|
Wechselspieler
- Physische und psychische Aktivierung von Wechselspielern während des
Wettkampfes -
Christian
Zeyfang
Auswechselspieler?
Ersatzspieler? Reservisten? Bankdrücker? Ergänzungsspieler? Das Image
derjenigen Spieler, die nicht von Beginn an auf dem Feld stehen ist eher
schlecht. Schließlich möchte jeder spielen, jeder am Wettkampftag das in
der Woche Erlernte und Geübte auf dem Spielfeld zeigen. Wettkampf ist die
Aufführung, darauf arbeiten alle hin. Und wer möchte schon gerne hinter
dem Vorhang stehen?
Dabei hat der Trainer im
Volleyball sechsmal pro Satz die Chance, das Spiel durch einen Wechsel zu
beeinflussen. Sechsmal also auch die Chance für Wechselspieler, sich
anzubieten. Wechselspieler scheint mir sowieso die günstigste Bezeichnung
für den „zweiten Sechser“ zu sein. Mit der Veränderung der Formation soll
etwas geändert werden, das Spiel soll einen Wechsel erfahren. Somit hat
der Wechselspieler einen großen Anteil an der gesamten „Aufführung
Wettkampf“.
Doch warum soll der Trainer
überhaupt wechseln, wenn er sich für die (angeblich) erfolgsversprechende
Besetzung entschieden hat? Ein Spieler kann sich verletzen, oder muss
wegen physischer Erschöpfung ausgewechselt werden. Spieler, die mit ihrer
Aufgabe überfordert sind und eine zu hohe Fehlerquote werden
ausgewechselt. Ein Wechsel kann ein Versuch sein, den Rhythmus des Spieles
zu ändern (dabei bietet sich vor allem der Zuspielerwechsel an). Der
Trainer versucht mit einem Wechsel die Atmosphäre auf dem Spielfeld zu
ändern – ein Spieler soll „Betrieb machen“ oder Ruhe in das Spiel bringen.
Ein Wechsel kann taktische Gründe haben (wie den Gegner aus dem Spielfluss
zu bringen, der eigenen Mannschaft eine weitere Auszeit zu verschaffen)
oder der eingewechselte Spieler hat besondere taktische Aufgaben (wie der
Blockspezialist, ein sicherer und erfolgreicher Sprungaufschläger o.ä.).
TOP
Es gibt sicher noch weitere
Gründe, doch jetzt interessiert uns:
|
Wie erreicht der
einzuwechselnde Spieler eine optimale Wettkampfbereitschaft im Moment
des Wechsels?
Wir gehen von der
Erwartung der meisten Trainer aus: Im Moment des Wechsels soll der
neue Spieler sich sofort in seiner Aufgabe auf dem Spielfeld
zurechtfinden, technisch und athletisch seine Leistung abrufen können,
sich in die Mannschaft mit seinen speziellen Stärken integrieren
können. Daraus ergeben sich folgende Fragen:
Wo sollen sich die
Wechselspieler befinden?
Was können die
Wechselspieler tun
-
kognitiv?
-
physisch?
-
sozial/psychisch?
sowie
-
während des Spiels?
-
während der Auszeit?
-
während der
Satzpausen?
Standort der
Wechselspieler
Die Wechselzone ist der
Standort, worin die Spieler, die nicht auf dem Spielfeld stehen die
beste Möglichkeit haben dem Spiel zu folgen und gleichzeitig die
eigene Spannung körperlich aufrecht zu halten. Dies sollte sich m. M.
nach auch in den unteren Spielklassen durchsetzen. Aus der Wechselzone
kann der spielende Sechser angefeuert und unterstützt werden, sitzende
Wechselspieler wirken doch mehr unbeteiligt (...sogar der Trainer
läuft ja inzwischen die ganze Zeit umher!). Angeschlagene Spieler
dürfen auf die Bank, ebenso wie diejenigen, die vom Trainer
Anweisungen erhalten ( - die aber anschließend wieder in der
Wechselzone auf ihren Einsatz warten.)
Möglichkeiten zur
physischen Aktivierung und Spannungserhaltung
1. Während des
Spiels
-
Kräftigungsübungen: Dabei sollten die Muskelgruppen stets kurz
(maximal zehn bis zwanzig Sekunden) und dynamisch belastet werden,
Halteübungen sollten vermieden werden. Die Bauch- und
Rückenmuskulatur (Übungen könne im Liegen durchgeführt werden:
Situps, Unterarmliegstütz vorwärts und seitlich, allgemeine
Spannungsübungen) aber auch Bein- und Armmuskulatur (Kniebeugen
beid- und einbeinig, Wadendips beid- und einbeinig, Liegstütz in
allen Variationen usw.) sollten auf diese Weise belastet werden.
Dabei können durchaus Hilfsmittel wie Therabänder eingesetzt werden,
um somit – z. B. für Arme und Beine – einen Widerstand zu erzeugen,
gegen den dann der Muskel arbeiten muss.
|
Wechselspieler haben
– je nach Leistungsniveau – unterschiedliche Aufgaben:
Oberer
Leistungsbereich (International, Erste und teilweise Zweite
Bundesliga):
Was zählt ist der Erfolg. Nicht selten wird eine Saison mit 7 bis
8 Spielern durchgespielt, Wechsel werden nur bei Verletzungen oder zur
Erholung des ersten Sechsers durchgeführt. Jugendliche Spieler
bekommen ab und zu die Chance hinein zu schnuppern. Der Wechselspieler
muss trotz längerer Zeiten ohne Spielpraxis immer in optimaler
Wettkampfbereitschaft sein. Noch mehr als in den anderen
Leistungsbereichen muss die Chance – wenn sie geboten wird – genutzt
werden.
Mittlerer Leistungsbereich (je nach Einstellung der Mannschaft
dritte bis fünfte/sechste Liga):
Natürlich möchten auch diese Mannschaften gewinnen. Trotzdem
bekommen Faktoren, die außerhalb des Volleyballs liegen mehr
Bedeutung. So können Spieler nicht regelmäßig trainieren, zählen aber
trotzdem zu den Stützen der Mannschaft, Wechsel müssen demnach auch
immer wieder motivationale Funktion übernehmen. Zum Teil hat eine
Mannschaft zwei Spiele hintereinander und kann die Einsätze
dementsprechend verteilen.
Unterer Leistungsbereich / Hobbysport:
In diesen Bereich fallen die Mannschaften, bei denen Wechsel die
Funktion eines gleichmäßigen Verteilens von Spielanteilen hat. Wechsel
sind somit immer vorhersehbar und die betroffenen Spieler können sich
weitgehend unproblematisch darauf vorbereiten.
Kinder- und Jugendvolleyball:
Ein besonderer Aspekt ist das Erlernen des Volleyballspieles. Zum
einen sollen die Kinder und Jugendlichen möglichst viel spielen, zum
anderen (vor allem im Spitzenbereich) müssen sie auch lernen, sich
gegen Konkurrenz durchzusetzen und sich gegebenenfalls von der Bank
zurück auf das Spielfeld zu kämpfen. Genauso sollten jedoch die
Notwendigkeit und vielfältigen Möglichkeiten des Wechselspielers für
die gesamte Mannschaftsleistung (s.o.) erlernt werden |
-
Dehnübungen: Zu bevorzugen ist das aktive Dehnen, d.h. der Muskel sollte
nie lang in einer Position gehalten sondern sanft und kontrolliert in
eine Position geführt und dort eventuell leicht gefedert werden. Vor
allem für die großen Muskeln (untere Extremitäten, Arme, seitliche
Dehnung für den Rumpf, Brustmuskel) sollte auf diese Weise eine
Grunddehnung erhalten bleiben.
-
Mobilisationsübungen / Aktivierung: Schulterkreisen, Armkreisen,
Rumpfkreisen, Fingerübungen, leichte Sprünge auf einem / beiden Beinen
usw.. Aufwendigere Aktivierungszyklen sind besser während der Auszeiten
durchzuführen.
TOP
2. Während der
Auszeiten
Die Auszeit bietet die Möglichkeit, den Raum hinter dem
Spielfeld zur Aktivierung zu nutzen. Dabei bieten sich Elemente der
Laufschule an: vorwärts, rückwärts, seitwärts laufen, Überkreuzschritte,
Hopserlauf, Kniehebelauf, Skippings, kurze Antritte, beidbeinige
Schlusssprünge, „Skifahren“ (seitliche Hopser) u.ä. Ein Spieler kurz vor
einer Einwechselung sollte sich dabei mit einer höheren Intensität
aktivieren. Nach ein paar Läufen können die Spieler auch noch an dem
letzten Teil der Besprechung teilnehmen (s. a. soziale Aufgaben).
3. Während der
Satzpause
Oft können während der Satzpause Bälle genutzt werden.
Dies sollte auch geschehen, wobei jeder Spieler entsprechend seiner
voraussichtlichen Schwerpunkte gefordert werden muss: ein Zuspieler sollte
viel Bälle im Oberen Zuspiel spielen, ein Abwehrspezialist kann mit
variablen Abwehrschlägen auf seine Aufgabe vorbereitet werden usw.
Möglichkeiten zur
kognitiven Teilnahme am Wettkampf
1. Während des Spiels
Der Trainer kann den Wechselspielern Aufgaben im Rahmen
einer qualitativen Spielbeobachtung geben, die sie dann in den Auszeiten
direkt oder nach Rücksprache mit dem Trainer an die Feldspieler
weitergeben: Abwehrpositionen des Gegners, Schlagrichtungen der Angreifer,
Schwächen in den Annahmeformationen usw.. Die Spieler sollten dabei jedoch
auf keinen Fall überfordert werden, primäre Aufgabe ist das Spielen! Für
wenig sinnvoll halte ich quantitative Zählungen von Aktionen; der
beauftragte Spieler fällt aufgrund der hohen kognitiven Belastung für
einen sinnvollen Wechsel in dem Spiel aus.
2. Während der
Auszeiten / 3. Während der Satzpause
Sollte der Trainer spezielle Beobachtungsaufgaben
vergeben haben, kann dieser Zeitraum zum Austausch genutzt werden (so z.
B. können die Zuspieler über ihre Angriffsverteilung besprechen). Dies
durchzuführen sollte jedoch über einen längeren Zeitraum geübt werden, da
sonst leicht die Gefahr einer Überfrachtung von Informationen gegeben ist.
Zudem müssen die Feldspieler auch psychisch bereit sein, Informationen von
ihren Mitspielern aufzunehmen.
TOP
|
Möglichkeiten zur
psychischen
Aktivierung und soziale Aufgaben des Wechselspielers
1. Während des Spiels
Die Mannschaft wird von außen unterstützt,
angefeuert, knappe Bälle werden „aus“ gerufen; einzuwechselnden
Spielern wird Mut zu gesprochen, ausgewechselte Spieler werden in den
Kreis aufgenommen; die Spieler, die auf ihren Wechsel warten sollen
sich in ihrem Bereich wohl fühlen – nicht so, dass sie nicht mehr aufs
Spielfeld wollen, sondern so, dass sie mit Energie (körperlich und
kognitiv s. oben) der Mannschaft helfen können und sich somit ihrem
Trainer empfehlen.
2. Während der
Auszeiten
Nach der Aktivierung (s. oben) können den Spielern
noch zum Sechser dazustoßen und letzte, aufmunternde Worte ergänzen.
Ein Klapps auf die Schulter, ein kurzer taktischer Hinweis (den
eventuell der Trainer so vorher mit den Wechselspielern besprochen
hat), und das Spiel geht mit mehr Kraft weiter.
3. Während der
Satzpause
Es gilt wie in der Satzpause: Die Wechselspieler
müssen sich natürlich auf einen eventuellen Einsatz vorbereiten, zudem
haben sie jedoch die Aufgabe mit den Feldspielern gemeinsam den
nächsten Satz vorzubereiten. Also sollten sie auch während der
Satzpausen die letzten 30 bis 50 Sekunden nutzen, um Aufmunterungen,
Anfeuerungen aber auch Hinweise mit den Feldspielern auszutauschen.
Dies erleichtert zudem einen möglichen Wechsel eines Spielers von
draußen in den bestehenden Sechser, die Mannschaft tritt geschlossen
auf. 4. Nach dem Spiel
Nach verlorenen Spielen sitzt die Enttäuschung oft tief
– bei allen Spielern, dass sie verloren haben, bei den Wechselspielern
vielleicht dazu noch, dass sie nicht zum Einsatz kamen. TROTZDEM: je
geringer der körperliche Einsatz in dem Spiel war, desto mehr ist der
Spieler in der Lage, physisch und psychisch erschöpften Spielern zu
helfen. Das ist in diesen Momenten oft sehr schwer – aber auch sehr
hilfreich!
|
Tipps für Wechselspieler
in der Wechselzone stehen und aktiv bleiben
nutze Auszeiten und Satzpausen um dich zu aktivieren
das Team die ganze Zeit unterstützen
Verantwortung übernehmen, bei Ausbällen laut rufen
ständig die Spielerin(nen) beobachten, für die Ihr eingewechselt werden
könntet, d.h. mit welchen Aktionen hat sie Erfolg; muss sie viele Bälle
annehmen, gegen welchen Annahmeriegel schlägt sie auf, welches
Abwehrsystem spielt der Gegner usw.
ständig Blickkontakt zum Trainer haben, vor allem wenn die Mannschaft
unter Druck steht und zum Satzende
immer wechselbereit sein
der Druck der Wechselspielerin ist groß; nicht trotzdem, sondern deshalb
musst du erfolgreich sein!
immer mit einem taktischen Wechsel rechnen, d.h. vorne rein, hinten raus /
für zwei Bälle rein/ Mittelblocker für den Zuspieler für einen Ball etc.
keine negativen Äußerungen während des Spiels
|
|