Schema im Kopf zu
coachen wäre aber des Guten zuviel getan. Intuition und das Gespür für
den Augenblick werden auch weiterhin einen nicht unwesentlichen Teil
in der Arbeit eines Coachs ausmachen.
Zum Abschluss ein Zitat, über welches sich das
Nachdenken lohnt. In meiner Trainerausbildung wurde von einem Experten
einmal die Aussage gemacht: „Diejenigen Trainer, die in den Auszeiten
und zwischen den Sätzen ausrasten, ihre Spieler beschimpfen und
dauernd unzufrieden die Hände verwerfen, haben im Trainingsalltag
ungenügend gearbeitet.“
Literatur: Linz, Lothar: Erfolgreiches
Teamcoaching. Ein sportpsychologisches Handbuch für Trainer. Aachen.
2004. |